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Das Publikum hat die Macht

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Von: Karola Schepp

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Gießen (gl). Anweisungen bestimmen unseren Alltag. Ob im Privaten oder im Berufsalltag, ob in der Schule oder in der Familie: Meist sagt einer dem anderen, was zu tun ist. Mancher gehorcht bereitwillig, ein anderer leistet Widerstand und auch für denjenigen, der befiehlt, ist diese Rolle nicht immer leicht zu erfüllen. Diesem Geflecht von zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Prozessen geht das Brachland-Emsemble in seiner neuen Performance »Diktat« nach. Am Freitag, 13. April, ist sie als zunächst einmalig geplantes Gastspiel in der taT-Studiobühne zu sehen. Beginn ist um 20 Uhr.

Gießen (gl). Anweisungen bestimmen unseren Alltag. Ob im Privaten oder im Berufsalltag, ob in der Schule oder in der Familie: Meist sagt einer dem anderen, was zu tun ist. Mancher gehorcht bereitwillig, ein anderer leistet Widerstand und auch für denjenigen, der befiehlt, ist diese Rolle nicht immer leicht zu erfüllen. Diesem Geflecht von zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Prozessen geht das Brachland-Emsemble in seiner neuen Performance »Diktat« nach. Am Freitag, 13. April, ist sie als zunächst einmalig geplantes Gastspiel in der taT-Studiobühne zu sehen. Beginn ist um 20 Uhr.

Dominik Breuer und Gunnar Seidel, beide als Schauspieler am Stadttheater Gießen bestens bekannt, lassen sich auf das Abenteuer ein. »Wir wissen selbst nicht genau, was an dem Abend genau passiert«, berichtet Breuer. Festgelegt sind nur fünf unterschiedliche Spielrunden, in denen einmal Person A Person B Befehle erteilt, die diese zu befolgen hat. In weiteren Schritten kann oder soll eine Anweisung missachtet werden. Das Publikum kann mittels erhobenem Arm entscheiden, wie lange die beiden Protagonisten auf der Bühne agieren sollen. »Das kann ganz schön heftig werden«, sagt Breuer. Doch als eherne Regel gelte, dass niemand erniedrigt werden darf. Ausgehend von zunächst simplen Anweisungen wie »schlage ein Rad« oder »ziehe dein Shirt aus« entwickelt sich so ein Konfliktpotenzial, ohne dass der Humor zu kurz kommt. Die beiden Performer spitzen die Lust am Befehlen und das Selbstverständliche des Gehorchens im Laufe der Performance zu und fordern schließlich die Besucher des Abends auf, selbst einzugreifen. »Das Publikum, das als Dritter im Bunde einbezogen wird, ergreift Partei, diskutiert miteinander und hält am Ende sogar komplett die Macht in seinen Händen«, macht Breuer neugierig. »Erst wenn der letzte Arm im Publikum unten ist, ist Schluss«. Ein interaktives Mitmachtheater im klassischen Sinne sei »Diktat« aber nicht.

Das Brachlandensemble ist eine freie Gruppe professioneller Theater- und Kulturschaffender. Seit 2011 realisiert das Ensemble in unterschiedlichen Besetzungen Projekte im Spannungsfeld von Darstellender Kunst, Dokumentation und Installation, die gesellschaftliche Konstrukte untersuchen und Konventionen hinterfragen. In den vergangenen Spielzeiten hatten Gunnar Seidel, Dominik Breuer und Maria Isabel Hagen vom künstlerischen Leitungsteam bereits unterschiedliche Themen aus dem Alltäglichen aufgegriffen und in Performances verarbeitet. Die Folter-Protokolle der CIA als Live-Hörspiel oder Überforderung in der Arbeitswelt mit »Im Schweiße Deines Angesichts« waren bereits Thema von Vorführungen. Diesmal geht es um Anweisungen von Eltern oder Ämtern, selbstauferlegte Gesetze und Anweisungsstrukturen und Bevormundungen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Leben – eben das, was wir alle als Päckchen mit uns herumtragen.

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