Publikations-Affäre: JLU außen vor

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Wissenschaftler veröffentlichen ungeprüft Tausende Artikel in zweifelhaften Online-Zeitschriften und geben dafür Steuergeld aus: Dieses jetzt bekannt gewordene Phänomen betrifft wahrscheinlich nicht die Justus-Liebig-Universität. Das sei kein Zufall. Seit Jahren achte man auf die Qualität von Publikationen. Das teilt die Hochschulleitung auf GAZ-Anfrage mit.

Wissenschaftler veröffentlichen ungeprüft Tausende Artikel in zweifelhaften Online-Zeitschriften und geben dafür Steuergeld aus: Dieses jetzt bekannt gewordene Phänomen betrifft wahrscheinlich nicht die Justus-Liebig-Universität. Das sei kein Zufall. Seit Jahren achte man auf die Qualität von Publikationen. Das teilt die Hochschulleitung auf GAZ-Anfrage mit.

Derzeit lägen keine Hinweise auf JLU-Wissenschaftler vor, die auf diese fragwürdige Weise in nicht qualitätsgesicherten Journalen publiziert hätten. Betroffene Einrichtungen seien im Rahmen der Recherche von NDR, WDR und dem "Süddeutsche Zeitung Magazin" über Fälle in ihren Reihen informiert worden. Dazugehörten neben Forschungsinstitutionen die Universitäten in Frankfurt, Darmstadt und Kassel. Die JLU habe solche Hinweise nicht erhalten.

Sollten derartige Publikationen noch bekannt werden, so würde eine Überprüfung nach den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis erfolgen. Darauf seien alle JLU-Forscher verpflichtet; das regle auch die Satzung der Universität. Für die Überprüfung gebe es etablierte Strukturen wie eine Ombudsperson oder eine Ständige Kommission.

Unabhängig davon wolle die Uni die Affäre zum Anlass nehmen, über die Problematik von Veröffentlichungen in unseriösen Journalen zu informieren, etwa in Sitzungen der zentralen Gremien. Die Hochschulleitung baue zunächst auf die Eigenverantwortung der Wissenschaftler.

Qualität spielt Schlüsselrolle

Bei Bewerbungen werde selbstverständlich berücksichtigt, in welchen Medien Veröffentlichungen erschienen sind, erklärt die JLU. Das gelte sowohl bei Berufungen von Professoren als auch bei Einstellungen von Postdocs. Die Fachleute in den Berufungskommissionen kennten genau die Qualitätssicherungsverfahren der einschlägigen Zeitschriften und deren Kennzahlen.

2011 habe sich das Präsidium der JLU mit einer "Open-Access-Resolution" zu den Prinzipien der sogenannten Berliner Erklärung bekannt. Sie geht zurück auf eine Mitte der 1990er Jahre entstandene internationale Bewegung, die den kostenfreien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur fordert. Die Begründung: Mit Steuergeldern bezahlte Forschung sollte der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Die JLU fördert mit einem eigenen Publikationsfonds die Erstveröffentlichung in Open-Access-Zeitschriften. Dieser übernimmt anteilig die Artikelbearbeitungsgebühren, die einige Journale – zum Beispiel PLoS oder BioMedCentral – von den Autoren verlangen. Der Fonds wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziell unterstützt.

Auch bei Artikeln, die bereits kostenpflichtig in Zeitschriften veröffentlicht wurden, ist laut JLU eine Zweitveröffentlichung möglich, nämlich auf dem institutionellen Publikationsserver Gießener Elektronische Bibliothek. Die Open-Access-Beauftragten der Uni überprüften vor jeder Bewilligung auch die Qualität der jeweiligen Zeitschrift.

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