Viele Patienten des Früherkennungszentrums haben auch Drogenprobleme. "Ganz viel Kiffen, aber auch häufig Amphetamine", sagt Psychologin Stefanie Simanowski. SYMBOLFOTO: SCHEPP
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Viele Patienten des Früherkennungszentrums haben auch Drogenprobleme. "Ganz viel Kiffen, aber auch häufig Amphetamine", sagt Psychologin Stefanie Simanowski. SYMBOLFOTO: SCHEPP

Psychosen rechtzeitig erkennen

  • vonSebastian Schmidt
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Bei Psychosen wie der Schizophrenie ist eine frühe Diagnose wichtig. Dabei hilft das Früherkennungszentrum für psychische Krankheiten der Uniklinik. Nach dem ersten Jahr des Bestehens ziehen die Verantwortlichen Bilanz.

Alles höre sich so an, als wäre man unter Wasser. Oder die Konturen von Gegenständen lösten sich auf, erklärt Dr. Stefanie Simanowski. Sie ist Psychologin am Früherkennungszentrum für psychische Krankheiten der Uniklinik. Was Simanowski beschreibt, klingt wie eine ausgefallene Filmszene. Es sind aber Symptome, die auf eine Schizophrenie hinweisen. "Schon ein bis zwei Jahre, bevor die Krankheit ausbricht, zeigen sich die ersten unspezifischen Anzeichen", sagt Prof. Christoph Mulert. Er ist der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, zu dem das Zentrum gehört. Zu diesem frühen Zeitpunkt könne man den Verlauf der Schizophrenie positiv beeinflussen. "Die Lebensqualität der Menschen ist dann später merklich besser", sagt Mulert. Das Früherkennungszentrum hilft seit einem Jahr, psychische Krankheiten in ihren Anfangsstadien zu diagnostizieren.

Sozialer Rückzug oder Reizbarkeit

In diesem Jahr seien 35 Patienten zu ihnen gekommen, sagt Simanowski. Der Großteil der Patienten sei von anderen Ärzten überwiesen worden. "Es rufen aber auch Eltern an, die etwas bei ihrem Kind bemerken." Das Mindestalter liege bei 18 Jahren, und die meisten seien auch junge Erwachsene zwischen 18 und 20 Jahren. Die Probleme, mit denen die Menschen kommen, sind vielfältig. Um aus Symptomen wie Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit oder sozialem Rückzug erst einmal die richtige Diagnose zu stellen, trifft sich Simanowski zu drei Sitzungen mit den Patienten.

Auffällig: Viele der jungen Patienten betreiben Drogenmissbrauch. "Ganz viel Kiffen, aber auch häufig Amphetamine", sagt Simanowski. Darauf muss sie bei der Diagnose auch achten: "Ist der Patient gerade bekifft oder noch verkatert, oder ist das ein Symptom?"

Nach der Diagnose bietet Simanowski den Patienten in mehreren Sitzungen selbst Hilfe an oder vermittelt sie weiter. Die häufigsten Diagnosen, die sie gestellt habe, seien: Depression, Borderline und Posttraumatische Belastungsstörung. "Bei drei Patienten ist das Risikosyndrom für Schizophrenie diagnostiziert worden." Da die Früherkennung der Schizophrenie so wichtig sei, wünscht sich Mulert mehr Aufmerksamkeit für das Thema. "Bei der Krebsfrüherkennung weiß mittlerweile jeder Bescheid, bei der psychischen Früherkennung aber noch nicht."

Das Früherkennungszentrum kümmert sich auch um Personen, die mit akuten Symptomen kommen. Oberarzt Johannes Wilhelm sagt: "Als Ambulanz sind wir auch für Notfälle da." Bei zwei Patienten sei es zu einer Verlegung auf die Station gekommen. Bei einer Person habe man beobachten wollen, wie sie sich im Alltag verhält. Eine andere habe starken Gewichtsverlust gehabt. "Das war schon gefährlich", sagt Simanowski. Durch die Anbindung an die Klinik sei das Früherkennungszentrum gut vernetzt. Auch Psychiater schicken Patienten zu ihnen. Mulert erklärt: "Wir haben hier ganz andere Resourcen, um Menschen zu helfen, als ein Kassenarzt es hat."

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