Prozess um versuchte Nötigung eröffnet

  • Harold Sekatsch
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Gießen(se). Wegen versuchter Nötigung muss sich derzeit ein Umweltwissenschaftler der Justus-Liebig-Universität am Amtsgericht verantworten. Der Vorgang liegt bereits sieben Jahre zurück. Damals wurde das Institut des Wissenschaftlers wegen Ermittlungen im "Woolrec"-Komplex, bei dem es um die ungenehmigte Verarbeitung krebserregender Stoffe ging, durchsucht. Der jetzt angeklagte Mann war hier als Gutachter tätig gewesen. Nachdem ein Institutsmitarbeiter im Oktober 2012 einen anonymen Anruf erhalten hatte, bei dem sein Gesprächspartner Wissen über Institutsinterna und damit auch über "Woolrec"-Gutachten offengelegt hatte, soll der Leiter laut Anklage von einer Doktorandin verlangt haben, eine eidesstattliche Versicherung zu unterschreiben - in der sie sich verpflichten sollte, institutsinterne Dinge nicht nach außen zu tragen. Wenn sie nicht unterschreibe, gebe es keine (berufliche) Zukunft für sie und sie könne ihre Doktorarbeit nicht beenden, soll ihr Vorgesetzter gedroht haben. Die Frau erwarb wenig später ihren Doktortitel an einem anderen Institut.

Die Verschwiegenheitserklärung habe ihr der Institutsleiter bei einer Weihnachtsfeier 2012 vorgelegt, berichtete die Frau nun vor Gericht mit weinerlicher Stimme. Das Problem: Weitere unmittelbare Zeugen gibt es nicht, ob das Gespräch mit einem Diktafon heimlich aufgezeichnet wurde, was die Frau wohl zumindest vorhatte, ist unklar.

Der Institutsleiter räumte nun ein, der Mitarbeiterin eine Verschwiegenheitserklärung vorgelegt zu haben, diese aber mit der Empfehlung verbunden, sie prüfen zu lassen. Auch anderen Doktoranden habe er eine solche Erklärung gezeigt. Der Institutsleiter verneinte, die Doktorandin in irgendeiner Form unter Druck gesetzt zu haben.

Wie andere (ehemalige) Mitarbeiter durchblicken ließen, war ihre Kollegin im Team eine Außenseiterin. Lobende Worte fand ein Zeuge dagegen für die Atmosphäre am Institut, den Leiter schilderte er als "freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit". Der Prozess wird fortgesetzt.

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