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Die tödliche Messerattacke aus der Egerländer Straße in Gießen wird derzeit vor Gericht verhandelt.

Messerattacke

Tödliche Messerattacke in Gießen: Angeklagter zu Tatzeitpunkt schuldunfähig?

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Die Tat ereignete sich am helllichten Tag: Am 29. Oktober vergangenen Jahres wurde ein 60- jähriger Gießener in der Egerländer Straße niedergestochen. Er starb wenig später im Krankenhaus. Am Dienstag begann der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Er gilt als schuldunfähig.

Gießen - Dienstag, kurz nach 15 Uhr in Saal 207 des Gießener Landgerichts: Ein junger Mann, der als Nebenkläger am bevorstehenden Prozess teilnimmt, sitzt auf einem Stuhl und beschäftigt sich mit seinem Smartphone. Seine Augen sind auf den Bildschirm gerichtet. Als auf der gegenüberliegenden Seite die Tür geöffnet wird, schaut der junge Mann auf. Zwei Justizvollzugsbeamte führen einen mit Handschellen fixierten Gießener in den Saal.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft handelt es sich dabei um den Mann, der im Oktober des vergangenen Jahres in der Egerländer Straße einen 60-Jährigen getötet hat. Das Todesopfer ist der Vater des jungen Nebenklägers.

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Am Dienstag ist der Prozess gegen den 49-jährigen Gießener eröffnet worden. Ihm wird heimtückischer Mord vorgeworfen. Laut Staatsanwalt Klaus Bender traf der gebürtige Kasache am 29. Oktober 2020 gegen 14.30 Uhr in der Egerländer Straße auf einen Mann aus der Nachbarschaft. Daraufhin soll der Angeklagte den 60-Jährigen gefragt haben, ob er schwul sei.

Als dieser zurückgefragt habe, was die Frage soll, habe der Angeklagte ein Küchenmesser hinter seinem Rücken hervorgeholt und auf sein Gegenüber eingestochen. »Dabei traf er den Geschädigten mit dem Messer in den linken Thoraxbereich zwischen der fünften und sechsten Rippe«, sagte Bender und fügte an, dass der Angeklagte damit den Tod seines Gegenübers billigend in Kauf genommen habe. Laut Anklageschrift wurden durch den Stich sowohl die Lunge als auch das Herz verletzt. Eine Notoperation konnte den 60-Jährigen nicht retten, er starb fünf Tage später.

Der Angeklagte folgte der Schilderung, die eine Dolmetscherin übersetzte, weitestgehend regungslos. Bei der Haftvorführung hatte er die Tat gestanden. Derzeit ist der Gießener in der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Haina untergebracht. Bereits kurz nach der Tat wurde der offenbar psychisch kranke Mann in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht.

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Den Gesundheitszustand des Mannes griff auch Staatsanwalt Becker in seiner Anklageverlesung auf. Demnach war der Beschuldigte zum Zeitpunkt der Tat schuldunfähig. Becker bezog sich dabei auf ein diesbezügliches Gutachten.

Nach der Anklageverlesung war der erste Prozesstag bereits beendet. Die Verhandlung vor dem Schwurgericht soll am 5. Mai fortgesetzt werden. Der Sohn des Todesopfers wird die Verhandlung nicht mehr verfolgen. Das teilte seine Anwältin dem Gericht mit.

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