Der Sensenmann und Patienten in Ketten: Oliver Kmiec (hellgrün) und seine Kollegen aus Seesen haben reichlich Symbolik mitgebracht.
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Der Sensenmann und Patienten in Ketten: Oliver Kmiec (hellgrün) und seine Kollegen aus Seesen haben reichlich Symbolik mitgebracht.

Asklepios in der Kritik

Protest in Gießen gegen neuen Eigentümer des Uniklinikums

Mit einer Aktion auf dem Kirchenplatz protestierte das Bündnis »Gemeinsam für unser Klinikum« für Solidarität mit den Beschäftigten am UKGM. Im Zentrum der Kritik steht der Konzern Asklepios.

Als der Sensenmann zur Tat schreitet, läuten plötzlich die Glocken. Oliver Kmiec möchte den 150 Zuhörern am Samstag auf dem Kirchenplatz gerade von seinen Erfahrungen mit Asklepios berichten. Da durchkreuzt der Stadtkirchenturm alle Pläne.

Eigentlich hat der Betriebsratsvorsitzende der Asklepios Kliniken Schildautal Seesen selbst für ausreichend Symbolkraft gesorgt. Mitgebracht hat er zum Beispiel seinen »Kollegen Kai« im Gewand des Todes, in Ketten gelegte »Patienten« und einen Mann, der vor aller Augen zu »bluten« beginnt. Man muss Kmiec also nicht unbedingt zuhören, um seine Botschaft zu verstehen: Die Übernahme der Rhön-Klinikum AG und damit der Uniklinik Gießen-Marburg (UKGM) durch den Asklepios-Konzern ist eine Katastrophe.

Zu der Kundgebung eingeladen haben das Aktionsbündnis »Gemeinsam für unser Klinikum« und 13 Gewerkschaften, Parteien und Organisationen. Unter dem Motto »Gesundheit statt Profite - Solidarität mit den Beschäftigten am UKGM« befürchten sie, die Übernahme könne vorhandene Probleme weiter verschärfen.

Erster Redner ist Jürgen Bremer, Betriebsratsmitglied am Licher Krankenhaus. Dort habe Asklepios seit der Übernahme im Jahr 2000 permanente »Tarifdrückerei« betrieben, sagt er. Hinzu kämen »24-Stunden-Schichten« in Bereitschaft, Personalmangel und die ständige Ausrichtung am Profit. »Es wird Zeit, dass dieses System abgeschafft wird«, meint Bremer.

Eine Rücküberführung der Uniklinik in Landeseigentum fordern deshalb der Gewerkschafter Klaus Zecher und Melanie Tepe (Die Linke). »Wenn Krankenhäuser eine gesellschaftliche Aufgabe haben, dann gehören sie auch in die Obhut der gesellschaftlichen Verantwortung«, betont Zecher. Kurzfristig brauche es Mindeststandards bei Arbeitsbedingungen und Personalausstattung. Außerdem müssten Stadt und Kreis deutlicher für die UKGM-Mitarbeiter eintreten, so der DGB-Kreisvorsitzende. Handele die Politik nicht, sei »der Sozialabbau programmiert«.

Frank-Tilo Becher richtet seine Kritik an die Regierung Bouffier. »Fünf Prozent Beteiligung, null Prozent Interesse«, scheine ihre Maxime zu sein, schimpft der SPD-Landtagsabgeordnete und verlangt Tarifbindung sowie mehr Mitbestimmung für die Beschäftigten. »Gesundheit ist kein Wirtschaftsgut und kann nicht einfach dem Markt überlassen werden«, sagt Becher. Gerade eine Uniklinik habe hier eine Vorbildfunktion.

Ihre Wut verpacken die Demonstranten in einem Protestlied. »Herr Bouffier und sein Tross, hütet Euch, jetzt kommt Asklepios«, schmettern sie den Refrain mit Frank Eggers vom Marburger UKGM-Betriebsrat. In seiner Rede echauffiert sich Eggers, dass die Uniklinik öffentlich gern als »Leuchtturm« bezeichnet werde. Genau genommen sei das Bild vielleicht gar nicht so unpassend. »Es stammt ja aus der Seefahrt. Und da weiß jeder »Wo man einen Leuchtturm sieht, hält man sich besser fern«, unkt Eggers.

Aus Kmiecs Beitrag spricht auch etwas Fatalismus. Mitarbeiter würden von Asklepios »ausgesaugt und ausgepresst, bis kein Tropfen Blut mehr in ihnen steckt«, berichtet er. Während Kai vor Ort sein Unwesen treibe, blieben Jens und Hubertus in Berlin untätig. »Es kann nicht sein, dass sich Asklepios Tarifverhandlungen mit richtigen Gewerkschaften verweigern darf«, schreibt Kmiec den Bundesministern für Gesundheit und Arbeit ins Stammbuch. »Also macht was! Sonst wütet Kai, bis nichts mehr geht.«

Warum heißt der Sensenmann eigentlich Kai? Kmiec verweist auf Nachfrage auf den Vorstandsvorsitzenden der Asklepios Kliniken GmbH. Sein Name: Kai Hankeln.

Info: »Rhön« und Asklepios

Beim Bieterwettbewerb um das Universitätsklinikum Gießen und Marburg im Jahre 2005 konkurrierten die Rhön-Klinikum AG und der Hamburger Konzern Asklepios noch offen um den Zuschlag durch das Land Hessen. Den erhielt damals bekanntlich die Rhön AG. Nun hat Anfang diesen Jahres Asklepios den Rhön-Aktionären ein Übernahmeangebot für ihre Anteilsscheine gemacht. Damit war das Unternehmen erfolgreich, und so übernimmt es nun auch die Kontrolle über die weitaus größte Klinik von Rhön, das Uniklinikum Gießen und Marburg

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