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Privat oder dienstlich? Am Hambacher Schloss fand die umstrittene Feier statt.

Prozess

Uni Gießen: Professor zu elf Monaten Haft verurteilt

  • VonBarbara Czernek
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„Wenn man zynisch und besserwisserisch seine Macht dazu ausnutzt, um Leute zu kujonieren, seine Macht und Möglichkeiten in die falsche Richtung lenkt, hat man unter Umständen Probleme“, erklärte der Richter: Ein Uni-Professor aus Gießen wurde nun verurteilt.

Gießen - Ein langer Prozess ist am Mittwoch vorerst zu Ende gegangen: Unter anderem für die Abrechnung seiner Geburtstagsfeier über die Transmit GmbH wurde der Angeklagte G. in dem Berufungsverfahren in Abänderung des erstinstanzlichen Urteils zu elf Monaten Haft verurteilt. Die Vollstreckung ist auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Acht Monate werden als abgegolten angesehen. Dies trage der langen Prozessdauer Rechnung, erklärte der Vorsitzende Richter der dritten kleinen Wirtschaftskammer des Landgerichts, Dr. Johannes Nink. Zudem erhielt der Universitätsprofessor die Auflage, 6000 Euro an eine Forschungseinrichtung auf dem Gebiet des Boden-Luft-Gewässerschutzes und des Artensterbens zu zahlen. Das Gericht sah die Taten als Untreue an, folgte nicht dem Vorwurf des schweren Betrugs des Staatsanwalts.

»Wenn man zynisch und besserwisserisch seine Macht dazu ausnutzt, um Leute zu kujonieren, seine Macht und Möglichkeiten in die falsche Richtung lenkt, hat man unter Umständen Probleme«, sagte der Richter in der Urteilsbegründung. Vom eigenen Erfolg getrieben, habe G. zunehmend die Grenzen verloren. Der Vorgang sei dreist gewesen, kommentierte der Richter das Geschehen um die Abrechnung der Geburtstagsparty vor zwölf Jahren. Die Vorgeschichte ist bekannt: Dem Universitätsprofessor wird vorgeworfen, die Feier anlässlich seines 50. auf dem Hambacher Schloss als wissenschaftliches Symposium deklariert zu haben. Dem von ihm geleiteten Transmitzentrum habe er die Veranstaltung dann in Rechnung gestellt: 15 000 Euro. Ende November 2019 ging der Prozess mit der Verwarnung zu Ende.

Gießener Uni-Professor verurteilt: Vollstreckung auf zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt – Richter: „Dreister Vorgang“

Transmit-Geschäftsführer Dr. Peter Stumpf sagte als Zeuge, die Entscheidungskompetenz für Auszahlungen liege bei der Geschäftsführung und der Buchhaltung. Da der Professor einen Projektbereich leitete, konnte er Rechnungen auf deren inhaltliche Korrektheit abzeichnen.

Für Staatsanwalt Dr. Volker Bützner war am Ende der Beweisaufnahme klar, dass es sich bei der Veranstaltung auf dem Schloss eindeutig um eine private Feier gehandelt habe. Zusammen mit den weiteren Tatvorwürfen des Subventionsbetrugs und der Untreue in acht Fällen forderte er ein Strafmaß von einem Jahr und einem Monat sowie die Zahlung von 9000 Euro an eine gemeinnützige Institution. Verteidiger Frank Richtberg sah in der Bewertung der Feier ein normales Geschäftsgebaren und verwies darauf, dass der Transmit kein Schaden entstanden sei, sondern dass es anschließend zu einem Projektauftrag gekommen sei. Er verwies zudem mehrmals auf die überlange Verfahrensdauer und plädierte dafür, die Berufung zu verwerfen und das Urteil der ersten Instanz zu bestätigen. Dem folgte Nink nicht. Allerdings nahm er Verfahrenslänge in seinen Urteilsspruch als strafmildernd auf. Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden.

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