Luftschadstoffe

Prof. Seeger verteidigt Grenzwert 40 Mikrogramm

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Der Ärztliche Geschäftsführer des UKGM, Prof. Werner Seeger, hat den Stickstoffdioxidgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft verteidigt und sich gegen Wissenschaftspopulismus gewandt.

Nach der zunehmenden Kritik an der Erklärung von über 100 Lungenfachärzten, die den Stickstoffdioxidgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft in Frage gestellt hatten, hat sich auch Prof. Werner Seeger zu Wort gemeldet. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) hat der Ärztliche Geschäftsführer des Universitätsklinikums Gießen und Marburg Stellung bezogen zur aktuellen Debatte zum Gesundheitsrisiko von Luftschadstoffen. In dem acht Punkte umfassenden Papier verteidigt der Lungenforscher den von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Grenzwert. "Die wissenschaftliche Kompetenz des an der WHO angesiedelten hochkarätig besetzten internationalen Bewertungsgremiums steht außer Frage", heißt es in der von Seeger unterzeichneten Stellungnahme.

Das Zentrum für Lungenforschung stützt den Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft, dessen Festlegung "vor allem auf epidemiologischen Studien" beruhe.

Epidemiologie sei eine ausgewiesene wissenschaftliche Fachrichtung, welche als eine ihrer wesentlichen Ziele verfolge, Langzeitrisiken von Umwelt- und Lebensstilfaktoren zu erkennen und in ihrer Bedeutung abzuschätzen. Zahlreiche Fragestellungen könnten nur mit diesen Methoden beantwortet werden. So stamme etwa die von niemandem mehr hinterfragte Erkenntnis, dass Rauchen gesundheitsschädigend sei, aus epidemiologischen Untersuchungen, unterstreicht das DZL.

Wissenschaftlich bestehe kein Zweifel daran, dass die Belastung mit Luftschadstoffen eine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung darstelle, nicht nur hinsichtlich Atemwegs- und Lungenerkrankungen, sondern etwa auch im Hinblick auf Herz-Kreislauferkrankungen.

Auf die Kritik Gruppe von Lungenärzten an den Grenzwerten für Luftschadstoffe, die auch der Gießener Kinder-Pneumologe Prof. Hermann Lindemann unterzeichnet hatte, geht der DZL-Vorsitzende ebenfalls ein. "In der gegenwärtigen Stickoxiddiskussion erfuhren wissenschaftspopulistische Aussagen eine rasante mediale Aufwertung", heißt es in dem Papier.

DZL sieht Wissenschaftspopulismus

Das "klassische" Reaktionsmuster der Wissenschaft, Bevölkerung und Entscheidungsträgern wohlüberlegte und ausgewogene Stellungnahmen in ausgesuchten Publikationsorganen anzubieten, sei demgegenüber "vollkommen ins Hintertreffen" geraten. Nun werde zu überlegen sein, wie die betroffenen Wissenschaftsorganisationen diesem Phänomen in Zukunft besser vorbereitet begegnen können. Seeger hält fest, dass politische Entscheidungen "auf dem Boden solider wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen werden sollten".

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