Analyse der Blut-Hirn-Schranke am Transmissions-Elektronen-Mikroskop im Institut für Neuropathologie der Justus-Liebig-Universität. FOTO: JLU / ROLF K. WEGST
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Analyse der Blut-Hirn-Schranke am Transmissions-Elektronen-Mikroskop im Institut für Neuropathologie der Justus-Liebig-Universität. FOTO: JLU / ROLF K. WEGST

Proben aus dem Nervensystem

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Gießen(pm). Infektionen mit SARS-CoV-2 betreffen offenbar auch andere Organe als die Lunge. "Es gibt bei COVID-19 Hinweise auf Infektionen des Herzens und der Niere, aber auch auf eine Beteiligung des zentralen Nervensystems", sagt Prof. Till Acker, Leiter des Instituts für Neuropathologie der Justus-Liebig-Universität (JLU) und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie (DGNN).

Belastbare Belege für eine Beeinflussung von Nervenzellen durch das neuartige Coronavirus beziehungsweise zur Neuroinvasion von SARS-CoV-2 fehlen jedoch bislang; für Infektionen mit anderen humanen Coronaviren ist sie bereits nachgewiesen worden. Um eine mögliche Beteiligung des Nervensystems bei COVID-19 zu untersuchen, wird auf Initiative der DGNN ein deutschlandweites Register mit humanen Proben aus dem zentralen und peripheren Nervensystem bei COVID-19-Obduktionen aufgebaut. Das CNS-COVID-19 benannte Register wird durch das Institut für Neuropathologie und das Institut für Medizininformatik der JLU gemeinsam mit dem MIRACUM-Konsortium (Medical Informatics in Research and Care in University Medicine) organisiert. MIRACUM wird im Rahmen der Medizininformatik-Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert; alle drei Mitgliedshochschulen des Forschungscampus Mittelhessen gehören zu den Mitgliedern.

"Es wird diskutiert, ob eine Beteiligung des zentralen Nervensystems durch eine Störung der kardiorespiratorischen Zentren im Hirnstamm für den häufig ungünstigen Krankheitsverlauf bei COVID-19-Patienten, auch unter Beatmung, mitverantwortlich ist", so Acker. Viele Menschen, die an COVID-19 erkranken, leiden insbesondere unter Schwindel, Kopfschmerz sowie schweren Beeinträchtigungen des Geruchs- und Geschmackssinns. So hatte eine Untersuchung aus Wuhan (China) bei einem Drittel der Patienten mit COVID-19 neurologische Symptome gezeigt. Zudem ist die Erbsubstanz von SARS-CoV-2 in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit nachgewiesen worden.

Mit der neuen Biobank soll nun die Grundlage dafür geschaffen werden, eine mögliche Beteiligung des Zentralnervensystems (ZNS) detailliert morphologisch, molekular und klinisch zu charakterisieren und die Pathomechanismen der SARS-CoV-2-Infektion besser zu verstehen. So ist nicht bekannt, bei welchen klinischen Verläufen und in welcher Häufigkeit das ZNS bei COVID-19 involviert ist.

Das Register soll unter Nutzung der von der Medizininformatik-Initiative entwickelten Plattformen mit anderen COVID-19-Patientenregistern für Abfragen vernetzt werden. "Hierbei wird es einen engen Austausch mit anderen Fachgesellschaften geben", betont Prof. Acker. "Das Register wird der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt." Die Einrichtung ist von der DGNN im Rahmen des von der Charité - Universitätsmedizin Berlin koordinierten "Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin zu COVID-19" beantragt worden.

Beteiligt an dem Register sind an der Universität Gießen neben Acker auch die Professoren Henning Schneider, Keywan Sohrabi (beide Medizinische Informatik) und Christiane Herden (Veterinär-Pathologie) sowie die Privatdozenten Jan de Laffolie (Pädiatrie) und. Anne Schänzer (Neuropathologie).

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