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Aufstieg: Martin Spahr ist ab der Spielzeit 2020/21 am Stadttheater 1. Kapellmeister. FOTO: PM/WEGST

Privileg und Motivation in einem

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Gießen(mm). Er hat es sich verdient: Martin Niklas Spahr wird ab der neuen Spielzeit im Spätsommer 1. Kapellmeister am Stadttheater. Seit er 2015 mit dem Philharmonischen Orchester Gießen sein Konzertexamen ablegte, ist der Mann mit dem Zopf am Berliner Platz als Repetitor, Kapellmeister und musikalischer Leiter der Schauspielsparte beschäftigt.

Die Beförderung gewährt dem 30-Jährigen nun mehr Möglichkeiten, sein Können zu erweitern, legt ihm aber auch mehr Pflichten auf - wie nebenbei wird er zum "Ersatzmann" für den neuen Generalmusikdirektor Florian Ludwig. Spahr sollte künftig sämtliche Stücke, egal ob Opern, Tanztheaterproduktionen mit Orchestermusik oder die Sinfoniekonzerte, dirigieren können. "Für den ›Feuerwehrfall‹ muss ich Gewehr bei Fuß stehen", sagt der Dirigent. Wenn er nicht ohnehin schon am Pult agiert.

"Ich empfinde meine neue Aufgabe als Privileg und Motivation gleichermaßen", betont Spahr. Motiviert ist er ja schon lange. Besonders in den vergangenen Monaten wurde ihm einiges abverlangt, als das Stadttheater praktisch nur noch ihn als festen Dirigenten führte, von den beiden Repetitoren abgesehen. Ex-Generalmusikdirektor Michael Hof-stetter, bei dem Spahr ab 2012 hospitierte, schmiss vorzeitig hin, und sein Stellvertreter Jan Hoffmann weilt in der aktuellen Spielzeit als Chordirektor in Dresden. Da kam einiges an Arbeit zusammen.

Die Mühen haben sich gelohnt. "Das ist für mich ein wichtiger Karriereschritt", sagt Spahr, der schon früh und auch während seines Orchesterleitungsstudiums an der Musikhochschule Frankfurt dem Theater seiner Heimatstadt verbunden war. "Mit 14 habe ich im Extrachor als Sänger angefangen", lacht der Musiker, der eigentlich Bariton werden wollte, ehe ihn das Dirigierfieber packte. "Das ist schon mehr als 15 Jahre her."

Besondere Beachtung fand Spahr in Gießen mit der musikalischen Leitung der Schnittke-Oper "Leben mit einem Idioten". "Das Stück hat mir sehr viel gebracht im Umgang mit allen Beteiligten." Auch Heiner Goebbels’ szenisch-musikalisches Monumentalwerk "Surrogate Cities", das mit 400 Beteiligten in der Osthalle zur Aufführung kam, machte Spahr zu einem Erfolg. "Das Dirigieren bedeutet für mich viel. Viel Verantwortung gegenüber dem Orchester, dem Komponisten und dem Publikum."

Auf dem Konzertpodium leitet er am Stadttheater außerdem die Examenskonzerte in Kooperation mit der Musikhochschule Frankfurt. Darüber hinaus führt er durch Kinderkonzerte mit über 300 Beteiligten auf der Bühne.

Als Komponist und Arrangeur verfasste Spahr neben Partituren für Projekte des Theaters auch das Arrangement der Offenbach-Operette "Häuptling Abendwind" mit Dan Chamandy, Karola Pavone und Tomi Wendt in den Hauptrollen. Das Team gewann den Operetten-Preis des Bayrischen Rundfunks. Ferner zeichnet Spahr für die Musik verschiedener Schauspiel-Produktionen verantwortlich.

Bleibt da noch Zeit für andere Dinge? Der Dirigent nickt: "Aber nur für Musik." 2018 debütierte er im Rahmen der Osterfestspiele Baden-Baden und den Internationalen Maifestspielen Wiesbaden, 2019 beim Klangspuren-Festival in Innsbruck. Er leitete die Musical-Uraufführung "Lotte" der Wetzlarer Festspiele und ist Dirigent des Kur-Sinfonieorchesters Bad Nauheim.

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