250 Privatwaffen weniger

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Hilfe, ich habe von meinem Opa unangemeldete Gewehre geerbt – wie werde ich sie los, ohne Ärger mit den Behörden zu riskieren? Dieses Problem konnte man den letzten zwölf Monaten unkompliziert lösen. Davon machten überdurchschnittlich viele Mittelhessen Gebrauch.

Hilfe, ich habe von meinem Opa unangemeldete Gewehre geerbt – wie werde ich sie los, ohne Ärger mit den Behörden zu riskieren? Dieses Problem konnte man den letzten zwölf Monaten unkompliziert lösen. Davon machten überdurchschnittlich viele Mittelhessen Gebrauch.

Im Rahmen der jüngsten Amnestieregelung wurden 250 Waffen beim heimischen Polizeipräsidium und beim Landkreis Gießen abgegeben. Die meisten Bürger erklärten, die Stücke stammten aus einem Nachlass. Es gebe keine Schätzung, wie viele Pistolen, Gewehre und Messer noch immer rechtswidrig in Haushalten aufbewahrt werden, erklärt die Polizei auf GAZ-Anfrage.

LKA prüft Verwendung bei Straftaten

Ein 17-Jähriger holt aus dem Elternschlafzimmer die Beretta des Vaters, der Sportschütze ist, und erschießt 15 Menschen und schließlich sich selbst. Unter dem Eindruck dieses Amoklaufs von Winnenden gewährte der Staat 2009 erstmals Straffreiheit bei der Abgabe. In Hessen wurden seinerzeit insgesamt rund 2700 unerlaubt besessene Schusswaffen und etwa 3300 sonstige Waffen – beispielsweise Messer – abgeliefert. Hinzu kamen rund 10 000 legale Schusswaffen sowie rund zwei Tonnen Munition. Etliche Besitzer wollten auch sie nicht behalten, etwa wegen verschärfter Regeln für die Aufbewahrung.

Dass damals keineswegs alle Privatleute die Gelegenheit zur "Abrüstung" genutzt haben, wurde bei der aktuellen Amnestie deutlich. Hessenweit zählte das Innenministerium bis Ende Mai über 900 illegale Schusswaffen, die abgegeben wurden. Das Polizeipräsidium Mittelhessen, eines von sieben landesweit, war dabei stark vertreten. Bis Ende Mai – die Zahlen für Juni liegen noch nicht vor – landeten hier 237 Pistolen, Revolver, Luftgewehre, Büchsen oder Flinten. 118 sind sogenannte Kurzwaffen, 119 Langwaffen. Bei der zuständigen Behörde des Landkreises gaben drei Bürger aus Gießen und Pohlheim sieben weitere Exemplare ab, sechs Kurzwaffen und eine Langwaffe.

Diese drei Abgebenden sagten übereinstimmend, sie hätten die Waffen geerbt und eigentlich als Andenken behalten wollen. Sie wollten sich aber lieber nicht strafbar machen und nutzten daher die Möglichkeit zur straffreien Abgabe. Die Polizei hörte ebenfalls vorwiegend solche Erklärungen. "Wir haben dazu einige Fragen gestellt, wollten beispielsweise wissen, wer die Waffe abgibt und woher die Waffe stammt", so ein Sprecher.

Einige Besitzer wollten die gefährlichen Gegenstände nicht selbst transportieren und riefen bei der Polizei an, die die Waffen abholte. Jeder erhielt nach einer Eigentumsverzichtserklärung einen Sicherstellungsnachweis als Quittung.

Die Waffen und Munition werden unter Sicherheitsvorkehrungen in der Asservatenkammer der Polizei sachgerecht zwischengelagert. Bevor sie eingeschmolzen werden, überprüft das Landeskriminalamt, ob damit Straftaten begangen wurden.

Hessens Innenminister Peter Beuth hat die Aktion als Erfolg bewertet. Die Amnestie habe eine gute Gelegenheit geboten, um Erbstücke oder sonstige Waffenbestände aus Privathaushalten zu entfernen. Zusätzlich zu den illegalen seien (alleine bis Jahresende 2017) 2400 legale Schusswaffen zu den Behörden gebracht worden. Darüber hinaus habe die Kampagne zur Sensibilisierung beigetragen. "Jede Schusswaffe, die abgegeben wird, schafft mehr Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger. Denn Waffen haben im öffentlichen Raum nur etwas in den Händen von Polizisten zu suchen", so der CDU-Politiker.

Der Landkreis weist darauf hin, dass die Behörden jederzeit Waffen zur Vernichtung entgegennehmen. Auch im vergangenen Jahr seien etliche Exemplare – etwa Fundwaffen oder defekte Pistolen – ohne Bezug zur Amnestie abgegeben worden. Diese Zahlen hätten sich im Vergleich zu Vorjahren nicht auffällig geändert. "Rückschlüsse über den Waffenbesitz der Bürgerinnen und Bürger können aus einer solchen Aktion nicht geschlossen werden."

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