+
Für Carina I. (l.) und ihre Vorgängerin Sabrina II. ist die Rolle der Fassenachtsprinzessin eine Herzensangelegenheit. FOTO: SCHEPP

Prinzessinnen aus Leidenschaft

  • schließen

Stress, Müdigkeit, schlechte Stimmung? "Gibt es nicht!" Das sagen die Gießener Fassenachts- prinzessin Carina I. und Vorgängerin Sabrina II. Für die beiden ist das Prinzessinnen-Dasein eine Berufung. Im Interview sprechen sie darüber, wie sich das zeitintensive Amt mit Beruf und Familie vereinbaren lässt und dass WhatsApps in der Nacht manchmal helfen können.

Frau Römer, Sie sind die neue Prinzessin der GFV. Wie gefällt es Ihnen?

Carina Römer:Sehr gut. Man macht viele nette Bekanntschaften. Es ist eine rundum gelungene Zeit.

Wie sind Sie und Ihr Mann Prinzenpaar geworden?

Römer:Ich bin in der GFV aktiv, seit ich drei Jahre bin. Mein Mann auch. Es war schon immer sein großer Wunsch, mal Prinz zu sein. Da er aber beim Musikkorps in Großen-Linden extrem engagiert ist und ich mit meiner Hofdame die Kadetten trainiere, war das lange Zeit eigentlich kein Thema für uns. Aber bei einer Sitzung 2018 kam es dann doch irgendwie auf und in einer Prosecco- oder eher Bierlaune habe ich gesagt, wir können das machen. Es war eine spontane Entscheidung und der damalige GFV-Präsident Jörg Langsdorf, der das mitbekommen hat, hat uns dann direkt "verhaftet".

Geben Sie, Frau Trommer, Ihrer Nachfolgerin regelmäßig Ratschläge?

Sabrina Trommer:Ja, es gibt ja immer Fragen oder auch Anregungen, die ich weitergeben kann. Und da wir uns oft auf verschiedenen Veranstaltungen sehen, tauschen wir uns auch regelmäßig aus.

Römer:Ich habe auch schon nachts WhatsApps geschrieben - und immer eine Antwort bekommen.

Wie anstrengend ist das Prinzessinnenleben?

Trommer:Anstrengend ist es nicht. Es ist wie eine Berufung. Man wächst in seine Rolle hinein und man lebt sie.

Römer:Ja, es ist eine Herzensangelegenheit, das finde ich auch. Ich glaube, da ticken wir ziemlich ähnlich.

Trommer:Prinzessin zu sein, ist etwas Besonderes, etwas Schönes, Einzigartiges. Man sollte wertschätzen, dass man das überhaupt machen darf.

Römer:Man bekommt auch so viel zurück von den Menschen, die man kennenlernt, und von den Begegnungen, die man hat. Einzigartig trifft es perfekt.

Wie lange benötigt man als Prinzessin, um sich fertig zu machen?

Römer:Zuletzt habe ich es in 20 Minuten geschafft. Ich werde immer schneller.

Trommer:Ich hatte das Glück, dass ich eine Friseurin hatte, die zu mir kam. Die Haare dauern natürlich dann länger. Aber es war am Schluss so, dass ich mich fast alleine anziehen konnte.

Denken Sie, dass es als Prinzessin hilfreich ist, wenn man sich in der Fassenacht auskennt?

Trommer:Auch für Fasse-nachter ist es etwas ganz Neues. Ich kann gar nicht sagen, ob es besser ist, wenn man schon Erfahrung hat.

Römer:Der jetzige Präsident Arndt Niedermayer und einige andere haben auch immer zu uns gesagt: "Ihr kennt das ja schon alles", aber dem ist nicht so, weil die Rolle Prinzenpaar nunmal etwas ganz Besonderes ist. Das ist unvergleichbar.

Man verbringt sehr viel Zeit zusammen. Wie wirkt sich eine Kampagne auf die Beziehung aus?

Trommer:Bei uns war das toll.

Römer:Es ist schön, wenn man viel Zeit miteinander verbringt. Es gab bei uns nicht einmal schlechte Stimmung, weder zwischen meinem Mann und mir, noch im Bus mit dem Hofstaat. Jeder hat Spaß und jeder macht das mit Herzblut. Schlechte Stimmung gibt es einfach nicht.

Trommer:Nein. Und falls doch, bleibt die schlechte Stimmung auf jeden Fall aus dem Bus draußen.

Und wie lässt sich das Ganze mit dem Beruf vereinbaren?

Römer:Gut. Ich bin während der Kampagne bisher Vollzeit arbeiten gegangen. Nur jetzt in den letzten beiden Wochen habe ich Urlaub. Klar, dadurch, dass wir eine fünfjährige Tochter haben, will alles gut organisiert sein. Ohne die Unterstützung unserer Familie wäre das nicht so einfach. Aber so funktioniert es prima.

Trommer:Das war bei mir auch so.

Frau Römer, wie findet Ihre Tochter es, dass Sie jetzt als Prinzessin auftreten?

Römer:Schön. Sie sagt immer: "Mama, du bist die Prinzessin, ich die Königin." Das liegt an dem Film Elsa, der gerade im Kino lief. Sie findet es großartig. Sonntags sind wir ja bei vielen Kinder- und Familiensitzungen, da hat sie schon gesagt, sie möchte dann wieder mit im Prinzenbus fahren. Das durfte sie jetzt schon einmal und das ist natürlich ganz spannend für sie.

Trommer:Meine zwei erwachsenen Jungs haben damals gesagt: "Ach du Gott, die Mutter wird Prinzessin." Die haben mit Fassenacht überhaupt nichts zu tun, von daher haben sie erstmal lachen müssen, aber nachher fanden sie es dann auch schön.

Frau Trommer, wie fühlt sich die erste Kampagne "danach" an?

Trommer:Sehr gut. Wir freuen uns, dass Carina und ihr Mann das zusammen erleben dürfen, was wir letztes Jahr erlebt haben. Das habe ich vor allem bei der Inthronisation gemerkt, als die zwei mit ihrem Hofstaat auf der Bühne standen und wir unten saßen und zugesehen haben.

Frau Trommer, was war letztes Jahr das Highlight?

Trommer:Die Inthronisation. Das ist einfach das Emotionale, das Imposante. Als wir in die gefüllte Kongresshalle kamen und wussten, die Gäste sind alle da, weil wir inthronisiert werden, war das einfach ein wahnsinnig tolles Gefühl und einer der schönsten Momente der ganzen Kampagne. Aber jeder Besuch ist besonders und es macht überall Spaß - gerade in den Seniorenheimen oder den Kindergärten. Die Wertschätzung, die man dort bekommt, diese strahlenden Augen, die geben unheimlich viel. In solchen Momenten vergisst man den gesamten Stress.

Was war für Sie bis jetzt das Highlight, Frau Römer?

Römer: Es gibt ganz viele schöne Momente und tolle Begegnungen. Aber, wie Sabrina sagte, die Inthronisation war wahnsinnig schön. Auch dass wir in Berlin bei Angela Merkel das Land Hessen und die Stadt Gießen vertreten durften, war natürlich eine wahnsinnig große Ehre und ein absolutes Highlight. Und der Empfang beim Ministerpräsidenten in Wiesbaden war ebenfalls unglaublich herzlich. Bei den Vereinen, auf deren Veranstaltungen wir zu Gast sind, ist es ebenfalls total schön, weil immer irgendjemand da ist, den man kennengelernt hat, der auf einen zukommt. Und meistens ist unser Elferrat dabei, der Stimmung macht, wenn wir auf die Bühne marschieren. Von daher kann ich noch nicht sagen, was genau jetzt das Schönste war. Ich glaube, dafür brauche ich ein bisschen Abstand.

Trommer:Das kann man bis heute manchmal nicht. Zuhause reden wir immer noch oft darüber. Dieses herzliche Hallo überall, das war so schön. Man kann mit Worten gar nicht beschreiben, wie toll diese ganze Kampagne war.

Ist man vor den Auftritten aufgeregt oder verfliegt das mit der Zeit?

Römer:Bei der Inthronisation war ich wahnsinnig aufgeregt, wobei ich sagen muss, am 11.11. auch. Zu Sabrina habe ich bei der Inthronisation gesagt: "Hoffentlich muss ich auf der Bühne nicht auf Toilette." Aber alle, die mir gesagt haben, dass das nicht passiert, hatten recht. Es ist wahnsinnig viel Adrenalin im Körper. Mittlerweile geht es aber. Man kennt jetzt so viele Beteiligte, dass es sich ein bisschen wie nach Hause kommen anfühlt. Aber klar, hier und da bin ich auch immer mal wieder aufgeregt. Man durchlebt eine Gefühlsachterbahn.

Trommer.Genau! Wirklich verflogen ist die Aufregung bei mir nie.

Wird man als Prinzessin auch in zivil erkannt?

Römer:Es macht sich schon bemerkbar. Manche gucken einen lange an und fragen irgendwann: "Ja sind Sie nicht die...?" Aber das ist lustig.

Trommer:Gerade wenn man - wie ich - in einem kleineren Ort wohnt, wird man oft erkannt. "Ach, die Prinzessin geht einkaufen." Dann wird erst einmal in den Wagen geguckt: "Ah, was hat denn die Prinzessin eingekauft?" Mal schnell etwas besorgen, war bei mir unmöglich. Ich musste immer mehr Zeit einplanen, weil mich irgendjemand angesprochen hat.

Frau Römer, worauf freuen Sie sich noch besonders?

Römer:Wir freuen uns auf die Prunksitzung und ganz besonders auf den Seniorennachmittag. Auch der Umzug ist immer ein Highlight. Ich kenne das durch meine Tanz-Zeit - und jetzt als Prinzessin wird es wahrscheinlich noch eine andere Nummer werden. Letzte Woche waren wir in der Kinderklinik. Das war auch ein total schöner Termin. Von daher freue ich mich schon auf Rosenmontag und Faschingsdienstag, wenn wir in Kindergärten und Seniorenheimen unterwegs sind. Die Leute sind so dankbar, und die Kinder sind so ehrlich, das ist das Schönste.

Frau Trommer, fällt man an Aschermittwoch in ein Loch?

Trommer:Als wir vormittags aufgewacht sind, haben wir erstmal überlegt: "Was machen wir denn jetzt?". Plötzlich hatten wir keinen Zeitdruck mehr. Aber das legt sich schnell, weil dann abends noch die Verabschiedung ansteht. Darauf haben wir uns emotional vorbereitet, denn das ist der Punkt, an dem man merkt, dass es wirklich vorbei ist. Das war schon komisch. Aber Carina und Sebastian haben ja auch die Kleine, sodass auch bei ihnen der Alltag schnell weitergehen muss.

Frau Trommer, haben Sie Tipps, wie man in der heißen Phase durchhält?

Trommer:Mit einem starken Kaffee am Morgen. Man kann das gut schaffen, denn man weiß ja vorher, was in der heißen Phase auf einen zukommt. Außerdem pusht einen das Adrenalin, sodass man nicht müde wird.

Frau Römer, haben Sie einen Vorsatz für den Endspurt?

Römer:Unser Vorsatz ist nach wie vor: Mit Konfetti wird alles bunter.

Die Prinzessinnen

Sabrina Trommer war als Sabrina II. 2018/2019 Prinzessin der GFV. Sie lebt mit ihrer Familie in Großen-Buseck und arbeitet als Verkäuferin im Kauflädchen "Trend". Sie ist Vorsitzende des Katholischen Fastnachtsclub Buseck und engagiert sich dort als Chefin des Deko-Teams und Trainerin der Minis.

Carina Römer ist als Carina I. in diesem Jahr Fassenachts-prinzessin. Sie arbeitet als Sekretärin in der Uniklinik und ist seit Kindertagen in der GFV aktiv. Gemeinsam mit ihrem Prinz hat sie einst bei den Kadetten begonnen, die sie heute selbst trainiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare