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Die vier Nachwuchsautoren (v. l.) Patrizia Krug, Timothy Brian Heinle, Nele Klattes und Mascha Seip.

Preisgekrönte Erzählungen

Gießen (cmd). "Jung, flott, frisch…" lautete das Motto einer Lesung am Sonntagvormittag in den Marktlauben. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Eine(r) liest" - Untertitel: "Wer nicht lesen will, muss hören" - versammelten sich auf den Bierbänken zahlreiche Zuhörer, um sich von vier jungen Autoren in die Welten ihrer Kurzgeschichten entführen zu lassen.

Für die dritte Lesung in der diesjährigen Reihe teilten vier Preisträger des OVAG-Jugendliteraturpreises ihre preisgekrönten Kurzgeschichten mit einem interessierten Publikum. Moderiert wurde die Veranstaltung von Ekatherina Doulia, welch zwischen den Geschichten auch einige Fragen an die Schriftsteller stellte.

Und eine Verschnaufpause war auch durchaus nötig. Gleich zu Anfang, als Patrizia Krug ihre Kurzgeschichte "Zeitsteine" verlas, wurden die Anwesenden nachdenklich gestimmt. Die 1998 geborene Preisträgerin war am Sonntag die Älteste im Bunde und hatte ihre Geschichte während ihrer Abi-Phase verfasst. "Zeitsteine" handelt von dem Umgang mit Unsterblichkeit und generell von der Frage danach, was passieren könnte, wenn gewisse Menschen Kontrolle über die Zeit besäßen - ein im wahrsten Sinne des Wortes fantastisches Thema, und umso fantastischer in der literarischen und metaphorischen Umsetzung.

Als nächstes war Timothy Brian Heinle mit seinem Text "Bier und Flieder" an der Reihe. Ein anfangs verworrener, schwer zu verstehender Text, bei dem allein durch die vielen Zeitsprünge und Ortswechsel Fragen aufkommen, entpuppt sich nach einiger Zeit als eine clevere, sehr subtil eingeleitete Metapher für den Tod und das Sterben.

Der dritte Text war "Unter der Erde schneit es nicht" von Nele Klattes. Sie berichtet aus mehreren Erzählperspektiven von einer sich in einer U-Bahn Station ereignenden Ereignisverkettung. Dabei entblößt sie die inneren Motivationen der Protagonisten, die deren Egoismus entspringen, und beschreibt so sehr visuell die eskalierende Situation. Die Geschichte widmete sie "Allen, die gegen den Strom schwimmen."

Den Abschluss der Veranstaltung bestritt Mascha Seip. Die 2003 geborene Autorin war am Sonntag die jüngste Leserin und hat bereits letztes Jahr einen Jugendliteraturpreis gewonnen. Ihre aktuelle Kurzgeschichte "Ein Päckchen Wahrheit" handelt von einer jugendlichen Ich-Erzählerin, die als Einzige aus ihrer Familie die Wahrheit über den Tod ihres Großvaters kennt. Sie steht nun also im Konflikt mit sich selbst, ob sie ihrer Großmutter dieses "Päckchen Wahrheit" anvertrauen kann und ob sie dies überhaupt sollte - ihre Oma trauert ohnehin schon genug. Wie sie sich letztendlich entscheidet sei hier nicht vorweggenommen - alle Kurzgeschichten und noch mehr können im Buch "Gesammelte Werke" des Jugendliteraturpreises gefunden und gelesen werden. Jenes und noch viele weitere konnten auch am Sonntag an einem Bücherstand in den Marktlauben erworben werden.

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