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Probenfoto zur nächsten Stadttheaterpremiere von »Gold« im Großen Haus des Stadttheater.

Postapokalyptisches Mosaik

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Gießen (gl). In seinem Schauspiel »Gold« weitet Philipp Gärtner das Sterntalermotiv zu einem Märchen vom Niedergang des Spätkapitalismus. Die Uraufführung ist am Samstag, 11. September, um 19.30 Uhr als Ensemblestück im Großen Haus des Stadttheaters zu sehen. Eine »Art Welttheater« verspricht Schauspieldramaturg André Becker beim Vorabgespräch.

Regisseur Titus Georgi hatte seine Inszenierung noch vor Corona nahezu fertig, dann sollte sie in der vorherigen Spielzeit vorgezogen werden, musste wegen des Lockdowns aber wieder verschoben werden und schafft es nun als Uraufführung im dritten Anlauf auf die Bühne. Einer der wenigen Vorteile dieser besonderen Umstände ist, dass es bereits eine interne Premiere vor kleinem Publikum geben konnte und das Regieteam mit Autor Philipp Gärtner in direktem Kontakt steht. Er wird auch am Premierenabend anwesend sein. Gärtner wurde 1986 in Berlin geboren, ist seit 2012 als freier Schriftsteller und Regisseur tätig und studierte 2014 bis 2018 Szenisches Schreiben. Seit 2017 ist er Teil des Leitungskollektivs des Berliner Ringtheaters.

Welttheater mit vielen Figuren

Regisseur Titus Georgi zeigt in »Gold« nach Art einer Revue ein gut geöltes kapitalistisches Räderwerk mit der Mechanik unserer schnell beschleunigten Warenwelt. Ein gestresster Pizzalieferant fährt Radfahrerin Tilda an und zieht ihrem prekären Leben den finanziellen Boden weg. Es beginnt eine wahre Absturzspirale. Als Tilda verhaftet wird, fallen tennisballgroße Goldklumpen vom Himmel: Das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Nach der Apokalypse kriecht Tilda durch die Kanalisation, sendet Nachrichten aus dem Untergrund, während auf der Oberfläche Überlebende und Tote durch die Trümmer unserer Zivilisation irren.

Grotesk überzeichnete Alltagssituationen treffen auf ein postapokalyptisches Mosaik, durchmischt mit trockenem, bösem Humor. Die Dynamik der Inszenierung hat mehrere Ebenen: ist im ersten Teil Erzähltheater, im zweiten Dystopie, vorangetrieben durch die Musik von Parviz Mir-Ali. Bühnenbildner Jochen G. Hochfeld hat eine an einen Zirkus erinnernde Arena entworfen, die den Gedanken der Welt als Bühne aufgreift. Seine Kostüme sind am Realismus orientiert, bedienen sich aber bewusst an Klischees um die Figuren unterscheidbar zu machen.

Denn, ungewöhnlich für eine Uraufführung, wird mit »Gold« das erste Stück eines jungen Autors nicht nur auf die große Bühne gestellt, sondern auch groß besetzt: Beinahe das gesamte Schauspielensemble wirbelt in der Uraufführung über die Bühne, wobei die unterschiedlichsten Rollen eingenommen werden. Auch zwei Autos spielen eine Rolle. Und es fällt »tatsächlich« Gold vom Himmel.

Premiere ist am 11. September um 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen: 24. September, 3. Oktober, 22. Oktober, 18. November und 4. Dezember.

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