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Porträts bedrohter Existenzen

  • vonKatrin Hanitsch
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Nicht mehr lange, dann ist es ein Jahr her, dass die letzten großen Veranstaltungen stattgefunden haben. Ein Jahr, in dem viele Menschen in der Veranstaltungsbranche zum Nichtstun verdammt waren und es noch immer sind. Die Aktion »Kulturgesichter« will diesen Menschen mehr Aufmerksamkeit verschaffen.

Das letzte Konzert inmitten einer feiernden Menge, die letzte Lesung ohne Mindestabstand oder der letzte Theaterbesuch ohne Hygienevorschriften - fast jeder wird sich an eine letzte Veranstaltung erinnern, die so seit dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr nicht mehr möglich war. Das letzte Konzert, das Sabine Glinke von SG Medien & Events veranstaltet hat, war ein Konzert des heimischen Singer/Songwriters Norman Keil mit seiner Band im Dezember 2019. Noch am 7. März hat sie beim Festival »Lahnau rocks« Flyer für ihr eigenes Festival »Gleiberg rocks« verteilt, das für den Sommer geplant war. Doch daraus wurde nichts.

Rund 100 Bilder

Ihr wie auch unzähligen anderen Menschen aus der Kulturbranche machen die Corona-Beschränkungen nun seit fast einem Jahr das Leben schwer. Deshalb hat sie die Initiative ergriffen, als sie von der bundesweiten Aktion »Kulturgesichter« erfahren hat, und sie in den Gießener Raum geholt. Den Ableger »Kulturgesichter Mittelhessen« gab es zu diesem Zeitpunkt schon, allerdings mit Schwerpunkt auf dem Lahn-Dill-Kreis. Organisator ist dort Daniel Wendlandt, Glinke hat den Bereich Gießen organisatorisch übernommen.

Ziel der ursprünglich als reine Social-Media-Kampagne angelegten Aktion ist es, all die Menschen zu zeigen, die hinter, neben oder vor der Bühne für den reibungslosen Ablauf einer Veranstaltung sorgen und die nun seit Monaten um ihre Zukunft bangen: etwa Eventmanager, Musiker, Licht- und Tontechniker, Sänger, Kneipiers, Security und DJs. Inzwischen sind es rund 100 eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Fotografien, die zeigen, wie viele Menschen betroffen sind, an die man bei Kulturveranstaltungen nicht sofort denkt, weil sie nicht im Rampenlicht stehen. Porträtiert werden sie von Fotograf Christian Lademann im Gießener Jokus, das dafür seinen großen Saal zur Verfügung stellt.

Inzwischen ist die Aktion auch jenseits der sozialen Medien sichtbar geworden - und hörbar. Die Gießener Band April Art lässt die »Kulturgesichter Mittelhessen« im Video zu ihrem Song »Break the Silence« auftreten. Einige Plakate mit den Fotografien hängen bereits an der Wetzlarer Rittal Arena, weitere sollen an anderen Stellen folgen.

Hoffnung auf Hilfe

Mit mehr Aufmerksamkeit ist auch die Hoffnung auf mehr und unkompliziertere finanzielle Hilfen verbunden. Denn derzeit sieht Glinke für viele aus der Branche schwarz. Sie befürchtet, dass die ersten noch in diesem Quartal aufgeben werden. »Uns wurde eine Bazooka versprochen und herausgekommen ist eine Wasserpistole«, sagt sie über die staatlichen Hilfen. »Ja, es gibt Hilfen, aber sie greifen vor allem für die vielen Soloselbstständigen nicht.«

Noch sind Kulturveranstaltungen in weiter Ferne. Für viele der »Kulturgesichter« bleibt nur zu hoffen, dass sie noch dabei sind, wenn es wieder losgeht.

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