Auch der Gießener Standort im Ohlebergsweg ist von Sparmaßnahmen betroffen. FOTO: SCHEPP
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Auch der Gießener Standort im Ohlebergsweg ist von Sparmaßnahmen betroffen. FOTO: SCHEPP

"Restrukturierungsprozess"

Poppe Veritas AG streicht Stellen auch in Gießen

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Beim Automobilzulieferer Poppe Veritas stehen umfangreiche Veränderungen bevor. Am Standort Gießen müssen 20 Mitarbeiter gehen. Insgesamt sollen 900 Arbeitsplätze wegfallen.

Gießen - Beim Automobilzulieferer Veritas AG, zu dem die Gießener Poppe GmbH im Ohlebergsweg gehört, stehen umfangreiche Veränderungen bevor. Da gab das Unternehmen am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekannt.

Die liest sich auf den ersten Blick durchaus positiv. Man stehe vor einer "umfassenden Neuorientierung", durch die Übernahme durch den amerikanischen Industrieinvestor AIAC (American Industrial Acquisition Corporation) sei ein "entscheidender Meilenstein im laufenden Restrukturierungsprozess erreicht", der wiederum die "Zukunftsfähigkeit der deutschen Standorte sichern" solle. Unterm Strich heißt das aber, dass in der Poppe-Veritas Gruppe bis Ende des Jahres 2022 fast 900 Arbeitsplätze wegfallen, 20 davon am Standort in Gießen, an dem zuletzt 320 Menschen beschäftigt waren. Besonders hart trifft es den Veritas-Standort in Gelnhausen. Dort müssen 700 der 1400 Beschäftigen in den nächsten drei Jahren gehen. Auch an den beiden Standorten in Thüringen und Sachsen werden laut Veritas künftig insgesamt 160 Menschen weniger arbeiten.

Zudem hat das Unternehmen die Mitarbeiter aufgefordert, auf ihre Jahresleistungsprämien für die Jahre 2019 bis 2022 zu verzichten.

Der US-Investor AIAC, auf industrielle Sanierungsfälle spezialisiert, wird die Mehrheit der Veritas-Anteile übernehmen und den Sanierungsprozess des kriselnden Konzerns steuern, der sich "mittlerweile mit einem Marktrückgang von mehr als zehn Prozent konfrontiert" sehe.

In diesem Prozess sollen wesentliche Teile der Produktion ins Ausland verlagert werden. Die Poppe Veritas Gruppe beschäftigt weltweit 4300 Menschen, 2100 davon in Deutschland. Trotz des Abbaus solle Deutschland "der entscheidende Standort bleiben", sagt Vorstandssprecher Matthias Häberle in der Pressemitteilung. Daher seien die Einschnitte "massiv und schmerzhaft, aber ohne Alternative" auf dem Weg zu einem "nachhaltig gesunden Unternehmen für mehr als 1300 Menschen in Deutschland".

Laut Hessenschau berichte der Veritas-Betriebsrat, dass "die Beschäftigten schockiert gewesen" seien. Zumal die Abfindung für Mitarbeiter, die bis 2022 gehen müssen, lediglich drei Monatsgehälter betrage. Laut Gewerkschaft hätten die Mitarbeiter durch "jahrelange Verzichtsrunden", bereits "über 40 Millionen Euro an Einkommensverzicht in das Unternehmen investiert". Der Verkauf an AIAC soll bis Mitte März über die Bühne gehen.

Die Veritas AG ist das älteste kautschukverarbeitende Unternehmen Deutschlands. Den Teilkonzern Poppe gründete Carl Wilhelm Poppe 1911 in Gießen.

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