Bei Poppe in Gießen wurden 85 Prozent der 246 Beschäftigten aus der Kurzarbeit zurückgeholt; die Produktion wurde im Mai deutlich erhöht. FOTO: SCHEPP
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Bei Poppe in Gießen wurden 85 Prozent der 246 Beschäftigten aus der Kurzarbeit zurückgeholt; die Produktion wurde im Mai deutlich erhöht. FOTO: SCHEPP

Insolvenzverfahren

Poppe in Gießen: Suche nach Investoren läuft

  • Jens Riedel
    vonJens Riedel
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Gute Nachrichten gibt es von der Poppe GmbH in Gießen: Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner hat das Unternehmen stabilisiert und die Produktion erhöht.

Fünf Wochen nach Beginn des vorläufigen Insolvenzverfahrens ist der Betrieb des weltweit agierenden Automobilzulieferers Veritas AG, zu dem auch die Poppe GmbH in Gießen gehört, stabilisiert worden. Die Produktion wurde gegenüber April im zurückliegenden Monat Mai hochgefahren; zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden bereits aus der Kurzarbeit zurückgeholt.

"Wir haben die Materialversorgung sichergestellt und die Insolvenzgeldvorfinanzierung umgesetzt", berichtet der Automotive-Experte Dr. Jan Markus Plathner von der bundesweit tätigen Kanzlei Brinkmann & Partner. Er ist seit dem 30. April vom Amtsgericht Hanau als vorläufiger Insolvenzverwalter der Veritas AG eingesetzt worden. Damit ist Plathner auch für Poppe im Gießener Ohlebergsweg zuständig, wo derzeit noch 246 Arbeitnehmer beschäftigt sind, davon sieben Auszubildende und Dual Studierende. 85 Prozent der Poppe-Beschäftigten sind bereits aus der Kurzarbeit zurückgeholt worden und arbeiten wieder mit voller Stundenzahl.

Auch die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit funktioniere sehr gut, teilte Plathner mit. Komplexe Fragen zur Anwendung der Regeln bei gleichzeitiger Gewährung von Kurzarbeiter- und Insolvenzgeld seien gemeinsam geklärt worden. Ebenso betont Plathner, dass er in ständigem Austausch mit den Kunden des Veritas/Poppe-Konzerns stehe, die sich sehr für den Erhalt des Unternehmens engagieren würden.

"Wir haben sofort mit der Suche nach Investoren begonnen und es haben sich bereits Interessenten gemeldet, was mich freut", sagt Plathner. Er weist allerdings auch darauf hin, dass die - nicht zuletzt durch Corona ausgelöste - schwierige Situation im Automobilzulieferer-Bereich auch Einschnitte bei der Veritas Gruppe zur Folge haben kann. Gleichwohl zeigt sich der vorläufige Insolvenzverwalter optimistisch: "Ich bin froh, dass trotz dieser schwierigen Situation bei allen Beteiligten, insbesondere der Belegschaft, eine hohe Motivation vorhanden ist, um Veritas/Poppe neu aufzustellen."

Der Investorenprozess beziehe sich dabei nicht nur auf die gesamte Gruppe, sondern auch auf einzelne Tochtergesellschaften, die isoliert verkauft werden können. Dies gelte auch für Poppe in Gießen, wo sich herauskristallisiert habe, dass die Poppe GmbH recht autark arbeite und auch Kunden außerhalb des Automobilbereichs beliefere. Die Veritas AG hat neben Poppe auch Tochtergesellschaften mit eigenen Produktionsstandorten in Gelnhausen, Neustadt (Hessen) und Polenz (Sachsen) sowie Benshausen (Thüringen). mit zusammen rund 2200 Mitarbeitenden. Weltweit bietet die Veritas Gruppe 4400 Arbeitsplätze.

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