+
Poppe bedient auch nichtautomotive Kunden. Das könnte im Insolvenzverfahren ein Vorteil sein. FOTO: SCHEPP

Insolvenz

Poppe in Gießen: Sanieren und Arbeitsplätze erhalten

  • schließen

Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner betreut seit einer Woche die Poppe GmbH in Gießen. Seine ersten Ziele lauten: Löhne sichern und Lösungen suchen.

Gießen(jri). Seit einer Woche ist Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner (Frankfurt) mit der Interims-Geschäftsführung der Veritas AG beauftragt. Zu dem Automobilzulieferer mit seinen über 2200 Mitarbeitern in Deutschland (4400 Mitarbeiter weltweit an zwölf Standorten) gehört auch das Traditionsunternehmen Poppe GmbH in Gießen mit rund 320 Beschäftigten.

Plathner und sein Team sind derzeit fast rund um die Uhr damit beschäftigt, sich einen Überblick über die Situation der angeschlagenen Veritas AG zu verschaffen, die Ende April Insolvenzantrag gestellt hatte. Für eine erste Bewertung sei es zwar noch zu früh, ließ Plathner auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung über sein Pressebüro ausrichten. Doch dem Vernehmen nach soll sich Poppe innerhalb der Veritas-Gruppe vergleichsweise stabil präsentieren.

"Poppe ist gewissermaßen eine Besonderheit, da das Werk recht autark arbeitet und auch Nicht-Automotive-Kunden bedient", sagte Plathner. Die Poppe-Produkte kommen unter anderem in der Anlagen- und Gebäudetechnik, im Maschinen- und Apparatebau sowie im Bereich der erneuerbaren Energien zum Einsatz.

"Wir befinden uns in der ersten Woche des Insolvenzantragsverfahrens. Ziel ist die Sanierung und Erhaltung der Arbeitsplätze. Wichtig ist, die sehr unterschiedlichen Aufgaben schnellstmöglich zu priorisieren und an Lösungen zu arbeiten. Erste Aussagen werden ungefähr Ende Mai möglich sein", teilte Plathner der GAZ mit.

Eine seiner ersten Amtshandlungen war, die Löhne und Gehälter der rund 2200 Beschäftigten für drei Monate zunächst über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung zu sichern. Plathner ist vom Amtsgericht Hanau als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Er bearbeitet das gesamte Veritas-Verfahren aus einer Hand gemeinsam mit seinem Team, das aus insolvenzrechtlichen Experten und Automotive-Spezialisten sowie erfahrenen Sachbearbeitern besteht. Das Team hatte seine Arbeit zunächst am Veritas-Stammsitz in Gelnhausen begonnen; inzwischen ist ein Mitarbeiter der Insolvenzverwaltung auch bei Poppe in Gießen direkt vor Ort.

Erfahrung bei der Sanierung von Automotive-Unternehmen hat Plathner unter anderem als Sachwalter bei der Neumayer-Tekfor-Gruppe (3400 Mitarbeiter, 500 Mio. Euro Jahresumsatz), als Eigenverwalter der Küpper-Gruppe (1200 Mitarbeiter/170 Mio.) und als Insolvenzverwalter bei TCG Herrmann (300 Mitarbeiter/50 Mio.) gesammelt. Plathner ist seit fast 20 Jahren als Insolvenzverwalter tätig. Im Gießener Raum hat er unter anderem den Verpackungsmaschinenhersteller Rovema (Fernwald-Annerod) in eine bessere Zukunft geführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare