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Polizeistatistik: Deutlich mehr Straftaten

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Noch nie waren Statistiken über Kriminalität so politisch und brisant wie in diesen Tagen. Spätestens seit den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht wird von den Polizeibehörden erwartet, dass sie alle Karten auf den Tisch legen. Ob das die Polizei in Mittelhessen getan hat, wissen wir nicht. Aber ihre Statistik 2015 für Stadt und Kreis Gießen enthält erstmals ein Kapitel über die Kriminalität von Zuwanderern.

Die Polizei hat im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Straftaten im Landkreis verzeichnet. Ein Großteil der Zunahme entfällt auf Gießen. In der größten Stadt und damit in der Region stieg mit den Flüchtlingszahlen auch die Kriminalität durch Zuwanderer deutlich an und vervierfachte sich 2015 im Vergleich zu 2014. Dabei zeigte sich, dass es eher die kleinen Nationalitätengruppen wie die Algerier sind, die überproportional viele Straftaten begehen. Dies sind – im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdebatte – die zentralen Aussagen der Kriminalitätsstatistik für den Kreis Gießen, die das Polizeipräsidium Mittelhessen am Donnerstag vorgelegt hat.

Dem Umstand, dass Kriminalitätsstatistik in Zeiten der Flüchtlingskrise eine hochpolitische Angelegenheit ist, hat die Polizei in Mittelhessen erstmals mit einer gesonderten Auswertung zur Kriminalität von Zuwanderern Rechnung getragen. Auf vier Seiten wird erklärt, wer die Täter sind und welche Straftaten sie hauptsächlich begehen. Schwerpunkt ist dabei die Stadt Gießen.

Bereinigt man die Statistik um die sogenannten aufenthaltsrechtlichen Verstöße, die nicht zulasten der deutschen Bevölkerung oder anderer Flüchtlinge gehen, begingen Zuwanderer im gesamten Kreisgebiet 2734 Straftaten, davon entfielen 2586 auf Gießen. Das waren 655 (davon 596 in Gießen) mehr als im vergangenen Jahr.

Algerier sind die bösen Buben

Die mit Abstand meisten Täter waren Algerier (475 Personen), gefolgt von Albanern (438) und Kosovaren (236). Aus der Gruppe der Syrer, von denen Zehntausende im vergangenen Jahr die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) durchliefen, wurden dagegen nur 135 Straftäter ermittelt. Im Fall von Eritrea oder Afghanistan, die ebenfalls große Gruppen in der HEAE stellten, liegt die Zahl der Tatverdächtigen unter 100. Diese Statistik bestätigt sich dann auch bei den einzelnen Delikten, wobei Ladendiebstähle und das Schwarzfahren in Bussen und Bahnen zahlenmäßig hervorstechen. Beim Ladendiebstahl nahm die Polizei fast 1000 Anzeigen auf, die Ausländer betrafen; 2014 waren es nur 202. Auch die Schwarzfahrten nahmen enorm zu, von 64 auf über 600.

Bei deutlich niedriger Fallzahl zeigt sich dieser Trend auch bei den Gewaltdelikten durch Zuwanderer, wobei sich weit über die Hälfte der 260 Fälle innerhalb der beiden Gießener Erstaufnahmeeinrichtungen ereigneten. Bei den Sexualstraftaten stieg die Zahl von vier auf 20, beim Raub von 27 auf 68 und beim schwerem Diebstahl, unter den auch Autoaufbrüche fallen, von 35 auf 110. Auch bei den Gewalttätern und den Räubern stehen die Algerier an der Spitze der Tätergruppen, obwohl sie in der HEAE zahlenmäßig eine untergeordnete Rolle spielen und 2015 laut einer Statistik des Gießener Regierungspräsidiums nur 2,2 Prozent der HEAE-Bewohner stellten. Einen Sonderfall – Stichwort Fehlalarme – bildet das Delikt »Missbrauch von Notrufen«. Die 526 Taten wurden in Gießen begangen, davon fast alle in einer der beiden HEAE-Unterkünfte.

Drei Taten endeten tödlich

Einordnen muss man diese Zahlen mit Blick auf die Gesamtstatistik für Kreis und Stadt Gießen. Die Zahl aller Straftaten stieg von gut 21 100 im Jahr 2014 auf gut 25 000 im vergangenen Jahr an, wobei auf die Stadt vom Anstieg alleine 3511 entfallen. Und: Mit 7200 Fällen verzerren unerlaubte Einreisen und Aufenthalte durch Asylbewerber, die die HEAE durchlaufen haben, wie bereits 2014 die Statistik der »richtigen« Straftaten.

Die Zahl aller Gewaltdelikte in Stadt und Kreis stieg von 577 in 2014 auf 728 im vergangenen Jahr, wobei die »Straftaten gegen das Leben«, also Mord und Totschlag bzw. dessen Versuch, hierzulande glücklicherweise kein Massenphänomen sind. Es gab 20 Taten (eine mehr als 2014), von denen drei tödlich endeten. In der Stadt zurückgegangen sind die Wohnungseinbrüche, und zwar von 255 auf 222. Mit insgesamt 19 231 Straftaten bleibt Gießen der Kriminalitätsschwerpunkt in der Region. Die Aufklärungsquote bewegt sich gleichbleibend bei gut 70 Prozent.

Fazit von Polizeipräsident Manfred Schweitzer: »Trotz der vielfältigen Herausforderungen, denen sich die Polizei zuletzt stellen musste, haben meine Kolleginnen und Kollegen im Landkreis Gießen bewiesen, dass sie die Aufgaben sehr gut bewältigt haben.« (siehe auch Seite 37/Foto: Schepp)

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Die Statistik im Netz: www.presseportal.de blaulicht/pm/43559/3254880

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