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Die neue »Gafferwand«, gezeigt von (v. r.) Polizeihauptkommissar Konstantin Becker, Polizeipräsident Bernd Paul und Pressesprecher Jörg Reinemer.

Gegen Gaffer

Polizei in Gießen bläst Mauer gegen Gaffer-Blicke auf

  • VonChristian Schneebeck
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Die Polizei in Mittelhessen schützt Unfallstellen oder Tatorte künftig mit einer aufblasbaren »Gafferwand«. Die 30 Meter lange Mauer ist bundesweit einmalig.

Gießen (csk). Man kann gar nicht so schnell gucken, wie das gut 30 Meter lange Teil aufgeblasen ist. Und genau darum geht es ja auch bei der mobilen Sichtschutzwand, die das Polizeipräsidium Mittelhessen am Freitagvormittag präsentiert hat. »Wir halten wirklich große Stücke darauf«, begrüßte Polizeihauptkommissar Konstantin Becker das neueste »Einsatzmittel«. Zuvor hatte der stellvertretende Leiter der hiesigen Autobahnpolizei mit einem Kurzvortrag für ein weithin bekanntes Phänomen sensibilisiert: Gaffer verletzen nicht nur die Rechte von Unfallopfern. Sie gefährden außerdem sich und andere und verursachen oft lange Staus. Auf Mittelhessens Straßen soll sich das ab sofort ändern - mit einer im Grunde simplen Idee.

Gleichwohl sei die aufblasbare, 2,10 Meter hohe und einen Meter breite »Gafferwand« im Polizeidienst bundesweit einmalig, betonte Polizeipräsident Bernd Paul. Sie wirke zuverlässig gegen »ein Unwesen, das sich insbesondere auf der Autobahn, aber auch an anderen Stellen zeigt« - wenn Gaffer das Smartphone zückten und ungeniert Bilder und Videos machen.

Gebüßt werde für derartige Straftaten oft erst im Nachhinein - wenn überhaupt. Becker berichtete, dass seine Kollegen den Tätern im Einsatz meist relativ machtlos gegenüber stünden. »Wir können nicht viel machen, außer denen die Sicht zu nehmen«, sagte er. Und: »Alle mir bekannten Erziehungsversuche sind bisher im Sande verlaufen.« Opferschutz sowie Verkehrssicherheit gingen hier stets Hand in Hand. Nebenbei erleichtere die Vorbeugung gegen Gaffer den Rettungskräften ihre Arbeit. Manche Feuerwehren, aber auch Rettungsdienste, das THW und einige Abschleppunternehmen nutzen ähnliche aufblasbare Wände bereits seit geraumer Zeit. Unfallstellen und Opfer vor schamlosen Blicken zu schützen fällt rechtlich allerdings immer in die Zuständigkeit der Polizei. Deren Vertreter freuten sich unter anderem, dass der 45 Kilo schwere Sichtschutz leicht zu transportieren und von zwei Personen in Windeseile aufgebaut ist. Stabilisiert wird die Wand durch Sandsäcke an 13 Streben.

Ihr Einsatzgebiet werden wahrscheinlich nicht nur die Autobahnen der Region, sondern auch Land- und Kreisstraßen sowie eventuell Ermittlungen nach Arbeitsunfällen oder Tötungsdelikten sein.

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