Polizei beobachtet Marihuana-Umschlag

  • Guido Tamme
    vonGuido Tamme
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Gießen/Liederbach(ta). Mit der Vernehmung durch mehrere Kriminalbeamte fortgesetzt wurde am Montag die strafrechtliche Aufarbeitung eines großen Ermittlungserfolgs der Polizei in Rheinland-Pfalz gegen den Rauschgifthandel. Mit mehreren Zentnern Marihuana im Auflieger war - wie bereits berichtet - Anfang Juni ein Lastzug von einer Spedition in Liederbach am Taunus angekommen. Dort wurde ein Teil der Fracht in zwei Autos umgeladen. Deren einschlägig bekannte Fahrer sind inzwischen bereits in Mainz zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. In Gießen vor Gericht steht der Lkw-Fahrer.

Der Serbe, der seit seiner Verhaftung in Frankfurt in Untersuchungshaft sitzt, mochte sich allerdings auf Anraten seines Anwalts zur Sache nicht äußern. So bleibt offen, wer seine Kontaktleute sind und wie der 44-jährige Berufskraftfahrer zu seinem kriminellen Auftrag gekommen war. Lediglich zu seiner Person machte der verheiratete Vater zweier Mädchen einige Angaben.

Der Drahtzieher des Rauschgifthandels sitzt offenbar in Mainz. Die dortige Polizei hatte deshalb schon Wochen vor dem Auffliegen eine Videoüberwachung der Sindlinger Straße in Liederbach veranlasst und so am 9. Juni mitbekommen, dass in der Nacht ein Lastzug gekommen war. Deshalb konnten Beamte das Umladen eines Teils der Fracht in zwei Fahrzeuge beobachten. Die wurden weiter observiert und wenig später angehalten.

In Bad Soden wurden in einem Mercedes Vito fünf Umzugskartons mit 80 Kilogramm eingeschweißtem Marihuana sowie 2000 Ecstasy-Tabletten und 175 Gramm Heroin entdeckt. Aus dem Anhänger eines VW Sharan, der in der Raiffeisenstraße in Rosbach gestoppt worden war, wurden später bei der Regionalen Kriminalinspektion in Friedberg sechs weitere Kartons mit insgesamt 80 Kilogramm Marihuana konfisziert.

Nach dem Ausladen war der Lieferant über die A 66 und die A 5 zum Gambacher Kreuz und dann auf der A 45 in Richtung Dortmund gefahren. Als er gegen 8.40 Uhr auf dem Parkplatz Pfaffenpfad südlich von Lützellinden eine Pause einlegte, griffen seine Verfolger zu. Sie fanden in dem Auflieger weitere zwölf Kartons mit 112 Kilogramm Marihuana.

Zwischen der Festnahme und der Durchsuchung des Lkw einer Augsburger Spedition hatten allerdings über drei Stunden gelegen. Pflichtverteidiger Marius Mayer legte deshalb Widerspruch ein und verlangte, dass die Ergebnisse der Durchsuchung nicht zulasten seines Mandanten verwendet werden dürfen. Denn der Frankfurter argwöhnt, dass die Durchsuchung schon vor einem richterlichen Beschluss erfolgt war.

Eine Mainzer Kriminaloberkommissarin widersprach dem als Zeugin mittelbar: Um den Durchsuchungsbeschluss habe es "eine längere Zockerei" gegeben, ehe die Mainzer Staatsanwaltschaft ihre Zuständigkeit an die Gießener Kollegen abgegeben hatte.

Die Verhandlung muss nun unterbrochen werden. Denn die von der Kammervorsitzenden Dr. Kathrin Exler schon im Dezember angeforderte Akte des Strafverfahrens gegen die beiden Rauschgift-Abholer war von der Mainzer Staatsanwaltschaft gerade erst zugestellt worden. Die Prozessbeteiligten müssen diese Unterlagen nun lesen und prüfen, ob sie für das hiesige Verfahren wichtige Erkenntnisse enthält.

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