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Die Regio-Tram - wie hier beim Verkehrsaktionstag in der Neustadt im Mai 2019 nachgebaut - wird wohl keine Zukunft haben. FOTO: SCHEPP

Nahverkehr

Platzt deshalb der Traum von der Tram in Gießen?

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Die Stadt Gießen hat eine erste Kostenprognose für den Bau einer Regio-Tram vorgelegt. Die Kosten sind so hoch, dass eine Straßenbahn durch Gießen wohl ein Traum bleiben wird.

Gießen - Auf alten Fotos tingelt die Straßenbahn noch durch Gießen. Und im Zuge der Diskussion um eine Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs gegenüber dem Individualverkehr war die Regio-Tram neben einer Regio-S-Bahn das charmante Symbol einer Verkehrswende. Bei einem Aktionstag Mitte Mai 2019 war eine Tram der Marke Eigenbau in der Neustadt unterwegs. Die Fraktion Gießener Linke hatte in diesem Zuge Ende Mai 2019 den Magistrat um eine Machbarkeitsstudie gebeten. Die Antwort fällt für die Sympathisanten einer Regio-Tram ziemlich ernüchternd aus: Die Kosten für den Bau eines Schienennetzes im Stadtgebiet beziffert die Stadt für zwei Varianten auf eine Summe zwischen 55 und 140 Millionen Euro.

Stadträtin Gerda Weigel-Greilich betont, dass es sich um eine erste Kostenprognose handelt - nicht um eine Kostenschätzung einer Vorplanung. Als Szenario hat die Stadt eine Straßenbahnlinie zwischen Rödgener Straße - mit Anschluss an die Vogelsbergbahn - über den Berliner Platz bis Kleinlinden gewählt. Ergänzt wird diese Strecke mit einem Abzweig zum Bahnhof.

Die Kosten haben die Fachdienstmitarbeiter ermittelt, indem sie Vergleiche mit ähnlichen aktuellen Projekten in Städten wie Wiesbaden oder Ulm angestellt haben. Grundlage der Berechnung ist auch eine ältere Machbarkeitsstudie für die Regionalstadtbahn Neckar-Alb unter Berücksichtung gestiegener Baukosten.

Gegenstand der Untersuchung waren zwei Streckenabschnitte innerhalb des Stadtgebietes. Die Minimalvariante erstreckt sich über rund vier Kilometer von der Rödgener Straße bis zum Berliner Platz. Die größtmögliche Route in dem Szenario führt ebenfalls über Rödgener Straße und Berliner Platz bis zur Waldweide in Kleinlinden mit einem Abzweig zum Gießener Bahnhof; dies wäre eine Strecke von rund zehn Kilometern.

Einberechnet sind die Kosten für eine elektrisch betriebene, zweigleisige Strecke inklusive Bahnsteigen, Oberleitungen, Sicherungstechnik, Weichen und sogar Fahrkartenautomaten. Größter Kostenfaktor, heißt es in der Stellungnahme von Weigel-Greilich, sei der Bau der Strecke selbst. Nicht eingeflossen seien die Kosten für Wagen und Depot. Für die Minimalvariante - Rödgener Straße bis Berliner Platz - kämen so 55 bis 65 Millionen Euro auf die Stadt zu; die Maximalvariante - Rödgener Straße bis Kleinlinden - würde mit insgesamt 120 bis 140 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Im Antrag der Linken ging es auch um die Kostenschätzung für eine Regio-S-Bahn und weitere Haltepunkte. Hier teilt Weigel-Greilich mit, für einen neuen Bahnhaltepunkt würden etwa 1,4 Millionen Euro veranschlagt. Dieser Betrag orientiert sich an einer Machbarkeitsstudie für neue Bahnhaltepunkte an der Lahn-Kinzig-Bahn im Bereich der Stadt Pohlheim.

Drei neue Bahnhaltestellen sollen für den zurzeit in Arbeit befindlichen Nahverkehrsplan 2020 bis 2030 des Rhein-Main-Verkehrsbundes (RMV) angemeldet werden. Dabei handelt es sich um die Punkte Gießen-Nord/Wieseck, Ulner Dreieck/Aulweg sowie Gießen-Ost/Alter Flughafen. Für die letzten beiden Haltepunkte, heißt es vonseiten der Stadträtin, werde gemeinsam mit dem RMV und dem Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht.

Die Entscheidung, wie es weitergeht, wird nun Thema bei einer der nächsten Stadtverordnetenversammlungen.

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