Ein Bild mit Symbolkraft: Frauen des SkF-Vorstands zu Corona-Zeiten. Als Zeichen der Hoffnung haben sie auf dem neugestalteten Vorplatz eine Linde gepflanzt. FOTO: CG
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Ein Bild mit Symbolkraft: Frauen des SkF-Vorstands zu Corona-Zeiten. Als Zeichen der Hoffnung haben sie auf dem neugestalteten Vorplatz eine Linde gepflanzt. FOTO: CG

SkF plant neues Eltern-Kind Haus

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Der Sozialdienst katholischer Frauen plant ein Eltern-Kind-Haus. Darin werden Mütter bzw. Väter in schwierigen Situationen ein Zuhause finden und begleitend betreut. Der SkF Gießen hat für sein 100jähriges Bestehen das Motto "Mutig neue Wege gehen" gewählt. Das neue Projekt ist ein Beweis dafür, dass der Leitsatz für Vergangenheit und Zukunft zutrifft.

Stillstand hat es in den vergangenen 100 Jahren nicht gegeben beim Sozialdienst Katholischer Frauen Gießen. Das sich auch aktuell viel tut, sieht man auf den ersten Blick: Die Hildegard von Bingen-Kita im Wartweg ist neu, der Altbau Haus Elisabeth wurde abgerissen. Das Café "Herzstück" in der Mitte (derzeit geschlossen) ist seit 2019 ein beliebter Ort der Begegnung geworden. Auf den noch jungfräulichen Rasen haben die Frauen des Vorstands - Maria Graubert-Bellinger, Eva Pröhl, Gerlinde de Carné, Elisabeth Linn, Johanna Dauzenroth und die Geschäftsführerin Yvonne Fritz - eine Linde gepflanzt. Als Zeichen der Zuversicht und der Hoffnung. Schüler der Agnes-Neuhaus-Schule haben sie zum Jubiläum geschmückt und mit ihren Wünschen bestückt.

Der Sozialdienst katholischer Frauen, daran erinnerte der Vorstand in einem Pressegespräch, hat sich in seiner 100-jährigen Geschichte immer für Menschen eingesetzt, die zu allen Zeiten die Haupt-Leidtragenden von sozialer Not, Gewalt, Krieg, Flucht und Vertreibung waren: Frauen und Kinder. Das war nach den Weltkriegen so, und das zeigt sich auch am Schicksal der Geflüchteten aus Syrien, Afrika oder Afghanistan.

Der SkF wurde 1899 von Agnes Neuhaus in Dortmund gegründet, in Gießen begann man 1920 als kleiner "Fürsorgeverein katholischer Frauen". Darin engagierten sich einige katholische Bürgerinnen. Leitbild war und ist der christliche Glaube und das Gebot der Nächstenliebe.

Heute ist der Verein Träger von gut einem Dutzend Einrichtungen, die wichtige Bausteine im Sozialgefüge der Stadt sind: Die Kita St. Hildegard von Bingen, das Montessori-Kinderhaus St. Martin, die Schülerbetreuung an der Uhland-Schule, die Don Bosco-Häuser, das Sprachheil- und Förderzentrum, die Agnes-Neuhaus-Schule, die Christliche Krankenhaushilfe und andere mehr. Kernthemen sind die Schwangerenberatung, Gewaltschutz, Jugendhilfe und Unterstützung von Familien durch Familienzentren. Der SkF hat 70 Mitglieder und beschäftigt 231 hauptamtliche Mitarbeiter. Hinzu kommen 40 bis 50 ehrenamtlich Engagierte.

Auf ihrem Gelände in der Adolph-Kolping-Straße wird 2021 Jahr ein Eltern-Kind-Haus entstehen. In dieser Einrichtung sollen in Kooperation mit dem Jugendamt Mütter bzw. Väter in schwierigen Situationen untergebracht werden. Ziel ist eine Begleitung und Unterstützung, bis sich ihr Leben stabilisiert hat. "Wie immer streben wir eine Hilfe zur Selbsthilfe an", sagt die Vorsitzende Maria Graubert-Bellinger. Ein solches Haus gibt es in Gießen bisher nicht, doch der Bedarf ist hoch, ergänzt Geschäftsführerin Yvonne Fritz.

In der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen werfen die Vorstandsfrauen auch einen Blick zurück auf die Anfangsjahre, die auch die gesellschaftlichen Bedingungen der Zeit spiegeln. Damals halfen die Vereinsmitglieder, häufig Dienstmädchen, die schwanger geworden waren. Dazu gehörten Besuche auf der Station für Geschlechtskrankheiten der Krankenhäuser, in Gefängnissen und in Entbindungsanstalten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Haus Elisabeth im Wartweg als Außenstelle des Notaufnahmelagers für unbegleitete weibliche Flüchtlinge aus der sowjetisch besetzten Zone, der späteren DDR, erbaut. Insgesamt erhielten hier 20000 junge Frauen bis zu ihrere Eingliederung in die Bundesrepublik Unterkunft und Verpflegung. Da etliche von ihnen schwanger waren, wurde im Dachgeschoss eine Säuglingsstation untergebracht. Nach dem Bau der Mauer diente es als Studentinnen-Wohnheim und ab 1973 als Säuglings- und Kinderheim.

Konflikt mit katholischer Kirche

Erweiterungsbauten von Haus Elisabeth waren das Haus Agnes und das Haus Michael. Hier lebten in den 60er Jahren über 100 Kinder. Als Mitte der 70er Jahre weniger Kinderheimplätze benötigt wurden, entstand dort das Sprachheilzentrum. Es wurde 1980 eingeweiht und ist bis heute das einzige Sprachheilzentrum in Hessen. Der jetzige Standort in der Adolf-Kolping-Straße wurde 2012 bezogen.

Ein schwerer Schlag war 2000 der erzwungene Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung nach Paragraph 218, der es verbietet, nach Beratung Scheine für eine straffreie Abtreibung auszustellen. Der Konflikt mit der Kirche ist bis heute nicht beigelegt. Die Frauen hoffen auf den synodalen Weg der katholischen Kirche. Auch in diesem Punkt wollen sie in Zukunft standhaft ihre Positionen vertreten und mutig neue Wege gehen.

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