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Mit einem Plakat und einer riesigen Aufblasmaus machen die Ärzte gegen Tierversuche auf ihr Anliegen aufmerksam.

Mahnwache

Mit riesiger Maus und Plakatwand: Protest gegen Tierversuche in Gießen

  • VonRedaktion
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Aktivisten machen im Steinberger Weg mit Schildern und einem Plakat auf Tierversuche aufmerksam. Ihr Protest richtet sich auch gegen die Gießener Universität.

Gießen – Schwülwarm ist es an diesem Samstagnachmittag. Kurz setzt leichter Regen ein. Vor allem ist es vor Ort sehr laut. Der Steinberger Weg ortsauswärts zwischen Watzenborner Weg und Pistorstraße ist viel befahren. Ein Wagen nach dem anderen fährt am Plakat des Vereins Ärzte gegen Tierversuche vorbei. Gegenüber wird für Limobier und Zigaretten geworben. Das Plakat selbst hängt direkt neben einer Mc Donalds Werbung. »Bis gestern hing hier noch eine Subway-Werbung«, betont Lara Casper, Arbeitsgruppenleiterin und Mitglied im Verein. Während also rechts ein Burger möglichst verführerisch wirken soll, hängt daneben ein Plakat, auf dem eine weiße Maus mit dem Bauch nach oben in einer Hand mit blauem Latexhandschuh liegt. Darüber steht: »Schluss mit Tierversuchen - Auch in Gießen!«.

Protest in Gießen: Ärzte gegen Tierversuche

Dann beginnen die Demonstranten Schilder und eine große aufblasbare Maus aufzustellen. »Damit möchten wir noch besser auf das Thema aufmerksam machen. Außerdem kommt sie bei Kindern sehr gut an«, sagt Casper.

Es ist nicht die erste Aktion des Vereins Ärzte gegen Tierversuche in Gießen. Bereits im April besetzten Aktivisten den Aulweg beim Campus Seltersberg mit 3000 Kuscheltieren, um auf Tierversuche generell und auch an der JLU aufmerksam zu machen.

Protest gegen Tierversuche in Gießen: Deutschlandweite Kampagne

Diesmal ist es eine deutschlandweite Kampagne. In elf Städten macht der Verein durch Großplakate auf das Thema aufmerksam. Dafür ziehen die Demonstranten noch bis Ende August von Stadt zu Stadt. An diesem Wochenende waren sie in Gießen aktiv. Die formulierte Botschaft lautet: »Schluss mit Tierversuchen, hin zu humanbasierter Forschung!«

Mit ihrer Mahnwache wollen die Tierschützer über Tierversuche aufklären, die Zustände aufzeigen, unter denen Versuchstiere leben müssen, und auch erklären, wieso Tierversuche gar keine Ergebnisse für den Menschen liefern würden. Casper dazu: »Die Gießener haben ein Recht darauf, zu erfahren, was in ihrer Nähe mit Tieren hinter verschlossenen Labortüren so gemacht wird. Außerdem boomt weltweit die tierversuchsfreie Forschung und präsentiert bereits Grandioses - das darf den Bürgern nicht länger vorenthalten bleiben«.

Protest gegen Tierversuche in Gießen: Autofahrer zeigen Zustimmung

Die Kernthese, die der Verein vertritt, ist, dass Tiere ganz anders auf Krankheiten reagieren würden als der Mensch. Als Beispiel nannte Casper Alzheimer. Dies sei eine Krankheit, die nur den Menschen betreffe und an den Versuchstieren nicht erforscht werden könne. Durch die unterschiedliche genetische Veranlagung im Vergleich zum Menschen würden die Medikamente ganz anders und vielleicht sogar gar nicht bei den Tieren wirken, auch wenn sie dies bei den Menschen womöglich könnten. Trotzdem würde weiter in Medikamentenstudien an Tieren geforscht, auch an der JLU. Deswegen geht der Verein immer wieder mit Klagen gegen die Universität vor. Ein Verfahren läuft aktuell noch.

Die Demonstranten haben aber noch einen langen Tag vor sich: Nach der Mahnwachen wollen sie zum Campus der JLU weiterziehen und dort zusammen mit der Sängerin Annette Rudert musizierend auf das Thema Tierversuche aufmerksam machen. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung vor dem Plakat ausgelassen. Die Aktivisten lachen und machen Fotos vor dem Plakat. Auch die vorbeifahrenden Autos zeigen vereinzelt ihre Zustimmung durch lautes Hupen, das für einen kurzen Moment den Motorenlärm übertönt. (Benjamin Herzog)

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