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Wer kriegt die begehrten Plätze? Im Herbst soll eine Jury darüber entscheiden.

Wohnen

Plätze für neue Wohnform an Gießener Philosophenhöhe sind begehrt

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Auf dem ehemaligen Motorpool-Gelände in Gießen entsteht Raum für gemeinschaftliches Wohnen. Noch bis Mitte Juni können sich interessierte Gruppen bei der Stadt bewerben.

Gießen – Im Gießener Osten wächst ein neues Wohngebiet zusammen. Auf dem »Philosophenhöhe« getauften Areal des einstigen Motorpool-Geländes entsteht nicht nur Gewerbe, sondern auch Wohnraum für rund 1000 Menschen. Neben klassischen sowie sozial geförderten Einheiten wollen die Verantwortlichen der Stadt auch eine für Gießen recht neue Form des Zusammenlebens ermöglichen: gemeinschaftliches Wohnen.

Also Hausgemeinschaften, in denen die Bewohner eigene Wohnungen haben, aber auch gemeinschaftliche Flächen wie Gärten, Küchen, Werkstätten oder andere Gemeinschaftsräume nutzen können. Am Mittwoch haben Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, die Leiterin des Amts für soziale Angelegenheiten, Ines Müller, Stadtplanungsamts-Leiter Holger Hölscher sowie der externe Prozessbegleiter Reinhard Thies Auskunft über den Stand der Planungen gegeben.

Grabe-Bolz „brennt“ für gemeinschaftliches Wohnen in Gießen

»Ich brenne sehr für diese Idee«, sagte Grabe-Bolz gleich zu Beginn der Videokonferenz und betonte, dass diese Form des Wohnens einer Stadt wie Gießen gut zu Gesicht stünde. Etwas Vergleichbares gebe es lediglich mit dem Projekt Wohnen (ProWo) in der Lincolnstraße. Nach einer ersten informellen Interessensbekundung soll ab 21. Juni die verbindliche Bewerbungsphase starten. Bis zum 18. Oktober entscheidet dann eine Jury, welche Gruppen mit welchen Konzepten den Zuschlag erhalten. »Die Ideen können sehr unterschiedlich sein. Wir wollen nicht vorgeben, wie das Konzept auszusehen hat«, sagte Müller. Generationsübergreifende Projekte seien genauso denkbar wie inklusives Wohnen oder ein Zusammenschluss von Familien oder Gleichgesinnten, die ihr Leben miteinander gestalten wollen. »Mehr als nur im gleichen Haus wohnen, sollte es aber schon sein«, betonte Müller.

Für die Umsetzung des Vorhabens hat die Stadt den ehemaligen Wohnbau-Chef Thies als Berater verpflichtet. Er berichtete, dass aktuell sieben Gruppen an dem Verfahren beteiligt seien, darunter die Lebenshilfe sowie der kürzlich gegründete Verein »Hausprojekt Gießen«. Nach vielen informellen Treffen, auch mit künftigen Nachbarn, sei es jetzt an der Zeit, dass die Gruppen ihre Wohnphilosophie definieren und sich verbindlich für das Vorhaben bewerben. Gestalterischen Spielraum haben die Interessenten. Stadtplanungsamts-Leiter Hölscher betonte, dass die Gruppen keine fertigen Häuser kaufen, sondern sich für bestimmte Grundstücke auf dem in Frage kommenden 5360 Quadratmeter großen Areal bewerben können.

Bewerbungen für Gießener Wohnprojekt bis Mitte Juni möglich

Demnach könnten mehrere Häuser entstehen und somit mehrere Gruppen zum Zuge kommen. Auf einer Planskizze der Stadt sind auf dem Areal fünf Gebäude eingezeichnet. Hölscher sprach in diesem Zusammenhang von einem »Puzzle«, das gestaltet werden müsse.

Bis zum 12. Juni können interessierte Gruppen ihre Bewerbungsunterlagen, zu denen auch ein mehrseitiges Exposé mit der Wohnphilosophie gehört, bei der Stadt einreichen. Wer schlussendlich den Zuschlag bekommt, kann besagte Fläche zu einem Preis von 230 Euro pro Quadratmeter kaufen - und eine Wohnform etablieren, die in Gießen nahezu einzigartig ist. (chh)

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