Die Pilgergruppe startet in Annerod und läuft bis zur Morus-Kirche. FOTO: PM
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Die Pilgergruppe startet in Annerod und läuft bis zur Morus-Kirche. FOTO: PM

Pilgern auf dem Butterweg

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Gießen(pm). Bei schönstem Herbstwetter entdeckte eine Gruppe von 25 Pilgern gemeinsam den neuen Pilgerweg entlang des Butterwegs zwischen Annerod und Gießen. Eingeladen hatten dazu die evangelische Gemeinde Annerod, die Andreasgemeinde Gießen, die Vitos Psychiatrieseelsorge und der Förderverein St. Thomas Morus.

Pilgern liegt im Trend. Doch es muss nicht immer Santiago de Compostela sein. Warum nicht die Heimat neu kennenlernen, einen Weg nutzen, der schon vorhanden ist, und ihn mit geistlichen Impulsen versehen? Das dachten sich im Frühjahr, als durch den Corona-Lockdown das gesellschaftliche sowie das religiöse Leben beinahe zum Erliegen kam und spirituelle Angebote wie Gottesdienste nicht stattfinden konnten, auch die Mitglieder der Kirche Annerod, der Andreasgemeinde und des Morus-Fördervereins. So entstand die Idee für dieses alternative, spirituelle Angebot, den "Butterweg" von Annerod nach Gießen als Pilgerweg zu errichten und mit geistigen Impulsen zu versehen.

Wussten Sie, dass das unscheinbare Brünnchen am Wegesrand unmittelbar hinter dem Europaviertel als "Otto-Brunnen" bekannt ist? Benannt ist die Quelle nach dem ehemaligen Wirt vom Anneröder Mühlchen. Ihm gehörten damals das Gelände und die Wiesen, wo jetzt dichter Wald wächst. In ihrem geistigen Impuls erwähnte die Anneröder Pfarrerin Anne Schneider jene Sage um die Quelle, die jungen Frauen Fruchtbarkeit beschere. Dies wusste eine Dame aus der Pilgerrunde zu ergänzen. Zuweilen kam es früher vor, dass eine Bauernfamilie nur Mädchen als Nachkommen bekam. Um den ersehnten Stammhalter doch noch zu bekommen, sollten die Großeltern die Nacht an der Quelle verbringen und ein Erfolgsfall soll tatsächlich verbürgt sein. Trinken sollte man aus der Quelle allerdings nicht mehr. Denn nach der Stationierung amerikanischer Pershing-2-Raketen unweit davon sei der Boden kontaminiert.

Auf dem Weg, der durch ein stilisiertes Butterfass auf gelbem Grund gut und sichtbar markiert ist, laden digitale Stationen mit geistigen Impulsen zur inneren Einkehr und Ruhe. Unterwegs lud Pfarrerin Schneider daher ein, ein Stück des Weges schweigend zu gehen und diese Stille auf sich wirken zu lassen.

Die Impulse werden musikalisch umrahmt von fernöstlichen, meditativen Klängen. Multi-Instrumentalist Markus Wach hat für die Homepage Einspielungen auf orientalischen Instrumenten vorgenommen, z. B. der Dotar, einer ein Meter langen Langhalslaute afghanischen bzw. persischen Ursprungs. Das Instrument besteht aus drei Saiten im Quartabstand. Mit den unteren Saiten lässt sich so ein "Bordunton" erzeugen. Begleitet von diesen Klängen ruft Klinikseelsorger und Pfarrer Matthias Schmid in seinem Impuls zu Thomas More zum Mut und Vertrauen in die Vernunft auf.

In der Vitos-Kapelle erwartete Wach die Pilgergruppe bereits, nachdem diese sich in der Andreasgemeinde gestärkt hatte. Der Weltmusiker präsentierte eine große Bandbreite seines Instrumentariums an Streich- und Zupfinstrumenten. Feingefühl bewies er bei den spannungsgeladenen leisen Tönen. Nach der musikalischen Pause ging es auf die letzte Etappe entlang der Licher Straße, über die Bahnschienen, Friedensstraße und Nahrungsberg durch das Neubaugebiet an der Bergkaserne zum Kirchplatz vor St. Morus.

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