Piepmatz sucht Wohnraum

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Ein Star bleibt gern mal länger draußen. Ganz anders die Meise. Kaum zu Hause, beachtet sie ihren Sitzstock oft nicht weiter, sondern quetscht sich gleich durchs Einflugloch. Das muss für den Star übrigens viel großzügiger ausfallen als für die Meise – 45 Millimeter Durchmesser sollten es mindestens sein. Keine Frage: Bei Immobilien haben auch Vögel so ihre Ansprüche. Vor allem aber fehlt es heimischen Piepmätzen an Platz. Etwas Abhilfe schaffen am Samstag 100 kleine und große Naturschützer in der Hermann-Hoffmann-Akademie. Sie hämmern und bohren, was das Zeug hält, bis 60 Nistkästen gebaut sind.

Ein Star bleibt gern mal länger draußen. Ganz anders die Meise. Kaum zu Hause, beachtet sie ihren Sitzstock oft nicht weiter, sondern quetscht sich gleich durchs Einflugloch. Das muss für den Star übrigens viel großzügiger ausfallen als für die Meise – 45 Millimeter Durchmesser sollten es mindestens sein. Keine Frage: Bei Immobilien haben auch Vögel so ihre Ansprüche. Vor allem aber fehlt es heimischen Piepmätzen an Platz. Etwas Abhilfe schaffen am Samstag 100 kleine und große Naturschützer in der Hermann-Hoffmann-Akademie. Sie hämmern und bohren, was das Zeug hält, bis 60 Nistkästen gebaut sind.

Die Aktion gehört zu einem Projekt, das die Firma Bender mit der Grünberger Theo-Koch-Schule (TKS) und der Justus-Liebig-Universität initiiert hat. Demnächst entstehen auf dem Bender-Grundstück noch Blühstreifen sowie eine Streuobstwiese, als Nahrungsgrundlage für Insekten und Vögel. "Jalousien runter!", heiße es bereits seit zwei Wochen täglich gegen 13.30 Uhr für 15 Minuten an der Nordseite aller Firmengebäude, berichtet Sprecherin Andrea Gossel. Dies solle verhindern, dass Vögel gegen die Scheiben knallen, und potenziellen Bruchpiloten auf Sicht beibringen, den Fensterfronten auszuweichen. Langfristig wolle man möglichst viele gefiederte Untermieter auf dem Gelände ansiedeln, so Gossel. Um herauszufinden, welche Arten ringsherum leben, seien im Winter sogar schon Wildkameras eingesetzt worden.

Während die Großen reden, packen die Kleinen an. Einen Meisenkasten baut zum Beispiel Lena Orth, geringfügig unterstützt von Bender-Mitarbeiter Benjamin Höchst. Aufgehängt wird die Nisthilfe unweit der Schule. Ist sie bezogen, erfährt die Sechsjährige es sofort. Denn wie jedes Kind signiert auch sie das gute Stück. "Naturschutz zum Anfassen" sei das, meint Thorsten Ißleib. Der Biolehrer nimmt mit zwei fünften Klassen der TKS an der Aktion teil. Obwohl der Termin recht kurzfristig vereinbart worden sei, machten 15 Schüler mit, freut er sich: "Gerade unter Fünft- und Sechstklässlern ist das Interesse an solchen Themen riesig."

Dass die Kleineren mit genauso großer Leidenschaft dabei sind, zeigt der sechsjährige Jonathan Schmattke. Beim Bau seines Starenkastens assistieren Vater Roman und Mutter Julie. Am Nebentisch hat Sina Schulz ihr Werk soeben vollendet. Die vorgefertigten Teile zusammenzufügen sei "ziemlich leicht" gewesen, sagt sie kurz und knapp. Jetzt bloß nicht ablenken, soll das heißen. Die Neunjährige hat nämlich längst nicht genug. Was sie ihre Begleitung fragt, lässt sich insofern nur rhetorisch verstehen: "Können wir noch einen bauen?".

Kuckuck und "Gentleman"

Sind die Vogelhäuser einsatzbereit, tragen die Bauherrinnen und Bauherren sie schnurstracks nach draußen – erst zum Gruppenfoto, dann in den Kofferraum des eigens bereitgestellten Wagens. Größer als der Stolz ist hier und da nur der Kasten selbst. Einige Kinder verschwinden beinahe zur Hälfte hinter den stattlichen Exemplaren. Der Rückweg führt viele in die "Urzeitwerkstatt", wo Prof. Hans-Peter Ziemek vom JLU-Institut für Biologiedidaktik über heimische Vogelarten referiert.

Auch die Theorie kommt also nicht zu kurz. Ziemek erklärt, warum der Rotmilan der "Gentleman unter den Greifvögeln" ist und der Habicht eher der Mann fürs Grobe, er verrät, was die Elster besonders macht und weshalb kein Kuckuck eine Nisthilfe braucht. Dennoch: Die Kameras, die in zwei Kästen installiert werden, könnten schon bald so manche Kuckuckskinder filmen.

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