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Peter Clasen ist begeistert, wie sich Gießen entwickelt hat. Umso mehr freut es ihn, dass er diesen Weg beruflich begleiten kann. FOTO: SCHEPP

Mensch, Gießen

Peter Clasen betreut Social-Media der Stadt Gießen

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Hass und Shitstorms bringen soziale Medien in Verruf. Peter Clasen kennt das. Trotzdem hebt der Social-Media-Manager der Stadt Gießen die Vorteile hervor.

Es dauert keine 20 Minuten, bis Peter Clasen das Smartphone zückt. "Können wir kurz einen Break machen?" Dann richtet der 37-Jährige die Kamera auf das blühende Spalier, das die Spaziergänger an der Eichgärtenallee umrahmt. "Sensationell", sagt Clasen und steckt das Handy wieder ein. Das Ergebnis ist inzwischen auf dem offiziellen Instagram-Account Gießens zu bewundern. Clasen ist der Social-Media-Manager der Stadt - und das, wenn man so will, in ziemlich dissozialen Zeiten.

Clasen ist überzeugter Gießener. Ein Lokalpatriot, der begeistert ist, wie sich die Stadt in den vergangenen Jahren gemacht hat. "Das ist auch das Schöne an meinem Job: Ich kann diese Entwicklung ein wenig begleiten." Seit 2014 arbeitet er als Social-Media-Beauftragter in der Pressestelle. Er postet Inhalte, arbeitet Online-Konzepte aus und geht auf Termine, um das Stadtgeschehen digital aufzubereiten.

1983, als er das Licht der Welt erblickte, gab es keine sozialen Netzwerke. Auch das kommerzielle Internet war graue Theorie. Smartphones? Höchstens bei Start Trek. Clasen ist also analog großgeworden - und das in einem Umfeld, das ihn noch heute schwärmen lässt.

Clasen ist mit seinen Eltern und dem Bruder in Langgöns aufgewachsen. Ein Ort, der viele kreative und prominente Menschen hervorgebracht hat. TV-Moderator Jochen Schropp zum Beispiel, Juli-Sängerin Eva Briegel, die Ahmend-Brüder oder Handball-Jugendnationaltrainer Jochen Beppler kennt Clasen allesamt noch aus seiner der Jugendzeit.

Noch heute ist der 37-Jährige seinem Heimatdorf eng verbunden. Er spielt hier Handball und ist zweiter Vorsitzender des Skiclubs. "Außerdem wohnen noch viele meiner Freunde da. Ich bin also gerne zu Hause. Langgöns ist eben ein besonderer Ort."

Mit einem Becher Kaffee in der Hand und bunten Sneakern an den Füßen schlendert Clasen weiter durch die Wieseckaue. In den vergangenen Wochen hat man ihn hier häufiger antreffen können. Alleine, versteht sich. Eigentlich ist Clasen ein Mensch, der häufig unter Menschen ist. In den Kneipen der Stadt ist er genauso gerne Gast wie auf Ausstellungen oder Konzerten. Früher stand er sogar selber auf der Bühne. Mit Freunden, unter anderem OK-KID-Sänger Jonas Schubert, bildete er die Band Sonnenblumenkinder.

Man könnte meinen, einen solch geselligen Charakter würden die derzeiten Corona-Beschränkungen an die Nieren gehen. Dem ist aber nicht so. "Klar, langsam nervt es. Aber ich bin auch ein positiver Mensch und versuche, mich weiterzuentwickeln." Clasen hat zum Beispiel angefangen, auf dem Keyboard zu spielen, das ihm einst sein Großvater vermacht hat. Auch ein Bild hat er mal wieder gemalt, ohnehin eine Leidenschaft des Gießeners. Vor allem aber sieht er seine Meinung bestätigt, dass die sozialen Medien zwar Probleme mit sich bringen, die Vorteile aber bei weitem überwiegen. "Man kann sich informieren, unterhalten lassen und vernetzen", sagt Clasen. Donnerstags zum Beispiel, wenn sonst das Handballtraining stattfindet, trifft sich Clasen mit seinen Mannschaftskollegen per Videochat auf ein Bier im digitalen Wirtshaus. Er nutzt seinen Internetzugang aber auch, um einen virtuellen Rundgang durch die Gießener Kunsthalle zu unternehmen. Die heimische Kulturlandschaft liegt ihm ohnehin am Herzen. Vermutlich auch, weil er sie ein kleines Stück mitgeprägt hat.

Nach dem Abitur an der Herderschule wusste Clasen, dass er studieren wollte. Aber nicht was. "Ich habe mich dann für Germanistik und Sport entschieden. Meine beiden Leistungsfächer aus der Schule." Eine Wahl, die er nicht bereuen sollte. Zumal sie, ganz unabhängig von den Studienfächern, seinen weiteren Weg entscheidend prägen sollte.

"Was mache ich eigentlich hier?" Diese Frage stellte sich vor gut zehn Jahren Laura Jax, die zum Studieren nach Gießen gekommen war. "Sie war der Meinung, dass es in Gießen ganz viele tolle kleine kulturelle Sachen gibt, die von den meisten aber nicht wahrgenommen werden", erzählt Clasen über seine damalige Kommilitonin. Also startete Jax ein kleines Portal mit genau diesem Namen und holte Clasen mit ins Boot. Aus einfachen Freizeittipps wurden mit der Zeit eigene kulturelle Veranstaltungen, Imagevideos und vor allem der WG-Flohmarkt. Man merkt Clasen an, dass er gerne an die Zeit zurückdenkt. "Wir waren wie eine kleine Freelancer-Agentur."

Der Stadt blieb das Engagement der jungen Leute nicht verborgen. "Es gab einige Kooperationen", erzählt Clasen. Für ihn selbst sogar eine ganz persönliche. 2014, Clasen arbeitete seinerzeit beim Schulverwaltungsamt als Sportpädagoge, sprach ihn Gießens Pressesprecherin Claudia Boje an. Die beiden wurden sich schnell einig, dass die Stadt ein Social-Media-Konzept benötige - und Clasen der richtige Mann für dieses Vorhaben sei. "Wir haben lange daran gefeilt. Ich bin dankbar und glücklich, diese Chance bekommen zu haben."

Das ist jetzt sechs Jahre her. Seitdem befeuert Clasen Facebook, Twitter, Instagram und Co. mit Inhalten rund um seine Heimatstadt. Meist mit sachlichen Informationen, manchmal aber auch mit schönen Inhalten. Zum Beispiel einem Foto der blühenden Eichgärtenallee. Die Idee dahinter ist einfach, sagt der Social-Media-Manager: "Auf die Mischung kommt es an. Durch schöne Fotos erhöht sich die Reichweite, die einem bei wichtigen Nachrichten, zum Beispiel einem Bombenfund, zugute kommt."

Clasen ist von den Vorzügen der sozialen Medien überzeugt. Das bedeutet aber nicht, dass sie Kontakte im echten Leben ersetzen können. Der Wettkampf "Latschi Pansch" zum Beispiel, den Clasen vor zehn Jahren mit Christoph Harnisch ins Leben gerufen hat, funktioniert nur, wenn sich die Olympioniken Auge in Auge in der Arena gegenüber stehen. Beziehungsweise am Tresen.

Clasen schmunzelt: "Latschi Pansch ist manisch und bedeutet frei übersetzt die gute Fünf. Es ist ein moderner Kneipen-Fünfkampf aus Bowling, Billard, Airhockey, Tischkicker und Darts." Clasen spricht von einer "Blödelei". Tatsächlich aber hat sie einen ernsten Hintergrund. "Uns ging es darum, möglichst viele Freunde, die meist viel um die Ohren haben, für einen Abend zusammenzubringen."

Die Latschi-Pansch-Reihe sagt viel aus über den Menschen Peter Clasen. Der manische Name zeugt von seiner Heimatverbundenheit. Der 37-Jährige ist Gießen treu geblieben, weil er stets aktiv war und sich daraus neue Chancen ergeben haben. Der Wettkampfgedanke spiegelt seine sportliche Ader wider, die im wirklichen Leben von Handball, Ski, Fahrrad- und Skateboardfahren geprägt ist. Wenn bei Latschi Pansch das ein oder andere Bier getrunken wird, ist das für ihn auch okay. Es ist aber vor allem der gesellige Charakter, der Clasen am besten beschreibt. Seine Zeit mit guten Freunden verbringen: Auch für einen digital geprägten Menschen geht das am besten analog.

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