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Per Streetview in die Orgel blicken

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Für dieses Jahr ist die Orgel von den Landesmusikräten zum »Instrument des Jahres« gekürt worden. Das sollte auch in der Bonifa- tiuskirche, wo man besonders stolz ist auf seine 2015 neu erbaute »Perle der Empore«, gebührend gefeiert werden. Corona hat das verhindert. Doch Trost ist nah: Per Street-View kann man nun sogar virtuell in die Eule-Orgel hineinschauen.

Die Orgel in der Bonifatiuskirche verdient durchaus die Bezeichnung »prächtig«. Sie ist die größte Orgel Gießens und ein Prestigeobjekt für die gesamte Region. Organisten aus den deutschen Kathedralen spielen ebenso regelmäßig auf dem »Ferrari unter den Orgeln« wie Organisten aus der ganzen Welt (selbst Australien, Russland, USA und Neuseeland).

Die Weihe der Orgel im September 2015 war der Lohn für das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement des Fördervereins, der mit langem Atem seit der Entscheidung für einen Orgelneubau gemeinsam mit dem ehemaligen Kirchenmusiker Ralf Stiewe Spenden für die »Perle der Empore« gesammelt hatte. Insgesamt 780000 Euro wurden so zusammengetragen. Es fehlen derzeit nun weniger als 20000 Euro bis zum Erreichen des Spendenziels von 800000 Euro. Der Förderverein hofft, dieses Projekt in diesem Jahr abschließen zu können.

Orgelgeburtstag in Pandemiezeiten

Einen langen Atem und außergewöhnliches Engagement beweist auch Michael Gilles, der seit 2017 als Regionalkantor das Instrument spielt und wegen der aktuellen Corona-Krise schon seit Monaten auf die eigentlich geplanten Konzerte verzichten muss. Und dann hatte auch noch die Pandemie die zum fünfjährigen Orgeljubiläum 2020 geplanten Veranstaltungen vereitelt. »Wir planen derzeit um«, erläutert Gilles. Für den nun sechsten Geburtstag der Orgel sind mehrere hochkarätige Konzerte und eine (bisher unveröffentlichte) Filmvorführung geplant. Ein professionelles Fernsehteam hatte 2015 einen Dokumentarfilm über die Orgelbaufamilie Eule aus Bautzen gedreht. Große Teile dieser Dokumentation handeln in Gießen und begleiten den Aufbau der Orgel in St. Bonifatius. »Eine wirklich beeindruckende Dokumentation mit vielen interessanten Hintergründen zum Aufbau unserer Orgel«, schwärmt Gilles. Zudem seien die Mittwochskonzerte für 2021 komplett geplant und man hoffe, diese wieder nach März durchführen zu können, wenn sich die allgemeine Lage hoffentlich wieder bessert.

Live-Stream am 6. März

Ein Highlight wird eine Live-Stream-Veranstaltung am Samstag, 6. März, um 20.15 Uhr sein. Das Thema heißt »RaumKlangPsalm«. Aus vier Himmelsrichtungen und an zwei Orgeln werden sich die Teilnehmer mit Verkörperungen (Ballett und Gebärde) und Vertonungen des Psalmes 137 »An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten« nähern.

Und es gibt eine weitere öffentliche Online-Aktion zum Orgel-Geburtstag: die Möglichkeit, mithilfe von Google-Streetview das Gotteshaus und vor allem die große Orgel virtuell zu betreten. Man kann hier in 3D-Optik in die Orgel eintauchen und sich durch die einzelnen Werke und Gänge klicken. »Ein (Ein)Blick, den sicher nicht viele so je gesehen haben«, freut sich Gilles.

Den virtuellen Gang über die Planken, die sonst nur die Organisten betreten, findet man ganz einfach, indem man über Google Maps über die Eingabe der Adresse (Liebigstraße 28) die Bonifatiuskirche sucht und das kleine Männchen im Kästchen links unten im Bild anwählt. Und schon kann man sich mit Pfeiltastennavigation ungewöhnliche Einblicke eröffnen. Den Weg auf die Empore muss man zwar ein wenig suchen, aber Michael Gilles hat einen Tipp: »Durch die Seitentür hinten kommt man ins Treppenhaus und dann auf die Empore, oder über den Schalter OG/UG.«

Man gelangt aber auch über bonifatius-giessen.de auf der Startseite unter der Rubrik »Aktuelles« zum virtuellen Rundgang. Dauerhaft soll er dann auch über die Rubriken »Kirchenmusik - Orgeln - Eule-Orgel - virtueller Orgelrundgang« abrufbar sein.

Aufnahmen von Sascha Rheker

Die Aufnahmen hat Fotograf Sascha Rheker schon 2018 gemacht, zusammen mit weiteren Aufnahmen in und um die Kirche, die für die Homepage, für Plakate und weitere Online- und Printmedien vorgesehen waren. Er fand die Orgel und den Kirchenraum so reizvoll, dass er die Aufnahmen auch bei Streetview eingestellt hat. Rheker hatte sich zu der Zeit mit neuer Technik für diese besonderen Aufnahmen ausgestattet und darum gebeten, diese in der Bonifatiuskirche ausprobieren zu dürfen. »Ein Glücksfall für uns, wir mussten ausschließlich die Türe öffnen und das Licht anmachen«, freut sich Gilles.

Zudem hatte Rheker schon den kompletten Aufbau der Orgel im Jahr 2015 begleitet und damals von den Orgelbauern gezeigt bekommen, wie man wo bei einer Orgel hingelangt, ohne etwas kaputt zu machen. »An manchen Stellen ging das Ganze dann aber auch nur, weil die Kamera dort die Einzelbilder nacheinander macht, sie dabei allein in der Orgel stehen kann und das zur Not von außen per Funk ausgelöst wird«, berichtet Rheker. Durch kompakte LED-Lampen etc. sei eine moderne Orgel übrigens im Inneren gar nicht so schlecht beleuchtet. »Das vor allem, um Wartungsarbeiten zu erleichtern. Aber natürlich hilft das auch bei Fotos.«

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