Patrick K. bleibt in türkischer Haft

  • vonRedaktion
    schließen

Als sie diese Meldung in den Nachrichten hörte, schlug das Herz von Claudia S. aus Hildesheim sofort höher: Die Türkei will Zehntausende von Gefangenen freilassen. Der Grund ist nun ausgerechnet die derzeitige Corona-Pandemie. Könnte das eine neue Chance für ihren Sohn Patrick sein? Der Gießener ist seit mehr als zwei Jahren in der Türkei inhaftiert.

In den türkischen Gefängnissen bieten die überbelegten Zellen und die oft schlechten hygienischen Zustände dem Virus beste Ausbreitungsmöglichkeiten. Diese Zustände könnten wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr für die Häftlinge schnell lebensgefährlich werden. Mehrere Häftlinge seien schon gestorben, das hatte die türkische Regierung bereits bestätigt und sich zu der Ausnahmeregelung entschlossen.

Aber ist die Angst vor der Viruserkrankung tatsächlich eine neue Hoffnung für die Mutter? "Leider gibt es nichts Neues", sagt die 55-Jährige. Nach der Ankündigung des türkischen Präsidenten Erdogan habe sie jetzt mehrere Tage abgewartet, ob irgendetwas in Bewegung kommt: ein Schreiben vom Konsulat, eine E-Mail vom Anwalt oder gar ein Anruf ihres Sohnes.

Nun steht fest: "Mein Patrick gehört nicht zu denen, die entlassen werden." Die 55-Jährige weiß inzwischen, dass politische Gefangene von der verkündeten türkischen Ausnahmeregelung von vornherein ausgeschlossen gewesen waren. Ihr Sohn gehört zu den fast 50 000 Gefangenen in der Türkei, die nach den umstritten Anti-Terror-Gesetzen angeklagt oder verurteilt wurden.

In der Türkei ist Patrick von einem Gericht zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden - wegen einer angeblichen Zugehörigkeit zur verbotenen Kurdenmiliz.

Die vorsichtige Hoffnung auf vorzeitige Entlassung ihres Sohnes hat sich bei Claudia S. inzwischen in noch größere Sorge gewandelt. "Patrick ist nach wie vor in einer Großraumzelle untergebracht." Mit wie vielen Mithäftlingen genau, ist ihr nicht bekannt. Allerdings habe ihr Sohn nun wohl einen eigenen Bereich. "Bislang ist bei allen Häftlingen in den letzten Wochen nur einmal Temperatur gemessen worden." Ob sich das Virus im Gefängnis ausgebreitet haben könnte, weiß die Mutter nicht. Zwar sind während der Krisenzeit wöchentliche Telefonate von zehn auf 20 Minuten erhöht worden, doch nicht auf alle Fragen darf der Sohn antworten.

Erfahren hat Claudia S., dass zum gegenseitigen Schutz mit Anwälten und Konsulat-Mitarbeitern nur hinter einer Scheibe gesprochen werden darf. Sport sei gar nicht mehr erlaubt, Besuch inzwischen ganz verboten. "Selbst das Gefängnispersonal inklusive der Wärter übernachtet derzeit auch in der Haftanstalt." Dennoch: Die Sorge, dass sich ihr Sohn im Gefängnis anstecken könnte, bleibt weiter groß.

Claudia S. hatte ihren Sohn im Februar zuletzt in Istanbul besuchen können. Diese halbe Stunde hatte Claudia S. viel Hoffnung gegeben, weil sie ihren Sohn endlich mal wieder persönlich sprechen und in den Arm nehmen durfte. Jetzt heißt es nur wieder abwarten - und hoffen. Dr. Renate Klink

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare