Maria Peyerl (r.) und Naemi Bier verstehen sich blendend, sie sind beide Gartenfans. FOTO: KAF
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Maria Peyerl (r.) und Naemi Bier verstehen sich blendend, sie sind beide Gartenfans. FOTO: KAF

Jung hilft alt

Patenschafts-Projekt in Gießen trägt Früchte

  • vonKatrina Friese
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Die Freundschaft der 94-jährigen Maria Peyerl und der 28-jährigen Naemi Bier zeigt: Das Patenschafts-Projekt in Gießen ist ein Erfolgsmodell.

Gießen(kaf). "Da haben Sie mir eine gute Seele ins Haus gebracht", sagt Maria Peyerl. Die 94-jährige Gießenerin blickt lächelnd zur jungen Frau neben ihr. Die "gute Seele" ist Naemi Bier. Sie besucht die Rentnerin einmal in der Woche - zu Gesprächen, gemeinsamer Gartenarbeit, Kuchenessen. Entstanden ist der Kontakt im Zuge des Patenschafts-Projekts "Dabei bleiben", das in einer Kooperation zwischen dem Verein freiwillig-sozial-aktiv, dem Freiwilligenzentrum und dem Caritasverband Gießen im Juli 2019 gestartet ist.

Ziel des Paten-Projekts ist es, Senioren oder auch mobil eingeschränkten, jüngeren Menschen, die zu Hause leben, durch engagierte Paten eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und individuelle Hilfe im Alltag zu leisten.

Hilfe im Alltag braucht Maria Peyerl eher nicht - die agile 94-Jährige erledigt vieles noch selbst. Als sie jedoch vor einem Jahr bei einem Besuch des Seniorenbüros von dem Tandemprojekt erfuhr, kam ihr sogleich die Gartenarbeit in den Sinn - eine Leidenschaft, die sie schon fast ihr ganzen Leben lang pflegt. Und die auch ein großes Interessengebiet von Naemi Bier ist. Die 28-jährige Psychologinwohntin Gießen und arbeitet in Frankfurt. Nachdem sie ihre Stelle auf vier Tage in der Woche kürzte, blieb bald noch Raum für anders. "Ich wohne direkt neben dem Freiwilligenzentrum und bin da einfach mal reingestolpert" erzählt sie in ihrer sympathischen Art.

"Klick" gemacht"

"Ich wollte gern noch etwas Sinnvolles nebenher machen." Als sie Projektkoordinatorin Helga Kroll von ihrer Leidenschaft für Garten und die Natur erzählt, macht es "klick". "Das passt, habe ich sofort gedacht", berichtet Kroll erfreut. Einige Tage zuvor hatte sie Maria Peyerl besucht, um einem Erstkontakt mit der Seniorin herzustellen und auch etwas über deren Leben und Hobbys zu erfahren. "Hobbys sind ein wichtiges Bindeglied" weiß sie aus Erfahrung zu berichten.

Bei Maria Peyerl und Naemi Bier hat es auf Anhieb funktioniert. Während die junge Frau die Seniorin bei der Gartenarbeit unterstützen kann, kann sie auch vom reichen Gartenwissen der passionierten Hobbygärtnerin profitieren: "Frau Peyerl hat mir gezeigt, wie man Rosen schneidet und mein Wissen über Pflanzen sehr bereichert."

Als einmal ein Klarapfelbaum im Garten der Seniorin zu sterben drohte, brachte die gebürtige Rabenauerin dann kurzerhand ihren Vater und ihre Schwester mit, die beim Baumfällen mit anpackten. "Und einen Handlauf hat er mir auch noch angeschraubt" freut sich Peyerl mit liebevollem Blick auf ihre junge Begleiterin: "Sowas Liebes!".

Maria Peyerl hat viel erlebt in ihrem langen Leben, 1946 flüchtete sie mit ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter aus dem Sudetenland nach Rödgen. In Gießen fand die kleine Familie schließlich ein Baugrundstück in der Grünberger Straße, der damaligen Kaiserallee.

"Damals gab es lediglich zwei Autos in dieser Straße" erinnert sich die freundliche Dame, deren Umfeld sich im Laufe eines langen Lebens immer wieder stark veränderte. Seit gut 20 Jahren ist sie nun verwitwet und weiß sich aber auch bei kleine Problemen gut zu helfen. "Ich wohne in einem tollen Umfeld", lobt die 94-Jährige ihre Nachbarschaft, die auch gerne mal unterstützt.

"Uns war es sehr wichtig, dieses Projekt umzusetzen", sagt Inge Bietz, 2. Vorsitzende des Vereins freiwillig-sozial-aktiv. Dieser Tage beginnt eine neue Schulung für zwölf weitere ehrenamtlichen Paten. Allerdings sind noch einige Paten ohne Senioren, die sie besuchen können. Interessierte Alleinlebende können sich gerne melden bei Christiane Wissel (Caritas), Tel 0641/7948-121.

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