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Der Gießener Schauspieler Pascal Thomas ist Teil der Initiative »#actout«, die für mehr Akzeptanz von Schwulen, Lesben und queeren Menschen wirbt.

»#actout«-Initiative

Gießen: Schauspieler Pascal Thomas bei »#actout« - Schauspieler outen sich

  • vonDaniel Beise
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185 Kulturschaffende haben sich in einem gemeinsamen Manifest für mehr Diversität in Film, Fernsehen und Theater starkgemacht. Darunter der Gießener Schauspieler Pascal Thomas.

»Wir sind schon da!« So lautet der simple, aber aussagekräftige Titel, unter dem das Magazin der »Süddeutschen Zeitung« vergangene Woche die Initiative »#actout« publik gemacht hat. 185 queere, schwule, lesbische, bisexuelle, nicht binäre und trans* Personen aus Film, Fernsehen und Theater haben in einer gemeinsamen Aktion ein Manifest veröffentlicht - für mehr Sichtbarkeit und Anerkennung ihrer geschlechtlichen und sexuellen Lebensrealität. Und für eine breitere Debatte über Diskriminierung. Einige von ihnen haben sich damit öffentlich geoutet.

»Manche Medien haben das mit Titeln wie ›Film- und TV-Stars outen sich‹ aufgegriffen. Darum ging es aber gar nicht«, sagt der Gießener Schauspieler Pascal Thomas, einer der 185. »Sondern einfach um Leute in dem Beruf.« Viele, die in der Branche noch nicht so Fuß gefasst hätten, haben sich zu Wort gemeldet. Diesen wolle man ein Gesicht geben.

Anfangs zögerlich

Als Thomas 2008 nach dem Schauspielstudium in Frankfurt am Landestheater Eisenach anfing, hätte er sich ein solches Outing vielleicht noch nicht getraut. Bevor er auf die Schauspielschule ging, meinten einige, er müsse aufpassen; man merke ihm an, dass er schwul sei. Viele berichten in dem Manifest von ähnlichen Ratschlägen. »Ich war am Anfang darauf bedacht, möglichst männlich zu wirken, um mich in einer neuen Stadt erst mal als Hetero zu etablieren und auf der Bühne Beziehungen zu Frauen glaubwürdig darzustellen«, erzählt er. »Ich habe persönliche Infos zurückgehalten und zunächst nur scheibchenweise etwas preisgegeben. Das ist ja schon ein Zeichen von Unfreiheit«, betont der 33-Jährige. In seiner Familie dagegen habe er damit »wahnsinniges Glück« gehabt.

Theaterschauspieler war immer Thomas’ Ziel. Heute ist er auch hier freier und geht offen mit seiner Homosexualität um. 2016 habe er sich erstmals getraut, einen queeren Charakter zu spielen - am Stadttheater in der Figur des »Ewigen Geliebten« in »Rio Reiser - König von Deutschland«. An Theatern sei Diskriminierung von LSBTQI-Personen ein geringeres Problem als in Film und Fernsehen. Dennoch sei es nicht so, wie es sein sollte. »In Gießen fühle ich mich aber sehr wohl und kann offen leben. Das läuft vorbildlich hier.«

Viele Kollegen aus ganz Deutschland hätten ihm geschrieben, wie toll und wichtig das kollektive Outing ist, viele habe das ermutigt, sich anzuschließen. Die 185 seien ja nur ein kleiner Bruchteil der queeren Menschen in der Branche. So geht es ihnen auch darum, dass Drehbücher, Charaktere und deren Besetzung vielfältiger, diverser, fantasievoller werden.

Auch Negativ-Echo

Die »#actout«-Initiative hat größtenteils ein sehr positives Echo ausgelöst. Wie die Schauspielerin Jules Etling der SZ berichtete, sei die Gruppe auf Instagram geradezu überflutet worden mit Reaktionen. »Wir alle haben Nachrichten bekommen, die uns zu Tränen rühren«, sagte sie der Zeitung. Neben großen Einrichtungen wie dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) solidarisierte sich auch die 2019 in Berlin gegründete »Queer Media Society« (QMS). Sie möchte Medienschaffende zur Stärkung dieses Themas besser vernetzen.

Regisseur und Mitinitiator des Netzwerks, Kai S. Pieck, unterstreicht die nach wie vor präsenten Probleme: »Allein schon der Vorgang, jemandem im Branchenkontext zu raten, sich nicht zu outen, ist diskriminierend - egal, wie ›gut gemeint‹ das sein mag.«

So gab es auch Herabwürdigungen der gemeinsamen Aktion: dass die Gruppe sich bloß in den Vordergrund rücken wolle, zum Beispiel. Queer.de, »das Zentralorgan der Homolobby«, wie sich das Medium selbst bezeichnet, kommentiert: »Dies demonstriert, wie weit entfernt wir auch 2021 von Geschichtsbewusstsein, Akzeptanz, Inklusion und Teilhabe sind, wie nötig die Initiative #actout ist und wie wichtig die nachhaltige Arbeit der QMS ist.« Auch international griffen Medien die Initiative auf, zum Beispiel in den USA, Griechenland oder Kroatien.

»Eigentlich sollte es kein Thema mehr sein«, findet Stadttheater-Schauspieler Thomas. »Einem heterosexuellen Schauspieler kaufe ich in seiner Rolle ja auch eine Beziehung zu einer Frau ab, obwohl er verheiratet ist.« Dieses Argument betonen die Kulturschaffenden in dem Manifest: »Wir müssen nicht sein, was wir spielen. Wir spielen, als wären wir’s. Das ist unser Job.«

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