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Wenn die Party zum Albtraum wird: Streit im Dachcafé-Hochhaus in Gießen

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Von: Christoph Hoffmann

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Das Dachcafé-Hochhaus in Göttingen.
Im Dachcafé-Hochhaus in Göttingen ist die Stimmung bei einigen Bewohnern derzeit im Keller. Grund sind lautstarke Feste in dem oben liegenden Lokal. © Oliver Schepp

Streit im Dachcafé-Hochhaus in Gießen: Die Bewohner stören sich an lauten Festen in der Gastronomie, Müll im Fahrstuhl und Erbrochenem im Treppenhaus.

Gießen ‒ Einige der Bewohner des Dachcafé-Hochhauses sind mit den Nerven am Ende. Von lauten Parties in der oben gelegenen Gastronomie ist die Rede, von Müll im Fahrstuhl und Erbrochenem im Treppenhaus. Laut der Wohnbau, die die Wohnungen vermietet, sollen nun auch bauliche Veränderungen die Situation verbessern.

Thank God it’s Friday: Ein berühmter Rapper hat mit dieser Zeile einst einen Party-Song einläuten lassen. »Endlich Freitag« dürften sich auch die vielen jungen Leute denken, die regelmäßig zum Wochenendbeginn ins Dachcafé in Gießen strömen. Besonders gottesfürchtig scheint es dabei jedoch nicht zuzugehen. Laut Petra Müller (Name geändert), die im fünften Stock wohnt, herrschen in dem Wohnbau-Hochhaus in den Nächten regelmäßig chaotische Zustände.

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Das ganze Haus werde durch die laute Musik beschallt, der Fahrstuhl sei vermüllt, mit Stickern beklebt und mit Edding beschmiert, selbst Erbrochenes finde sich mitunter im Treppenhaus. »Das ist kaum auszuhalten«, sagt Müller und betont, sich wegen der Horden junger Menschen abends nicht mal mehr ins Treppenhaus zu wagen.

Die Gastronomie über den Dächern der Stadt ist ein Wahrzeichen Gießens mit langer Geschichte. Seit 2017 betreibt nun Kadir Elmastas das Lokal. Natürlich weiß er von den Problemen innerhalb des Hauses. »Wir versuchen, es den Bewohnern recht zu machen. Gleichzeitig müssen wir Umsatz generieren.«

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Elmastas betont, dass er wegen der Pandemie viele Monate nicht hätte öffnen dürften und daher keine Einnahmen gehabt habe. Ein Sicherheitsteam sorge zudem dafür, dass die Gäste keine Flaschen mit in das Gebäude bringen. Wegen Müllablagerungen vor der Haustür würde er selber leiden, der stamme aber auch von Gästen der Ludwigstraße.

Vorwürfe, er hätte die Gastronomie in eine Discothek verwandelt, bestreitet er. »Der Betrieb sieht genauso aus wie früher. Am Wochenende haben wir DJs. Aber das war früher auch so.« Zu den Gast-Veranstaltern, die ins Dachcafé einladen, gehört auch jene Gruppe, die mit Feiern (und den damit verbundenen Folgen) auf den Lahnwiesen im Sommer 2021 für Ärger gesorgt hatte.

Elmastas hat Sorge, wegen der Situation im Dachcafé ebenfalls den Schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen. Dabei gebe es in den Wohnungen unterhalb seines Lokals mitunter ebenfalls Parties, die für Lärm sorgten. »Das wird dann uns in die Schuhe geschoben.«

Bässe wummern bis in den dritten Stock

Gleichzeitig will der Gastronom aus Limburg nicht leugnen, dass auch sein Betrieb für Lautstärke verantwortlich ist. »Daher haben wir gerade einen Limitierer installiert«, betont Elmastas. Dabei handelt es sich um einen Schallpegelbegrenzer, der in vielen Discotheken und Gaststätten zum Lärmschutz eingesetzt wird. »Dadurch«, sagt Elmastas, »sollten die Probleme der Vergangenheit angehören.«

Dem ist aber nicht so, sagt zumindest Bewohnerin Müller. In der Nacht auf den zurückliegenden Samstag sei es erneut sehr laut gewesen. »Um 2.20 Uhr wurde noch mal so richtig aufgedreht. In meinem Schlafzimmer und Badezimmer war es unerträglich.«

Müller ist mit ihrer Einschätzung nicht alleine. Eine andere Bewohnerin spricht ebenfalls von unhaltbaren Zuständen. Selbst eine Frau aus einer der unteren Etagen bezeichnet die Lage als katastrophal. »Der Bass wummert durch das ganze Haus, man wird regelmäßig in der Nacht wach.« In ihrem Fall komme erschwerend hinzu, dass sie kleine Kinder habe, die durch den Lärm ebenfalls um ihren Schlaf gebracht würden.

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Die Wohnbau weiß von der Problematik. »Die Mieterschaft beschwert sich auch direkt bei uns«, sagt Sprecherin Susann Balser-Hahn. Man befinde sich daher im Austausch mit dem Betreiber des Dachcafés, der sich per Schreiben direkt an die Mitmieter wenden wolle, um die Probleme »bilateral« zu lösen.

Zudem, betont Balser-Hahn, sei eine Umbaumaßnahme geplant, um den Schallschutz zu verstärken. Details könne sie nicht nennen, da noch Abstimmungen zwischen Wohnbau, Bauamt und den Gastro-Betreibern anstünden.

Von heute auf morgen wird sich die Problematik in dem Hochhaus daher wohl nicht ändern. Sehr zum Leidwesen von Müller. Die Wohnbau hat der Gießenerin in einem Schreiben vorsichtshalber mitgeteilt, »gerne bei einer Wohnungssuche behilflich« zu sein. (Christoph Hoffmann)

Das Dachcafé ist eine der Kultkneipen der Universitätsstadt Gießen. Im Laufe der Jahre fanden dort Events wie Konzerte, Lesungen und gelegentlich auch Videodrehs statt.

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