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Partei ohne »Immunsystem«

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Von: Burkhard Möller

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Es sei wichtig, nicht nur übereinander, sondern miteinander zu reden. Das sagte am Donnerstagsabend der Lehramtsstudent und bekannte Flüchtlingskrisen-Erklärer Ali Can vor etwa 150 Zuhörern in der Uni-Aula. Dort ging es zum Abschluss der Veranstaltungsreihe des Präsidenten Prof. Joybrato Mukherjee über die »Autoritäre Welle im Westen« um die Alternative für Deutschland. Can, der Journalist Justus Bender von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Moderator Prof. Claus Leggewie redeten über die AfD, aber nicht mit ihr. Und die etwa zehn Vertreter der Partei, die in den hinteren Reihen Platz genommen hatten, verzichteten darauf, dies bei der anschließenden Diskussion mit dem Publikum nachzuholen.

Es sei wichtig, nicht nur übereinander, sondern miteinander zu reden. Das sagte am Donnerstagsabend der Lehramtsstudent und bekannte Flüchtlingskrisen-Erklärer Ali Can vor etwa 150 Zuhörern in der Uni-Aula. Dort ging es zum Abschluss der Veranstaltungsreihe des Präsidenten Prof. Joybrato Mukherjee über die »Autoritäre Welle im Westen« um die Alternative für Deutschland. Can, der Journalist Justus Bender von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Moderator Prof. Claus Leggewie redeten über die AfD, aber nicht mit ihr. Und die etwa zehn Vertreter der Partei, die in den hinteren Reihen Platz genommen hatten, verzichteten darauf, dies bei der anschließenden Diskussion mit dem Publikum nachzuholen.

Dass die politische Wissenschaft die aufstrebende Partei ernst nimmt, war schon dem Titel zu entnehmen. An die Frage »Was will die AfD?« schloss sich die Feststellung an: »Eine Partei verändert Deutschland.« Um die Frage zu beantworten, hatte der Veranstalter den AfD-Experten der FAZ eingeladen, der das »Phänomen aus nächster Nähe beobachtet«, wie Leggewie sagte und die Frage anschloss, wo die Partei momentan stehe. Bender sagte, die AfD habe sich »in einem beachtlichen Maße radikalisiert«.

Gleichzeitig habe eine Professionalisierung stattgefunden; die AfD sei nicht mehr »in Stolperschritten unterwegs« und profitiere durch Wahlerfolge von Geld aus der Parteienfinanzierung. Die AfD sei »autoritär« und »völkisch« ausgerichtet und »nicht einfach eine CDU, wie sie in den 80er Jahren war«.

Auf die noch hypothetische Frage Leggewies, was die AfD im Falle der Übernahme von Regierungsverantwortung als erstes machen würde, sagte Bender, das würde »ähnlich wie bei Trump« laufen, zum Beispiel mit einer »Abschiebeinitiative«. Zudem würde eine AfD-geführte Regierung Koranschulen schließen und im universitären Bereich gegen Gender-Studien vorgehen sowie die Studierendenausschüsse finanziell austrocknen.

Dass sich immer wieder radikale Kräfte in der AfD durchsetzen, erklärte Bender mit dem wiederholten Austausch von Mitgliedern, der die Partei nicht zur Ruhe kommen lasse. Der AfD fehle ein »Immunsystem«, um Leute wie Björn Höcke abzustoßen. Nach Einschätzung von Bender wird es nicht zum Parteiausschluss des Rechtsaußen aus Thüringen kommen.

Ali Can, der durch seine Interviews bei Pegida-Demos in Dresden bekannt wurde und demnächst ein Buch veröffentlichen wird, plädierte für eine »neue Dialogkultur«, um eine noch tiefere Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. Leider stoße er mit seiner Gesprächsbereitschaft gegenüber den »besorgten Bürgern« bei »linken Freunden« auf wenig Verständnis: »Da höre ich oft: Was machst du da? Warum bietest du denen eine Bühne?«

Zum Schlusswort der dreiteiligen Veranstaltungsreihe bemühte Leggewie mit Blick auf die Bundestagswahl seinen französischen Hoffnungsträger Emmanuel Macron. Dessen optimistischer Anspruch einer »Politik, die Lust auf Zukunft macht«, müsse auch in Deutschland formuliert werden. Von der AfD erwartet das Leggewie freilich nicht. »In dem Milieu hört man das eher selten.«

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