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Parlament appelliert an Messegesellschaft

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Von: Burkhard Möller

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Gießen (mö). Heute geht an den Hessenhallen nach drei Tagen die Messe »WBK International« zu Ende. Die Durchführung der Verkaufsschau, die auch als Waffen- oder Militariamesse bezeichnet wird, ist vor allem aufgrund der dort angebotenen Devotionalien aus der Nazi-Zeit und dem Zweiten Weltkrieg nicht nur in Gießen hochumstritten. So beschloss die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend noch eine Resolution gegen die Veranstaltung, obwohl die Messe bereits lief und Versuche der Stadt, sie zu verbieten, vor Verwaltungsgerichten gescheitert waren.

Der Titel der Entschließung »Gießen darf kein Anziehungspunkt für Waffennarren und Nazi-Devotionalien-Jäger werden« beinhaltet auch die Befürchtung, dass die WBK in Gießen heimisch werden könnte, nachdem sich die Städte Kassel und Halle erfolgreich gegen die Durchführung gewehrt hatten. In diesem Zusammenhang wird an die Geschäftsführung der Messe Gießen GmbH appelliert, künftig »verantwortungsvolle Entscheidungen« über mögliche Mieter zu treffen. Im Vorfeld sei es leider nicht gelungen, die Messegesellschaft zu einer Absage zu bewegen.

Die Kritik der von Grünen, SPD, Gießener Linke, Gigg/Volt und PARTEI eingebrachten Resolution entzündete sich vor allem am Verkauf von militärischen Gegenständen aus der Nazi-Zeit mit Hakenkreuzen oder Totenkopfsymbolen sowie Runen der SS. »Das hat strafrechtliche Relevanz, was dort ausgestellt wird«, sagte Ordnungsdezernent Alexander Wright. Durch Auflagen der Stadt und deren Überwachung sei dieses Sortiment in Gießen aber so gut wie unsichtbar geblieben, zog Wright eine Bilanz des ersten Messetags.

Wright und Gerhard Merz (SPD) machten deutlich, dass es sich bei der »WBK International« eben nicht um eine normale Fachmesse für Sportschützen und Jäger handele. Dagegen sah sich AfD-Fraktionschefin Sandra Weegels angesichts der Kritik an WBK veranlasst, »eine Lanze für Jäger und Sportschützen zu brechen«. Anbieter von Nazi-Devotionalien nahm sie mit der Bemerkung in Schutz: »Da wird Zeitgeschichte ausgestellt.« FDP-Fraktionsvorsitzender Dominik Erb fragte bei Weegels nach, ob das ihr Ernst sei und Grünen-Fraktionschefin Vera Strobel stellte fest: »Es geht um strafrechtliche Symbole.« Der Stadtverordnete Merz drückte sich am deutlichsten aus: »Wir wollen diesen Dreck hier nicht haben.«

Nach den Irritationen der letzten Monate - Stichwort Eritrea-Fest - will Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (SPD) zeitnah ein Gespräch mit der Geschäftsführung der Messe führen. »Ich will für den Messestandort Gießen werben«, sagte Becher. Damit tue er sich angesichts von Schauen wie der WBK aber schwer.

Vor dem Hintergrund der Gerichtsentscheidungen gegen ein Verbot enthielten sich CDU, FW und FDP, gegen die mehrheitlich beschlossene Resolution stimmte nur die AfD.

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