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So sieht die Zukunft der Verkehrslenkung in Gießen aus.

Stadtverkehr Gießen

Gießen: Parksuchverkehr soll digital verdrängt werden

  • Burkhard Möller
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Der Wunsch, möglichst nahe am Stadtzentrum zu parken, beschert der Gießener Innenstadt viel sinnlosen Parksuchverkehr. Er soll nun digital gelenkt und verdrängt werden.

Rotlichtviertel hat mal jemand die Johannestraße genannt. Das war keine Anspielung auf gewisse Etablissements, sondern auf die vielen Bremslichter, die bei der Suche nach einem freien Kurzzeitparkplatz in Steinwurfweite zur Fußgängerzone aufleuchten. Damit künftig weniger Autofahrer nur in der Hoffnung auf einen Parkplatz in die Johannesstraße einfahren, wird die Stadt in einigen Wochen im Bereich Südanlage/Johannesstraße eine erste digital gesteuerte Anlage zur Lenkung des Parksuchverkehrs in Betrieb nehmen. Bürgermeister und Verkehrsdezernent Peter Neidel sprach am Freitag bei der Vorstellung des Systems von einem »erfolgreichen Einstieg in das digitale Parkraumanagement«.

Die Anlage besteht aus Masten, auf denen kleine Kameras sitzen, sowie aus zwei digitalen Anzeigetafeln auf der Südanlage. Die Tafel für den Verkehr aus dem Süden steht zwischen den Abzweigen Bleichstraße und Bismarckstraße auf dem Bürgersteig, die für den Verkehr aus dem Osten und Norden am Rand des Theaterparks. Auf den schwarzen Boards bekommen Autofahrer die Zahl der im Moment noch freien Parkplätze angezeigt. Neben den rund 50 normalen Parkplätzen werden auch die Ladestationen für Elektrofahrzeuge und die Parkplätze für Behinderte extra angezeigt.

Das vollautomatische System basiert auf einem Abscannen der Parkplätze durch die Sensoren. Die optisch erfasste Informationen über die Belegung der Parkplätze wird an die Anzeigen übermittelt. »Die Information sollte nicht länger als zehn bis 15 Sekunden brauchen«, erläuterte Alexander Koch aus der Straßenverkehrsbehörde.

Das System müsse verlässlich funktionieren, andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Informationen von Autofahrern ignoriert würden, sagte Neidel. Die Anlage laufe in den nächsten Wochen daher im Hintergrund im Probebetrieb, die Displays bleiben schwarz. Die offizielle Inbetriebnahme sei für Ende Februar, Anfang März geplant.

Für die Stadt ist die Anlage, die im Vorgriff auf die Modernisierung des gesamten Parkleitsystems erprobt wird, ein Beitrag zur Verkehrsvermeidung. »Der Parksuchverkehr ist schon ein Riesenproblem«, sagt Holger Hedrich, Abteilungsleiter der Straßenverkehrsbehörde. Er ist sich bewusst, dass dieses Problem auch mit modernen Lenkungsmaßnahmen nicht aus der Welt zu schaffen ist, aber es wäre schon »richtig gut für die Johannesstraße, wenn wir ein Drittel Parksuchverkehr vermeiden könnten«.

Brandplatz und Messeplatz

Die Anzeigetafeln, die sich durch Aufstecken weiterer Platten einfach vergrößern lassen, sollen multifunktional eingesetzt werden. Sie können Informationen über Baustellen, andere Parkplätze bis hin zu Hinweisen auf Gießener Feste übermitteln. Das ist auch ein Grund dafür, warum die Tafel aus Richtung Süden rechts am Fahrbahnrand der Südanlage steht, obwohl sich Autofahrer, die in die Johannesstraße wollen, eher links einordnen. »Links wird die Information zum Beispiel auf eine Baustelle in der Grünberger Straße nicht so wahrgenommen. Außerdem ist die Sicht auf dem Mittelstreifen durch die Bäume eingeschränkt«, erläuterte Hedrich.

Als vergleichbare Einsatzorte bieten sich laut Hedrich der Brand- und Messeplatz sowie der Lindenplatz an. Ziel sei es aber, alles unter den Hut des neuen Parkleitsystems zu bringen, in dem die großen Parkhäuser die zentrale Rolle spielen. Die Einbeziehung kleinerer und privatbetriebener Tiefgaragen schließt die Stadt nicht aus.

Geld ist nicht das Problem, denn für die Digitalisierung des Verkehrs stellen Bund und Land massig Fördergelder zur Verfügung. Die 60- bis 80 000 Euro, die die Hardware für die Johannesstraße gekostet hat, sind nur ein Bruchteil der geplanten Investitionen.

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