+
Auch diese farbenprächtigen Artgenossen warten auf Kundschaft. FOTO: BF

Ein Paradies für Züchter

  • schließen

Gießen(bf). Vogelfreunde aus ganz Deutschland und darüber hinaus kamen am Sonntag zur Vogelbörse in die Hessenhallen. Zu sehen gab es Vögel aller Art und in den buntesten Farben. Angeboten wurden vor allem Wellensittiche und Kanarienvögel, aber auch einige exotischere Arten - sowie diverse Utensilien für die Vogelhaltung. Ausgerichtet wurde die Börse vom Verein Vogelfreunde Gießen-Wieseck, der seit 1962 besteht und eine der ältesten Ortsgruppen dieser Art in Deutschland ist.

"Es kommen sogar Besucher aus dem benachbarten Ausland", sagt der Erste Vorsitzende Gerhard Kraicker. Das Interesse sei groß, deshalb werde man die Börse künftig dreimal statt wie bisher zweimal stattfinden lassen.

600 Pokale gewonnen

Viel Geld kann der Verein mit der Vogelbörse nicht verdienen. Kosten für die Anmietung, die Veterinärerlaubnis und sonstige Gebühren würden die Einkünfte wesentlich schmälern. Auch mit der Vogelzucht lässt sich in aller Regel nicht viel Geld verdienen, die meisten betreiben dies als Hobby. "Vogelzucht ist meine Leidenschaft, finanziell gesehen ist es für mich ein Minusgeschäft", sagte der aus Aschaffenburg angereiste Kanarienzüchter Norbert Schadler. Die Kosten für die Anreise und die Stellplatzmiete seien meist höher als die Einnahmen durch verkaufte Vögel. Er sei jedoch schon mit der Vogelzucht aufgewachsen, der Spaß an der Sache stehe für ihn an vorderster Stelle.

Weitaus lukrativer gestaltet sich die Zucht von großen Vögeln, vor allem von Papageien, welche durchaus mehrere Tausend Euro pro Exemplar einbringen können. Doch diese würden laut Gerhard Kraicker überwiegend privat verkauft, weniger auf Vogelbörsen. "Auf unserer Börse sind die teuersten Exemplare vielleicht 150 Euro wert", meint er.

Der passionierte Hobbyzüchter Kraicker hat in seiner langen Züchterlaufbahn sage und schreibe über 600 Pokale gewonnen, darunter den des Deutschen Meisters. Er freut sich über das rege Interesse an den Vögeln, bedauert gleichzeitig aber, dass sich kaum noch junge Leute für eine Vereinstätigkeit in der Vogelzucht interessierten.

Die meisten Mitglieder der Vogelfreunde Gießen-Wieseck seien bereits über 60 Jahre alt, das jüngste Mitglied ist 35. Zudem würden die Auflagen des Veterinäramts immer strenger, und auch Tierschützer würden ihnen immer häufiger zu Schaffen machen.

Verweis auf strenge Auflagen

Ulrich Heinzmann, Hobbyzüchter aus Marburg, hat dafür nur wenig Verständnis: "Die Vögel in der Natur erleiden weitaus mehr Stress als in der Käfighaltung", meint er. Im Freien könnten sie gefressen werden, an Futtermangel leiden und im Sommer nicht genügend Wasser finden. Außerdem seien die Vögel mittlerweile so stark domestiziert, dass sie die Käfighaltung nicht mehr stören würde. Es sei ja verboten, Vögel aus der Natur zu nehmen und sie als Käfigvögel zu halten, nur Zuchtvögel kämen dafür infrage.

Laut Heinzmann gehe es bei der Vogelzucht vor allem um Fürsorge und darum, die Zucht stetig zu verbessern. Er jedenfalls finde es schön, dass er seine Züchterleidenschaft auch an seine beiden Söhne weitergeben konnte. Mit denen zusammen nehme er an Wettbewerben in ganz Deutschland teil, erzählt der Marburger.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare