JLU-Präsident Joybrato Mukherjee bei seiner Rede zum digitalen Festakt. FOTO: PM
+
JLU-Präsident Joybrato Mukherjee bei seiner Rede zum digitalen Festakt. FOTO: PM

Pandemie nach "Probelauf"

  • vonChristian Schneebeck
    schließen

Gießen(csk). Vorbereitung hilft fast immer. Auf jenen Härtetest, den die Justus-Liebig-Universität im vergangenen Winter erlebte, hätte Prof. Joybrato Mukherjee aber liebend gern verzichtet. "Wer hätte damals gedacht, dass die uns abverlangte Resilienz nur ein Probelauf war?", fragte der JLU-Präsident in seiner Rede beim Akademischen Festakt am Freitagvormittag. Von Corona hatte er bis dato noch gar nicht gesprochen - wohl aber von einer anderen Zäsur. Seit dem Cyberangriff am 8. Dezember 2019 habe man "ein turbulentes Jahr" gemeistert, sagte Mukherjee. Ansatzlos sei der "universitäre Notstand" im Frühjahr in den "gesellschaftlichen Ausnahmezustand" übergegangen und das laufende Wintersemester sei nunmehr bereits "das dritte Ausnahmesemester in Folge". Allzu düster fiel der entsprechende Rückblick dennoch nicht aus.

Im ersten vollständig digitalen Akademischen Festakt, der online live übertragen wurde, zeichnete Mukherjee vielmehr das Bild einer innovativen, widerstandsfähigen Gemeinschaft. Ob bei Auszeichnungen und Drittmitteln oder im täglichen Forschungs- und Lehrbetrieb: Die Gießener Uni bleibe wissenschaftlich exzellent und für Studierende hochattraktiv.

Drei Ausnahme- semester in Folge

Das "Schiff JLU" habe die Herausforderungen nie nur verarbeitet, sondern aktiv mitgeholfen, sie zu bewältigen. Besonders dankte Mukherjee neben Mitarbeitern allen Studierenden am Anfang oder Ende der universitären Laufbahn: "Sie beginnen oder beenden ihr Studium in einem gesellschaftlichen Ausnahmezustand" - und sollten keine Nachteile dadurch haben.

"Interessante Zeiten, schwierige Zeiten, neue Zeiten?" hieß die Trias, mit der Festrednerin Prof. Dorothea Wagner wenig später eine Gegenwartsdiagnose lieferte. Als Informatikerin legte die Vorsitzende des Deutschen Wissenschaftsrates naturgemäß einen Schwerpunkt auf Digitales. Krisen könnten längst notwendige Entwicklungen forcieren, sagte sie und verwies auf das oft rückständige technische Niveau der Universitäten. Zugleich entfache Corona einen Schub für die Kooperation von Forschung, Gesellschaft und Politik. Schließlich habe die Pandemie jeden "gelehrt, dass Wissenschaft ein öffentliches Gut ist und Offenheit der Regelfall sein muss".

Traditionsgemäß erhielten auch zahlreiche junge Wissenschaftler - allesamt in Abwesenheit - während der Feier Auszeichnungen für herausragende Leistungen. Der mit 15 000 Euro dotierte Röntgenpreis der Justus-Liebig-Universität ging an den Physiker Dr. Jan Rothhardt aus Jena für seine Forschungen zu Laserquellen für extrem ultraviolette Strahlung. Die erstmals verliehene Miniatur-Ausgabe des Gießener Röntgendenkmals konnte Rothhardt allerdings nicht persönlich entgegennehmen. Den Preis der JLU samt 5000 Euro Prämie erhielt der Gießener Biologe Dr. Benedetto Daniele Giaimo.

Über die Dr.-Herbert-Stolzenberg-Preise freuten sich Dr. Urs Gellrich, Dr. Daniel Schröder (Chemie) und Dr. Elie El Agha (Medizin). Als Dr.-Dieter-und-Sigrun-Neukirch-Preisträgerinnen durften sich Dr. Wiebke Nierste (Klassische Philologie) und Vivien Piephoh (Geografie) feiern lassen. Ferner wurden die Doctores Roman Briker, Daniel Dürr, Jelena Dureinovic, André K. Eckhardt, Katharina May, Richard Vollenberg, Victoria Maria Jakoswki und Felix Ernst Horst für herausragende Dissertationen geehrt.

Zwar müssten alle Menschen angesichts der Infektionszahlen "noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen - auch in Gießen, auch an der JLU", zitierte Mukherjee in seinem Schlusswort Prof. Lothar H. Wieler, den Präsidenten des Robert-Koch-Instituts. Spätestens für den nächsten Festakt wünsche er sich freilich ein persönliches Wiedersehen: "Ich hoffe, dass es bei einem einmaligen Format dieser Art bleibt."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare