Pädagoge und Denkmalpfleger

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Gießen(dkl). Am morgigen Sonntag begeht Manfred Blechschmidt seinen 80. Geburtstag. Erst im vergangenen Jahr ist er von seinen letzten Ehrenämtern zurückgetreten: nach 28 Jahren aus dem Vorstand des Oberhessischen Geschichtsvereins, dessen Ehrenvorsitzender er seitdem ist, und nach 43 Jahren als Vorsitzender des Kreisdenkmalbeirats. Dass sein Herz immer noch an der archäologischen Denkmalpflege hängt, das wurde zuletzt deutlich, als er sich bei den Grabungen in der Gießener Neustadt stets nach dem Stand erkundigte.

Zur Bodendenkmalpflege, wie es damals noch hieß, kam er als junger Lehrer an der Grundschule in Inheiden. Der damalige Gießener Museumsdirektor Dr. Herbert Krüger suchte eine Schulklasse, die beim Sammeln von Scherben helfen sollte. Blechschmidt begleitete Krüger fortan zu Grabungen, besuchte Fortbildungen und nach acht Jahren übernahm er 1972 das Ehrenamt des archäologischen Denkmalpflegers in Stadt und Region Gießen. Er kennt die Grabungsstellen wie kein Zweiter, dazu gehören als bekannteste die auf dem Schiffenberg, Kloster Arnsburg, Pohlheim-Grüningen sowie am Kirchenplatz in Gießen.

Als Mitbegründer (1979) und Vorstandsmitglied der Archäologischen Gesellschaft Hessen sorgte er als Schatzmeister (bis 2009) für so manche Restaurierung, die dank Spenden umgesetzt werden konnte, etwa das Kastell im Holzheimer Unterwald. Und als 1975 das Hessische Denkmalschutzgesetz erlassen wurde, da war er verantwortlich für die Installierung der Denkmalbeiräte in Stadt und Kreis Gießen, denn er verfügte bereits über ein großes Netzwerk an Kontakten zu interessierten und engagierten Menschen. Viele Ehrungen folgten: 1991 die Goldene Ehrennadel der Stadt Gießen, 1994 die Verdienstmedaille des Bundes und 2005 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2015 der Ehrenamtspreis für Denkmalpflege vom Landesamt in Wiesbaden.

Blechschmidt wurde geboren in Eger, er zählt zu den sudetendeutschen Heimatvertriebenen. Die Familie landete im Kreis Wetzlar. Eigentlich hätte er als Ältester den Schlosserbetrieb des Vaters übernehmen sollen, doch war er kurzsichtig, so durfte er auf’s Gymnasium und dann studieren. Er gehörte zum ersten Jahrgang der Hochschule für Erziehung der Justus-Liebig-Universität (1961). Auch an der Uni übernahm er Verantwortung, war der erste AStA-Referent der Pädagogen.

Nahtlos ging es für ihn 1964 in den Schuldienst, 1991 wurde er schließlich Rektor bis zur Pensionierung 2001. Kurzzeitig war er sogar Museumsleiter in Gießen.

Ehrenvorsitzender des OHG

Der Museumsleiter Ertl war überraschend gestorben und über einen neuen Leiter sollte erst nach der Neuorganisation der Stadt Lahn entschieden werden. Auch war das Oberhessische Museum noch in der Wiederaufbauphase, er hat den alten Bestand im Asterweg gehütet, eine Ausstellung zu Alt-Gießen organisiert. 1984 wurde er Beauftragter für "Schule und Museum" beim Staatlichen Schulamt, war Co-Herausgeber des ersten Museumsführers für die Region Mittelhessen. Publikationen, Vorträge und Exkursionen gehören zu seinem Engagement. Auch in Allendorf, wo er seit Jahren mit Ehefrau Hannelore und der Familie einer seiner zwei Söhne lebt, engagiert er sich für die Geschichte des Dorfes. Die Gratulantenschar dürfte morgen groß sein.

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