Albrecht Schuch (r.) als Reinhold und Welket Bungue als Francis in "Berlin Alexanderplatz".	FOTO: DPA-BILDFUNK
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Albrecht Schuch (r.) als Reinhold und Welket Bungue als Francis in »Berlin Alexanderplatz«. FOTO: DPA-BILDFUNK

Kinoprogrammpreis

Packender Film und frohe Nachricht im Kinocenter

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Zur Vorführung von »Berlin Alexanderplatz« gab es im Kinocenter einführende Informationen und die Nachricht, dass das Haus erstmals mit dem Kinoprogrammpreis ausgezeichnet wurde.

Gießen (gl). Kino, speziell Programmkino, soll und kann weit mehr sein als das bloße Anschauen eines Films. Und so ist man im Kinocenter froh, nach einer langen Lockdown-Durststrecke wegen Corona, den Kinobesuchern endlich wieder Diskussionen und Filmgespräche bieten zu können.

Nach der Live-Übertragung einer Diskussionsrunde zum Film »Marie Curie«, folgte am Freitag nun der zweite Abend solcher Art. Diesmal wurde der Film »Berlin Alexanderplatz« gezeigt, in dem es, sehr frei nach der Romanvorlage von Alfred Döblin erzählt, um das Schicksal eines Flüchtlings in Deutschland geht, der in seinem Bemühen gut zu sein immer wieder scheitert. Die rund 20 Zuschauer, corona-kompatibel im Broadway-Saal mit Abstand gesetzt, hatten zuvor die Gelegenheit, die Fakten zur Lage der Flüchtlinge in Deutschland zu hören. Jörg Cezanne, der für Die Linke im Bundestag sitzt, und Liliya Marinov vom Jugendmigrationsdienst des Internationalen Bundes in Lollar gaben kurze Statements ab. Cezanne war vom Filmverleih eingeladen worden, bei Vorstellungen des Films den Zuschauern diese Hintergrundinformationen zu liefern. Er erinnerte daran, dass weltweit mehr als 80 Millionen Menschen auf der Flucht sind, die meisten davon allerdings als Flüchtling im eigenen Land. 169 Städte in Deutschland, darunter auch Gießen, hätten sich angeboten, Flüchtlinge als »sicherer Hafen« aufzunehmen. Doch weil sich das Innenministerium weigere, so Cezanne, geschehe viel zu wenig. »Erschütternd und beschämend« empfinde er es, dass von den 1500 unbegleiteten Minderjährigen in griechischen Flüchtlingslagern Deutschland gerade einmal 54 aufnehmen wolle, dabei gäbe es in Hessen doch allein 230 mögliche Plätze.

Aus der »Lebenspraxis der Aktivisten« berichtete Liliya Marinov vom Jugendmigrationsdienst. Dieser betreut Geflüchtete im Alter zwischen 21 und 27 Jahren, erstellt mit ihnen gemeinsam Integrationspläne, gibt Hilfestellung bei der Suche nach Praktika und Sprachkursen. Dies alles sei auch ein Beitrag zur Prävention.

Was geschehen kann, wenn Flüchtlinge keine Unterstützung bekommen, zeigte im Folgenden der Film »Berlin Alexanderplatz« eindrücklich. Hier gerät der Protagonist, ein aus Afrika nach Deutschland Geflüchteter, in einen tödlichen Strudel aus Drogen, Gewalt und Zerstörung.

Kinoprogrammpreis und Dankeschön für Besucher

Jedes Jahr vergibt die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Kinoprogrammpreise als Auszeichnung der Kinos für ein kulturell herausragendes Jahresfilmprogramm. Das Kinocenter ist erstmalig Preisträger. In dieser unwägbaren Zeit, ist dies ein kleiner Lichtblick, der mir Mut und Zuversicht gibt, dass wir uns trotz der aktuellen Krise, auf einem guten, spannenden Weg befinden. »Wir sind sehr stolz darauf, für die Stadt und alle Gießener einen solchen Preis gewonnen zu haben und damit einen kleinen Beitrag zur Stadtkultur beitragen zu können. Auch wenn wir dieses Jahr viele geplante Veranstaltung vorerst nicht umsetzten konnten, bin ich überzeugt, dass das Kinocenter auch in Zukunft ein Ort für kulturellen Austausch bleiben wird. Wir werden weiterhin spannendes und abwechslungsreiches Programm und zahlreiche Sonderveranstaltungen bieten und so ein Forum für Kultur und Gemeinschaft bleiben«, betiont Martin Otto, Leiter des Kinocenters. Als Dankeschön an das Publikum wurde das »Welcome Back Ticket« noch einmal bis zum 11. August verlängert. Einfach beim Ticketkauf auf www.kinopolis.de/gi/programm/woche-1 auswählen. Dort lässt sich auch das Corona-Formular ausdrucken, das man schon ausgefüllt ins Kino mitbringen und so die Wartezeiten an der Kasse verkürzen kann.

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