Otto-Pläne

Otto-Pläne: Diese Fragen zum "Logistikzentrum Gießen" sind noch offen

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Das Großprojekt des Otto-Konzerns auf dem früheren AAFES-Gelände wird konkreter. Aber noch gibt es offene Fragen zu Verkehr, Landschaftsbild und Beschäftigten-Struktur.

Gut, dass Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen nicht davon abhängig machen, ob die Mikrofonanlage in einem Plenarsaal funktioniert. Andernfalls hätten die Vertreter der Otto Gruppe, die am Dienstagabend den parlamentarischen Ausschuss für Bauen, Planen, Umwelt und Verkehr über die Pläne für ihr Paketverteilzentrum informierten, ihr Ja zum Standort Gießen überdenken müssen. Schrille und krächzende Töne störten immer wieder die Beratung über den Entwurf des Bebauungsplans "Alter Flughafen III", aber nach eineinhalb Stunden konnte die Delegation um Logistik-Chef Stefan Hübner zufrieden den langen Heimweg gen Hamburg antreten. Einstimmig befürworteten die Fraktionen die Ansiedlung des 280 Millionen teuren "Logistikzentrums Gießen" auf dem früheren Gelände der AAFES. Die Zustimmung des Stadtparlaments am 21. Februar zum Entwurf und der offenbar fürs Frühjahr geplanten Bebauungsplan-Satzung dürfte zur Formsache werden.

Gleichwohl gibt es zum Verkehr, zum Landschaftsbild, zum Lärm und zur Struktur der Beschäftigten noch offene Fragen, die in den nächsten Wochen teilweise in Form von Gutachten beantwortet werden sollen. Oft war von einem "Glücksfall für die Stadt Gießen" die Rede, wenn ein Unternehmen 1300 Arbeitsplätze schaffen wolle.

Hauptsächlich Vollzeit-Jobs

Für Otto seien vier Gründe für Gießen ausschlaggebend gewesen, erklärte Logistik-Chef Hübner zu Beginn und nannte die "offene und faire Zusammenarbeit" mit Stadt und Depot-Eigentümerin Revikon, die geografische Lage "im Mittelpunkt Deutschlands", das große zusammenhängende Grundstück und den "Zugriff auf qualifizierte Mitarbeiter". In diesem Zusammenhang sagte Hübner, das die 1300 Arbeitskräfte im Wesentlichen in Vollzeit tätig sein werden. Gebraucht würden Kaufleute und Sicherheitspersonal, Techniker und Lagerarbeiter. In Spitzenzeiten wie vor Weihnachten könnten auch Studierende als Aushilfen zum Einsatz kommen. "Wir holen keine Leiharbeiter aus Spanien", sagte Hübner in Anspielung auf den Konkurrenten Amazon.

Zuvor hatte Linken-Fraktionschef Matthias Riedl, obwohl sozial- und wirtschaftspolitische Themen im Bauausschuss eigentlich nicht behandelt werden, Grundsatzkritik an der Logistikbranche mit ihren "prekären" Arbeitsbedingungen geübt und gefordert, den Großkonzern an den Erschließungskosten zu beteiligen. Dies dürfte sich erledigt haben, denn die Kosten der Erschließung trägt hauptsächlich die Depot-Eigentümerin Revikon, deren Geschäftsführer Daniel Beitlich ebenfalls anwesend war.

Verkehr ist großes Thema

Ein großes Thema ist der Verkehr. So erneuerte Fraktionschef Heiner Geißler die Bedenken der Freien Wähler, wonach die Autobahn-Anschlussstelle Ursulum nicht leistungsfähig genug sei, wenn durch das Logistikzentrum zum aktuellen Verkehr täglich noch 5000 Pkw- und Lkw-Fahrten hinzukommen. "Wenn die Abfahrt Ursulum dicht ist, werden die Leute schon in Wieseck abfahren und ihr Ziele dann durch Wieseck, Trohe und Rödgen ansteuern", prophezeite Geißler.

Planungsdezernent Peter Neidel (CDU) geht davon aus, dass die Situation durch die geplanten beiden Kreisverkehre im Oberlachweg und direkt am Lager sowie zwei Ampelkreuzungen an der Rudolf-Diesel-Straße beherrscht werden kann. Außerdem werde sich der Verkehr über den ganzen Tag verteilen. An den Landkreis appellierte Neidel, die "Ertüchtigung" der K22 (Udersbergstraße) in Angriff zu nehmen, denn Lkw würden das Paketverteilzentrum vermutlich auch über die A5/B49 anfahren.

Christian Heimbach (SPD) geht davon aus, dass die Belastung geringer sein wird als früher durch den Betrieb des AAFES-Lagers. "Wir wissen doch noch, wo die amerikanischen Trucks damals überall in der Stadt rumstanden", sagte Heimbach. Ein solches Szenario soll durch Lkw-Wartebereiche im Lagerbereich verhindert werden.

Markus Labasch (Grüne) äußerte die Bitte, bei der Anordnung der Betriebsbereiche die Folgen für das Landschaftsbild zu bedenken und auf Lücke zu bauen. "Die Wieseckaue ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Es wäre nicht schön, wenn durch die Hallenanordnung der Eindruck einer hohen Mauer entsteht", erklärte Labasch. Wie berichtet, darf im gesamten Gebiet des früheren Depot nicht höher als 20 Meter gebaut werden.

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