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Otto-Logistikzentrum: 1800 Arbeitsplätze möglich

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Keine Verkehrsprobleme, aber bis zu 1800 Arbeitsplätze, erwartet die Stadt durch die geplante Ansiedlung des "Logistikzentrums Gießen" durch die Otto-Group auf dem früheren AAFES-Gelände.

Wenn Gießens Politiker, Wirtschaftsförderer und Immobilienunternehmer in jedem Herbst nach München zur Expo-Real aufbrechen, lästert so mancher über die "Spesenritter". Aus Sicht der heimischen Politik und Immobilienwirtschaft indes ist die Messe unverzichtbar geworden, weil dort nicht nur Kontakte geknüpft, sondern große Geschäfte vorbereitet oder sogar abgeschlossen werden. Das war auch so mit der geplanten Ansiedlung des Paketverteilzentrums der Otto-Group auf dem AAFES-Areal. "Wir haben die Fläche schon vor Jahren bei der Expo-Real in den Ring geworfen, als Otto nach einem Standort gesucht hat", berichtet Daniel Beitlich, Geschäftsführer des Unternehmens Revikon, dem das frühere US-Depot gehört. Der Kaufvertrag mit Otto sei noch nicht unterschrieben, aber es sehe ganz gut aus, sagt Beitlich.

Unter anderem brauchen Revikon und Otto die politische Zustimmung für die Ansiedlung, aber die dürfte sicher sein. Am kommenden Dienstag berät der parlamentarische Bauausschuss über den Bebauungsplanentwurf "Am Alten Flughafen III", in dem es um die Nachnutzung des AAFES-Geländes geht. Der Magistrat spricht bezüglich des "Logistikzentrums Gießen" sogar von 1800 Arbeitsplätzen im "Endausbau" des Lagers. Wie Bürgermeister und Planungsdezernent Peter Neidel in der Antragsbegründung erklärt, laufen die Abstimmungen zwischen Otto, Revikon und der Stadt bereits seit Anfang 2018. Revikon habe sich in einem überregional ausgeschriebenen Standortsuchverfahren auch deshalb durchgesetzt, weil die beiden Hochschulen ein riesiges Potential an Aushilfskräften böten.

Otto hat es gefallen, dass es sich um eine zu 100 Prozent versiegelte Fläche handelt und nicht um grüne Wiese

Daniel Beitlich, Revikon-Geschäftsführer

Revikon-Geschäftsführer Beitlich ergänzt, dass Otto ein Unternehmen sei, das auch auf Umweltaspekte Wert lege. "Otto hat es gefallen, dass es sich um eine zu 100 Prozent versiegelte Fläche handelt und nicht um grüne Wiese. Die gute Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr war auch ein Argument", erläutert Beitlich.

Die Revikon hat auf dem Gelände aber noch einiges zu erledigen, ehe die Fläche "aufbereitet" an Otto übergeben werden. kann. Entsiegelung, Abriss von Hallen, gegebenenfalls Altlastensanierung, Verkehrserschließung und Kanalbau sind teilweise schon angelaufen. Laut Beitlich werden am Ende nicht viele Fläche für andere Nutzungen übrigbleiben. Oben an der Rudolf-Diesel-Straße wird eine für das Unternehmen Stanley/Tucker reserviert, ein Verwaltungsgebäude saniert Revikon selbst, auch der Bau einer Tankstelle ist geplant. "Damit kein Lkw zum Tanken in die Stadt fährt", erklärt Beitlich. Auch die Feuerwehr, die bekanntlich in zwei Jahren ins neue Gefahrenabhwehrzentrum umziehen will, könne ihre Fahrzeuge dort betanken.

Für Otto in Gießen: Zwei Kreisverkehre geplant

Ein großes Thema ist der Verkehr. Die Stadt geht von täglich zusätzlichen 4000 Pkw- und 850 Lkw-Fahrten aus, die sich aber über den ganzen Tag verteilen würden, da im Zwei- oder Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet werde. Die Beschäftigten können auch die neue Stadtbuslinie 17 nutzen, die durchs Depotgelände fahren wird.

Die Verkehrsplanung sieht zwei Kreisel vor: einen im Zuge des Oberlachwegs (Aldi/Admiral Club) vorne direkt an der Autobahnzufahrt Ursulum mit Radwegen und Zebrastreifen. Dort befand sich auch bislang die Hauptzufahrt zum Güterverzeilzentrum der US-Armee. Ein weiterer Kreisverkehr ist im Gelände unmittelbar vor der Einfahrt ins Logistikzentrum vorgesehen. An der oberen Zufahrt an der Rudolf-Diesel-Straße ist eine Ampelkreuzung geplant.

Wie schon im Bebauungsplan "Alter Flughafen I" bleibt die Bauhöhe auch im Geltungsbereich des dritten Teilplans auf maximal 20 Meter beschränkt. Aufgrund dieser Einschränkung erlahmte vor rund zwei Jahren das Interesse von Rewe am früheren US-Depot, um dort ein Zentrallager zu bauen. 400 bis 500 Arbeitsplätzen hätte diese Ansiedlung gebracht, schreibt Neidel.

Güterverkehr

Schiene nur eine Option

Aufgrund der bahntechnischen Gegegebenheiten als nur "theoretisch" stuft Depot-Eigentümer Beitlich die im Bebauungsplan erwähnte Option auf eine Reaktivierung der Bahnanlagen zum Gütertransport ein. Güterverkehr im größeren Maßstab ließe sich kaum in die eingleisige Vogelsbergbahn eintakten, zudem müssten sich die Güterzüge unterhalb der nördlichen Wohnlage von Rödgen rückwärts in das Gleis der Vogelsbergbahn einfädeln. "Das wollen wir den Rödgern nicht antun", sagte Beitlich.

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