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Echt jetzt? Auf dem Schulweg im Bus müssen Schüler ab Montag Mundschutz tragen, auf dem Schulgelände nicht. FOTO: SCHEPP

Schulstart

Gießen: Ostschule muss bei Maskenpflicht zurückrudern

Die Gesamtschule Gießen-Ost hat zum Schulstart nach der Corona-Pause eine Maskenpflicht angeordnet. Nun hat das Ministerium einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Frank Reuber macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. Anfang der Woche hatte der Leiter der Gesamtschule Gießen-Ost für seine Schule eine Maskenpflicht für alle Lehrkräfte und Schüler angeordnet, die mit dem Beginn des Unterrichts nach der Corona-Pause am Montag gelten sollte. Er berief sich auf Paragraf 20 der Dienstordnung, in der festgehalten ist, dass der Schulleiter für den schulischen Arbeits- und Gesundheitsschutz verantwortlich ist. Am Donnerstagabend wurde Reuber dennoch vom Kultusministerium und dem Staatlichen Schulamt zurückgepfiffen. "Das kann man wohl so sagen", bestätigt er am Freitag auf Anfrage dieser Zeitung. "Es hat mich verärgert, dass ich zurückrudern musste."

In einem Schreiben an die Elternvertreter hatte Reuber zuvor zudem mitgeteilt, dass "spätestens am Dienstag alle Schüler, die nicht im Besitz einer Alltagsmaske sind, vom Unterricht ausgeschlossen" werden. Weder von den Lehrern noch von Eltern habe es daraufhin Kritik gegeben, sagt Reuber. Im Gegenteil. Eltern und Lehrer sind nach Informationen dieser Zeitung zum Teil entsetzt, dass die Pflicht zur Maske zurückgenommen werden musste. Als Schulleiter dürfe Reuber das Tragen von Masken auf dem Schulgelände und im Unterricht nur "dringend empfehlen", nicht aber anordnen.

Das bestätigt auch Burkhard Schuldt, aktuell Leiter des Schulamts in Gießen. "Schulleiter können keine Maskenpflicht anordnen. Es gibt einen verbindlichen Hygieneplan für alle Schulen. Dieser Erlass ist verpflichtend. Wenn der Plan eingehalten wird, ist das Tragen von Masken auch nicht notwendig", sagt Schuldt. Zumal Gesundheitsämter das dauerhafte Tragen von Masken eher kritisch sehen würden, sagt er.

Der angesprochene Erlass beinhaltet unter anderem das Einhalten der Abstandsregeln. "Wir haben am Montag etwa 350 Schüler in 45 Räumen auf dem Gelände. Ich kann nicht garantieren, dass jeder einzelne sich jederzeit an diese Regel hält"; entgegnet Reuber. Der Schulleiter will nicht ausschließen, zumindest zu versuchen, eine Maskenpflicht für die Ostschule juristisch durchzusetzen. "Ich bin weiterhin der Meinung, dass eine Pflicht in einem so engen Raum wie einer Schule gut gewesen wäre. Auch um unsere älteren Lehrkräfte zu schützen, die sich freiwillig bereit erklärt haben, zu unterrichten", sagt Reuber.

An der Ostschule werden ab Montag nicht nur die Oberstufenschüler erwartet. An der Gesamtschule nehmen zusätzlich zu der größten Q 2 in Gießen mit 220 Jugendlichen dann auch Teile der Jahrgänge neun (33 Schüler) und zehn (80 Schüler) am Präsenzunterricht teil. Um dieser im Vergleich zu anderen Schulen großen Zahl Herr zu werden, hat die Schule Vorgaben erarbeitet, an die sich die Schüler halten sollen.In einem Youtube-Video haben zwei Ostschüler die wichtigsten Regeln für den Neustart zusammengefasst: Neben der Empfehlung zur Maske bereits auf dem Schulweg wird es ein geändertes Wegekonzept mit mehreren Eingängen geben, um die Schülerströme zu leiten. In der Schule gibt es eine Art Einbahnstraßensystem. Immer wieder wird auf den Mindestabstand von 1,50 Metern hingewiesen. Die Pausen werden in getrennten Zonen ohne Kontakt zu anderen Klassen oder Kursen verbracht. In den Toiletten darf sich nur eine Person aufhalten.

Insgesamt werden an den Gießener Schulen etwa 3000 der 17 000 Kinder und Jugendlichen zurück erwartet. In einem Pressegespräch im Rathaus hatte Ute Hinkelbein vom Schulamt auf den geänderten Turnus der Reinigung hingewiesen. Statt wie üblich alle zwei Tage werde nun täglich gereinigt: Vor allem Tische, Stühle, Klinken, Lichtschalter und Toiletten. Eine flächendeckende Desinfektion gebe es indes nicht; sagt Hinkelbein. In allen Räumen mit Waschbecken gebe es ausreichend Papierhandtücher und Seife. Räume ohne Waschbecken sollen Desinfektionsstationen erhalten. Die Schritte des Schulamts in Gießen gingen laut Hinkelbein über den Landesplan hinaus.

Schuldt ergänzt, dass das Land am Wochenende für alle Schüler Schutzmasken - auch an die städtischen Schulen - verteilen werde. Sie sollen aber nur als "Notfallset" dienen. "Damit wollen wir zum Beispiel sicherstellen, dass Schüler Bus fahren können, falls eine Maske verloren ist." Für Reuber unbegreiflich: "Eine Maske bietet Fremdschutz. Ich verstehe nicht, dass man nicht für das Maß an Sicherheit sorgen darf, das möglich wäre."

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