NEUOsterkundgebung_2021__4c
+
Etwa 50 Menschen beteiligen sich an der Kundgebung.

Kundgebung

Ostermarsch in Gießen: Zwischen Friedenspolitik und Doppelmoral

  • vonChristian Schneebeck
    schließen

Bei der Aktion am Katharinenplatz fordern Redner eine massive Abrüstung und die Abkehr vom Zwei-Prozent-Ziel.

Gießen (csk). Sage und schreibe zehn Nullen zieht die Drei hinter sich her. 30 Milliarden Euro mehr müsste Deutschland für seine Verteidigung ausgeben, um die Zwei-Prozent-Vorgabe der Nato zu erfüllen. Die 50 Teilnehmer der Osterkundgebung vom Friedensnetzwerk Gießen und dem Deutschen Gewerkschaftsbund zeigen diese Zahl am Karsamstag auf dem Katharinenplatz nicht nur - sie sprechen auch darüber. Wer es ernst meine mit der Friedenspolitik, müsse dafür kämpfen, dass Staaten weltweit »maximal ein Prozentihres Bruttoinlandsproduktes für Rüstung ausgeben«, betont etwa der DGB-Kreisvorsitzende Klaus Zecher: »Wir wollen kein Zwei-Prozent-Ziel für Tod, Vernichtung, Krieg und Flucht!«

Die Brücke zur Corona-Politik schlägt Martina Lennartz (DKP). »Jeder Cent, der in Aufrüstung fließt, fehlt in den Sozialsystemen«, sagt die Kommunalpolitikerin. Oder eben bei der Pandemie-Bekämpfung. Mindestens 400 000 Luftfilter könne man mit dem deutschen Rüstungsetat finanzieren, für Schulen, Pflegeheime und anderes mehr.

Ein Einzelschicksal hat derweil Sabine Lohmann im Gepäck. Das Mitglied der »Omas gegen rechts« erzählt den Zuhörern von dem jungen Iraker Ferhad. Mit elf Jahren musste er vor den Terroristen des Islamischen Staates aus seiner Heimat fliehen. Heute ist Ferhad 18 - und lebt in Hessen. Was seine Geschichte demonstriert? »Deutsche Waffen schießen mit in den Konflikten der Welt«, erklärt Lohmann und bezichtigt den viertgrößten Waffenexporteur der Erde einer politisch-ökonomischen Doppelmoral. »Das ist alles kein Zufall. Es hat System.«

In weiteren Redebeiträgen fordert ein Vertreter der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend den sofortigen Stopp aller Auslandseinsätze der Bundeswehr und die 21-jährige Lara Herrlich von der Linken mehr politisches Engagement, insbesondere aus ihrer Generation. Norbert Sutor (Antifaschistische Basis) nennt die Bundeswehr einen Akteur, der nicht zuerst die Sicherheit garantiere, sondern »strategische Interessen« und den »Zugang zu Bodenschätzen«.

»Die Friedensnobelpreisträgerin EU lässt die Menschen seit Jahren wissentlich im Stich«, echauffiert sich Desiree Becker. Die Seebrücke-Aktivistin spricht über die Lage im Mittelmeer und in Nordafrika. »Massengrab« und »Todesstreifen« sind zwei der Vokabeln, die sie dafür wählt.

Nachdem die Ostermärsche und Protestkundgebungen 2020 wegen der Corona-Pandemie bundesweit ausgefallen waren, gab es diesmal am Karsamstag laut dem Frankfurter Ostermarschbüro bundesweit in mehr als 60 Städten wieder Aktionen. Eine Gießener Delegation brach am Montagvormittag auf zum Frankfurter Ostermarsch, der unter dem Motto »Abrüsten statt Aufrüsten« stand.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare