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111 Orte und mehr als 222 Tipps

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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"Gießen wurde uns immer als hässlich verkauft. Aber wir fanden recht schnell, dass die Stadt und das Drumherum einen ganz eigenen Reiz haben." Das sagen die Brüder Holger und Roland Grumt Suárez - und lassen ihren Lobesworten Taten folgen. Gemeinsam haben sie eine Liebeserklärung an die Stadt geschrieben: Ihr Buch "111 Orte in und um Gießen, die man gesehen haben muss" ist im Emons Verlag erschienen.

Roland und Holger Grumt Suárez sind zwei besonders unternehmungslustige Brüder. Gemeinsam haben sie schon mehrere Buchprojekte gestemmt. Sie haben über "111 Insekten" geschrieben, ihre Geburtsinsel Gran Canaria gewürdigt und haben auch noch das eine oder andere Projekt - vom Krimi bis zum Kinderbuch - auf der Agenda. Ganz aktuell ist ihr Buch "111 Orte in und um Gießen, die man gesehen haben muss" erschienen, eine sachkundige, mit vielen Fakten und Fotos aufwartende Hommage an "Mittelhessens kleine Großstadt".

Holger hat an der JLU studiert und in Gießen die gesamte Klaviatur vom HiWi zum Wissenschaftlichen Mitarbeiter und Dozenten durchgespielt. Noch bis Jahresende ist der Computerlinguist und Informationswissenschaftler an der JLU angestellt und arbeitet an seiner Doktorarbeit. Bruder Roland hat ihn in den letzten 15 Jahren immer wieder hier besucht. Schnell wurde den beiden klar, dass all die Vorurteile über das ach so "hässliche und glanzlose" Gießen nicht stimmen. "Hässlich? Nein, das fanden wir irgendwie noch nie. Gießen hatte schon immer etwas Besonderes. Und das angefangen bei seinem Eszett", betont Roland.

Und so ist im Frühsommer 2019 die Idee entstanden, in der Reihe des Emons Verlags einmal mit "111 Orte in und um Gießen, die man gesehen haben muss" der Stadt und ihren Menschen eine Liebeserklärung zu machen. Das Leitmotiv der Autoren lautete dabei: "Gießen ist viel mehr, als der trügerische Schein trügt. Gießen ist schön. Punkt."

Gedacht ist das Bändchen nicht als dröger Reiseführer voller historischer Abhandlungen oder selbstgefälliger Insidertipps, sondern als Anregung, auf Entdeckungsreise zu gehen. Zielgruppe sind "Ansässige oder Zugereiste", Gießen-Besucher und alle, "die immer noch dem Irrglauben frönen, in und um Gießen gebe es nichts zu sehen und wenn doch, dann nichts Schönes". Und die Entdeckungsreise führt, gemäß dem Konzept der beliebten Reihe, auch über die Stadtgrenze hinaus: "Da braucht sich Gießen alles andere als verstecken. Ohne das Drumherum wäre Gießen nicht Gießen."

Ziel war es nicht nur, alles Altbekannte abzubilden, sondern "glorreiche Orte wie zum Beispiel das Stadttheater lieber in einen Tipp zu verpacken und dafür andere aus dem stillen Kämmerlein auf die große Bühne zu holen". Und so finden sich neben den naheliegenden Vorstellungen von Schiffenberg, Bismarckturm, Botanischem Garten oder Gießkannenmuseum auch "Menschenorte" wieder, wie der Airbrusher Harry, Schneiderin TAM Hering oder einige Restaurants, um auch die kulinarische Vielfalt der Stadt zu zeigen. Man erfährt, was ein Einbaum, ein Walskelett und ein Kosmonaut gemeinsam haben, kann Betonzigarren bestaunen oder auch ein frei stehendes Tor in Lützellinden entdecken und sich auf die Spur der Milchtankstelle in Heuchelheim begeben. Zahlreiche klug gewählte Tipps im Kleingedruckten ergänzen die Ideen für eine "Gießen-Entdeckungs-Rallye".

Die Tipps bieten reichlich Anregungen, auch in der unmittelbaren Nachbarschaft der unterhaltsam beschriebenen Sehenswürdigkeiten die Augen offen zu halten. "Bei den Tipps lag der Fokus erneut und verstärkt auf der Lokalität. Lokalkolorit, Lokalkolorit und noch mal Lokalkolorit. Kleine Geschäfte, der Laden um die Ecke, Nützliches und Praktisches von nebenan und gerne auch mal das Unerwartete", betont Roland Grumt Suárez. Und am Ende des Buches gibt es reichlich Kartenmaterial zur besseren Übersicht und zum leichteren Planen einer Entdeckungstour.

Aus ihrem Fundus an Erfahrungen und eigenen Erkundungen hatten die beiden Autoren relativ schnell weit über 100 Orte zusammengetragen. "Und im Laufe der Zeit wurden es gute 250 Orte auf der A-Liste und noch mal so viele auf der B-Liste. Bei der Auswahl wollten wir in etwa ein Gewicht von 2/3 Gießen und 1/3 Umland", beschreibt Roland Grumt Suárez die Recherchearbeit zum Buch, die wegen Corona in den letzten Monaten per Telefon, Videokonferenz, WhatsApp, Instagram und so weiter geführt wurde.

Ob sie einen Lieblingsort in und um Gießen benennen können, verneinen die beiden Autoren ganz eindeutig. "Wir sind keine Lieblingsmenschen. Wir haben nicht einmal ein Lieblingsgetränk, eine Lieblingsfarbe oder irgendein Lieblingsdingsdabumsda. Aber wir wollen trotzdem etwas antworten: die Menschenorte! Uns war von Anfang an klar: Wir wollen an die Menschen ran!"

Und die Autoren verschwenden nicht eine einzige Sekunde daran, sich zu fragen, ob irgendetwas im Buch fehlt. "Wir konzentrieren uns lieber auf das, was da ist: 111 Orte und mindestens 222 Tipps."

Vielleicht braucht es den Blick von außen, zweier kanarisch-deutscher Gießen-Fans, um die Vielfältigkeit und Attraktivität der Stadt so augenscheinlich zu machen. "Wer Gießen nicht ehrt, ist des Gießens nicht wert", ulkt Ronald Grumt Suárez in Reimform. Das Buch "111 Orte in und um Gießen, die man gesehen haben muss" bietet jede Menge Argumente für diese These. Lektüre dringend empfohlen.

Das 240 Seiten umfassende Bändchen mit zahlreichen Fotografien ist im Buchhandel für 16,95 Euro erhältlich (ISBN 978-3-7408-0971-3).

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