Der gefällt mir! Aber ist er auch der richtige Hund für mich? - Bei der Auswahl eines Hundes sollte man nicht auf digitale Lösungen setzen.
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Der gefällt mir! Aber ist er auch der richtige Hund für mich? - Bei der Auswahl eines Hundes sollte man nicht auf digitale Lösungen setzen.

Haustier aus dem Internet

Hund oder Katze online kaufen? Darum lauern große Gefahren

  • vonRedaktion
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Ein Haustier online zu kaufen, ist ganz einfach. Aussuchen, bezahlen, fertig. Aber der Umtausch bei Nichtgefallen wird oft zum Problem. Viele der »unpassenden« Vierbeiner landen schließlich im Tierheim. Das ließe sich vermeiden, wenn man bei Lebewesen auf virtuelle Auswahl verzichten würde, sagen Tierschützer vor Ort.

Lucky wirft den Kopf in den Nacken und heult sein Elend in die Welt hinaus. Während Astrid Paparone, die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins, auf dem Gelände des Tierheims von den Problemen berichtet, die Käufe über E-Bay und Co. häufig für alle Beteiligten mit sich bringen, ist der Australian- Shepherd-Mix im benachbarten Auslauf das beste Beispiel für die Schilderungen: Der hübsche Rüde wurde auf E-Bay angeboten. Er sollte wegen einer Allergie in der Familie abgegeben werden. Die Interessenten glaubten, günstig an ein nettes vierbeiniges Familienmitglied zu kommen und kauften das Tier. Wie sich herausstellen sollte, war die Allergie ein vorgeschobener Grund. Lucky ist ein zutiefst unsicherer Hund, der sich vor Männern fürchtet und nicht allein zu Hause bleiben kann, ohne die Einrichtung zu zerlegen und erbärmlich zu bellen. Er konnte nicht in den Familienalltag integriert werden und landete im Tierheim.

Solche Beispiele gibt es viele im Tierheim. Da ist ein türkischer Herdenschutzhund, der als niedlicher Welpe auf E-Bay angeboten wurde. Nach dem Kauf war der angebliche Züchter nicht mehr auffindbar. Auch Dobermann Maddox wurde auf einer Online-Plattform vorgestellt. Gekauft hat ihn eine Frau, die im Internet »Hunde shoppen« geht - und sie wieder verkauft, wenn sie das Interesse an den Tieren verliert. Für Paparone absolut inakzeptabel. »Jeder erneute Besitzerwechsel ist schmerzlich für die Tiere.« Die Hundetrainerin weiß, wie mühsam es ist, die entstandenen Wunden zu heilen. Manchmal sei es auch gar nicht möglich, Verhaltensstörungen zu beheben. Die meisten »Problemhunde« seien unverstandene Hunde: Deshalb sei es so wichtig, dass man sich bei der Anschaffung eines Hundes sachkundig beraten lasse. »Wer passt zu wem?« ist eine entscheidende Frage bei der Wahl. Die meisten Menschen ließen sich zu sehr von der Optik eines Hundes leiten, weiß die Expertin. Doch der vermeintliche Traumhund könne sich rasch in einen Albtraum verwandeln, wenn die Bedürfnisse des Tieres und die Lebensrealität des Besitzers nicht zusammenpassten. Wenn die Besitzer nicht berücksichtigten, wozu die favorisierte Rasse einmal gezüchtet worden sei, seien Verhaltensauffälligkeiten programmiert. Dann bekomme man möglicherweise einen Hütehund, der zwanghaft Radfahrer jage und aggressiv werde, weil ihm der tägliche Spaziergang »um den Block« nicht ausreiche. Statt sich bequem vom Sofa aus durch die digitale Tierwelt zu klicken, empfehlen die Tierschützer, sich vor Ort ein Bild zu machen. Wolle man einen Hund aus dem Ausland zu sich holen, sollte man sich Tierschutzorganisationen anvertrauen, die in Deutschland Pflegeplätze haben. Zu oft komme es vor, dass der Wunschhund aus Griechenland oder Spanien, den man direkt am Flughafen in Empfang nehme, nicht den Erwartungen entspreche. Die Folgen seien, dass sowohl Mensch als auch Hund nicht glücklich würden.

Und auch, wer sich von seinem Tier trennen müsse, weil die Lebensumstände die Haltung nicht mehr erlauben, sollte sich an ein gut geführtes Tierheim wenden, statt es online zu präsentieren.

»Tierheime gelten zu Unrecht als die allerletzte Option«, sagt Paparone. »Hier sind die Hunde gut versorgt und wir können den idealen Platz suchen.«

Bei manchen Hunden sei das sehr schwierig, das räumen die Tierschützer ein. Aber ihnen ist es immer noch lieber, einen Dauergast zu beherbergen, als sich der bedauernswerten »Wanderpokale« annehmen zu müssen, die von einem zum anderen gereicht werden, weil irgendetwas an ihnen immer »falsch« sei. Paparone: »Kein Tier hat so etwas verdient.«

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