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Oma, erzähl doch mal…

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Olle Kamellen. Wer will schon so genau wissen, was Oma und Opa von früher zu erzählen haben? Eine Gruppe Studierender wollte das und hat den Blog "Jung&Alt" erstellt. Aus der Pflichtübung fürs Studium wurde ein spannendes Projekt - und eine Liebeserklärung an die Großelterngeneration.

Oma Giselas Rezept für die ewige Liebe, Opa Rudis Erfolgsfaktoren für den Beruf, Oma Ernis Ratschläge an ihr 20-jähriges Ich, Witze zum Augenrollen.... Wer anfängt, auf der Seite www.vitaritus-2.de zu stöbern, der hört so schnell nicht wieder auf. Dabei hatte alles mit Ratlosigkeit angefangen, erinnern sich Ellen Markus und Anne Abraham. Die Studierenden der THM sollten im Rahmen ihrer Semesterarbeit in "Digital Marketing" (Prof. Jan Freidank) einen Blog erstellen. Sie grübelten und fanden ihre Ideen nur mäßig interessant. Bis Anne einen Einfall hatte: Wir machen einen Generationendialog. Sie selbst lebt mit ihrer Oma Erni unter einem Dach und weiß, dass die 83-Jährige viel zu erzählen hat. Ihre Mitstreiter Ellen, Leroy, Bianca und Lena waren sofort begeistert. "Wir befragen ältere Menschen viel zu selten, dabei haben sie einen riesigen Erfahrungs- und Wissensschatz", sagt Ellen. Alle fünf machten sich auf den Weg - unter Berücksichtigung aller Corona-Schutzmaßnahmen - und suchten das Gespräch mit Senioren. Zunächst wurden sie in der eigenen Familie fündig, doch nach und nach wurden die Kreise größer. Auch die Bandbreite der Themen wurde unerwartet vielseitig. Im Mai ging schließlich ein Blog online, der ebenso unterhaltsam wie informativ ist. Unter den Kategorien Leben, Lachen, Lernen sind Geschichten zu finden, die nur erzählen kann, wer schon viele Jahre auf dieser Welt ist und zahlreiche Erfahrungen gesammelt hat. "Wir waren total erstaunt, wie mutig und offen unsere Gesprächspartner waren", erzählt Anne. Die Seniorinnen und Senioren hätten sehr persönliche Erlebnisse offenbart - Schicksalsschläge ebenso wie freudige Ereignisse, die man nie wieder vergisst. Kein Geschichtsunterricht könne einem so eindrücklich nahebringen, was Krieg bedeutet, wie es wirklich gewesen ist, als Kind diese schreckliche Zeit erlebt zu haben. Jede heranwachsende Generation ist der tiefen Überzeugung, die Welt neu zu erfinden, jeder will seine eigenen Erfahrungen machen und nicht auf die Ratschläge der Alten hören - das muss so sein und gehört zum Erwachsenwerden. Schade ist es nur, wenn man schließlich bereit für Fragen ist und niemanden mehr findet, an den man sie richten kann. "Wir wollten die Zeit nutzen und diesen Schatz heben", sagen die Studierenden. Die Omas und Opas berichten nicht nur von früher, sondern schildern auch ihr jetziges Leben. Was ist ihnen wichtig, was gibt ihnen ihr Ehrenamt, was sind ihre Lieblingsplätze? Ergänzt werden die Berichte von praktischen Alltagstipps, Rezepten und Witzen - alles Kostbarkeiten, die zu bewahren sich lohnt. Ziel des Blogs ist es, Senioren im Netz eine Plattform zu geben und der jüngeren Generation vor Augen zu führen, was in den Omas und Opas steckt. "Gleichzeitig wollen wir den Großeltern zeigen, dass sie ein ganz wichtiger, unersetzbarer Teil unserer Gesellschaft sind", schreiben die Studierenden.

Und wie geht es weiter, wenn das Uni-Projekt beendet ist? "Wir setzen das fort, wenn auch vielleicht nicht mehr so regelmäßig Beiträge kommen", sagt Anne. Dass das Projekt auch dazu beiträgt, sich mit dem eigenen Altern zu beschäftigen, zeigen die Porträts der Studierenden: Sie setzen sich aus einer jungen, makellosen Hälfte und einer gealterten Hälfte zusammen, in der die Jahre ihre Spuren hinterlassen haben. Schön und ein bisschen erschreckend - so wie das Leben. FOTOS: LEJA JOHANNSON

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