"Olymp und Hades" verlässt die Dern-Passage

Nach dem Auszug des Eiscafés aus der Dern-Passage vor einem Dreivierteljahr - die Fläche steht bis heute leer - gibt es eine weitere schlechte Nachricht für die dort eingemieteten Geschäftsleute: Die Modekette "Olymp und Hades" will das Einkaufszentrum nach 13 Jahren zum 28. Dezember verlassen.

Gießen (kw). "Es gibt Gießener, die die Passage gar nicht kennen." "Wir sehen keinen Fortschritt und überlegen zu kündigen." "Was daraus wird, scheint da oben keinen zu interessieren." Skeptisch äußerten sich gestern auf AZ-Anfrage gegenwärtige und ehemalige Betreiber von Läden in der Dern-Passage. Nach dem Auszug des Eiscafés vor einem Dreivierteljahr - die Fläche steht bis heute leer - gibt es eine weitere schlechte Nachricht für die dort eingemieteten Geschäftsleute: Die Modekette "Olymp und Hades" will das Einkaufszentrum nach 13 Jahren zum 28. Dezember verlassen. Man arbeite "an einer Vermietung aller offenen Flächen", es gebe Gespräche mit Interessenten: Das erklärte eine Sprecherin des Frankfurter Unternehmens Lohnbach Investment Partners GmbH, das die Kredite für die verschuldete Passage 2006 von den Banken übernommen hat.

"Olymp und Hades" - Bekleidungsgeschäft vor allem für junges Publikum - wurde 1995 als "Zugpferd" in die Passage geholt. Inhaber ist die in Köln ansässige Firma Welter & Görgens, die seit drei Jahren außerdem den Laden "Kult" in der Galerie Neustädter Tor betreibt. Jener Standort habe sich als lohnender erwiesen, hieß es gestern auf Anfrage bei Welter & Görgens.

Drastischere Worte für die wenig belebte Dern-Passage fielen gestern bei einem kleinen Rundgang vor Ort. "Tot", lautete das Urteil mehrerer Passanten und Geschäfts-Mitarbeiter, und immer wieder hieß es: "Es wird nicht viel gemacht." So habe sich die Werbegemeinschaft einiger Läden wieder aufgelöst, auch weil die verhältnismäßig großen Mieter dabei außen vor geblieben seien. Es gebe kein Center-Management vor Ort. Zwar habe der neue Eigner Lohnbach Investment im vergangenen Jahr Fassade und Fußböden erneuert, doch nach wie vor fehle es an Schildern oder Fahnen, die offensiv auf das 3755 Quadratmeter große Einkaufszentrum an der Westanlage aufmerksam machen.

Über zu geringen Bekanntheitsgrad und schlechte Rahmenbedingungen in dem 26-Millionen-Bau beschwerten sich Ladenbetreiber erstmals bereits einige Monate nach der Eröffnung der Passage 1993. Wer diese früheren Jahre noch erlebt hat, blickt nun mitunter wehmütig darauf zurück. Bis Ende 2000 profitierte die Passage zum Beispiel vom benachbarten Möbelhaus Sommerlad - erst jetzt sind am Flutgraben im "Liebig-Center" neue Geschäfte eingezogen.

So richtig bergab sei es in den letzten Monaten nach dem Auszug des Eiscafés gegangen, sagen Geschäftsleute. Gerade im Winter habe man unter dem Glasdach so schön gesessen wie sonst kaum irgendwo in Gießen. Seit Monaten gähnen dort leere Schaufenster, und die einst gegenüber gelegene Gaststätte ist längst ein "Discount-Shop". Dass manche Geschäfte über viele Monate verwaist bleiben, wundert einige Kenner der Immobilie: "Eigentlich wäre etwas daraus zu machen." Schließlich gingen täglich zahlreiche Bahn-Pendler durch die sehr innenstadtnahe Passage, es gebe günstige Parkplätze.

"In der Tat ist im Lauf des Jahres der eine oder andere Mieter rausgegangen", räumt die Sprecherin des Investors ein. Die Gründe für die Kündigungen seien unterschiedlich. Nach den Aussichten der derzeitigen Gespräche gefragt, verweist sie auf "die gesamtwirtschaftliche Lage". Man arbeite derzeit an einem Neukonzept; dies werde sich "nach den Bedürfnissen der neuen Mieter richten". Lohnbach Investments ist spezialisiert darauf, Investitionen in Not leidende Gewerbeimmobilienkredite zu arrangieren. Als im Jahr 2000 erstmals die Zwangsversteigerung der Dern-Passage beantragt wurde, war die Rede von rund 20 Millionen Euro Schulden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare