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Miranda Glikson, Brigitte Helmrich und Nils Hartwig (v. l.) in Aktion.

Ohne Sinn mit allen Sinnen

  • VonDagmar Klein
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»Die Welt der Dinge erspüren! Ertasten, formen, riechen, verbergen, enthüllen, zerstören, zum Klingen bringen.« Es ist eine spielerische Choreografie, die Miranda Glikson und Bettina Helmrich gemeinsam entwickelt haben. Sie bewegt sich an der Grenze zur Performance, da für die Beteiligten immer ein Anteil Improvisation bleibt. Gedacht ist sie für alle ab vier Jahren.

Eigentlich sind wir ein Quartett.« Die beiden Tänzerinnen lachen. Natürlich gehört Saxofonist Nils Hartwig als aktiver Part dazu, doch die beiden zählen auch »das Material« dazu. »Das Material gibt vor, wie wir uns bewegen, wie wir den Raum gestalten können.« Ausgewählt haben sie zehn quadratische Pappkartonplatten, die robust genug sind, dass man sie werfen und darauf laufen kann. Die Platten machen auch Geräusche beim Fallen und aneinander reiben. Das greift der Musiker auf mit seinem Instrument, evoziert merkwürdige Töne mit seinem Saxophon. Manchmal klingt es nur wie ein Lufthauch. Und dieses Hauchen nehmen die Tänzerinnen auf, blasen in die Nischen ihres Papphauses und plötzlich sind sie mitten in einem stürmischen Wald, werden zu kriechenden Tieren, die krächzende und knurrende Töne hervorstoßen.

Kommunikation erforschen

So ähnlich kann man sich vorstellen, wie die Drei miteinander und mit ihrem Material kommunizieren. Glikson und Helmrich verbindet das Erforschen der menschlichen Kommunikation und das Umsetzen in Performances. Sie haben schon andere Stücke erarbeitet, die aber nur an Helmrichs Wohnort Kassel zu sehen waren. Nun also »Das Geheimnis der Dinge«, eine Tanz- und Musikperformance für alle ab vier Jahren. Es ist die erste, die in Gliksons Wahlheimat Gießen stattfindet.

Brigitte Helmrich studierte Tanz und Performance an der Kunsthochschule Arnhem/NL, ist seit Jahren freischaffend als Tänzerin, Choreografin, Filmemacherin. Sie arbeitet an der Schnittstelle zwischen darstellender und bildender Kunst. Zentrale Frage: Wie wird Empfindung vom Körper in Bewegung umgesetzt.

Miranda Glikson ist als langjähriges Mitglied der Tanzcompagnie Gießen (TCG) bekannt. Die Australierin studierte Tanz in Brisbane/AU, tanzte in diversen Ensembles in Australien, Asien und Deutschland. Nach dem Weggang von der TCG studierte sie Tanzpädagogik an der Hochschule in Frankfurt, begann 2015 mit Recherchen für ihre Promotion. Sie arbeitet in verschiedenen Kontexten als Pädagogin, Choreografin und Assistentin. Immer mal wieder trat sie in den vergangenen Jahren mit Improvisationsstücken auf, die sie gemeinsam mit Musikern des Gießener Improvisers Pool aufführte.

Zur Gruppe gehört auch Nils Hartwig. Er unterrichtet an der Musikschule Gießen und ist noch in anderen Ensembles der Neuen Improvisierten Musik aktiv. Das Tanzstück »Geheimnis der Dinge« gestaltet er im Sound mit. Er gibt seiner Musik einen eigenen Raum, nimmt mal Anregungen von den Bewegungen auf, setzt auch selbst Akzente, die die Tänzerinnen weiternutzen. Es ist wie das Spiel von Kindern: Ohne Sinn mit allen Sinnen. Im Spiel die Welt kennenlernen, aus Ordnung Chaos schaffen und umgekehrt, die eigenen Fähigkeiten entwickeln.

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