Gießener Mangel an öffentlichen Toiletten wurde durch Corona deutlich
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Gießener Mangel an öffentlichen Toiletten wurde durch Corona deutlich

Start im Dezember

Öffentliche Toiletten in Gießen erleben Comeback

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Im Corona-Lockdown wurde es durch den Wegfall der »Netten Toiletten« in der Innenstadt offensichtlich: In Gießen fehlen öffentliche WC-Anlagen. Das hat im Magistrat nun zu einem Sinneswandel geführt.

Schlechte Erfahrungen mit Vandalismus und hohe Kosten: Mit diesen Argumenten hatte die Stadt in den vergangenen Jahren wiederholt Forderungen nach der Errichtung von öffentlichen Toiletten im Gießener Stadtgebiet zurückgewiesen. Nun aber scheint sich im Magistrat ein Sinneswandel zu vollziehen. Im Rathaus am Berliner Platz wird derzeit eine neben dem Haupteingang bereits befindliche Toilettenanlage umgebaut: Sie soll künftig auch von außen zugänglich sein, wenn das Rathaus geschlossen ist. Zudem wird die Aufstellung von selbstreinigenden Toiletten an anderen Standorten in Betracht gezogen.

Dies teilte Stadträtin Astrid Eibelshäuser in der jüngsten Stadtverordnetensitzung auf Anfrage der AfD-Fraktionsvorsitzenden Sandra Weegels mit. »Im Rathaus wird aktuell eine Toilettenanlage barrierefrei umgebaut, die zukünftig auch außerhalb der Öffnungszeiten vom Rathausplatz zugänglich sein wird«, erklärte die für das Hochbauamt zuständige Dezernentin. Wie die Stadt am Donnerstag ergänzte, sind alle entsprechenden Gewerke beauftragt worden. »Wir rechnen mit der Fertigstellung im Dezember«, sagte Pressesprecherin Claudia Boje.

Gleichzeitig setzt die Stadt laut Eibelshäuser weiterhin auf das Konzept der »Netten Toilette«, das auch zukünftig eine wichtige Rolle in der Innenstadt spielen soll. Etwa 30 Gaststätten und Institutionen wie Museen beteiligen sich in Gießen an der Netten Toiletten und erlauben Stadtbesuchern die Benutzung von Kundentoiletten. Zudem verwies die Stadträtin darauf, dass vor drei Jahren die Toilettenanlagen in den Marktlauben saniert worden sind, sodass sie während der beiden Markttage am Mittwoch und Samstag zur Verfügung stünden. Zusätzlich würden auch Angebote eingeholt, um selbstreinigende Toiletten in der Innenstadt aufzustellen. Dies sei im »öffentlichen Interesse«, hatte Eibelshäuser erklärt.

Das Umdenken dürfte auch etwas mit dem Lockdown im vergangenen Frühjahr zu tun haben. Die zeitweise Schließung der Geschäfte und Restaurants und damit der Wegfall der »Netten Toilette« machte deutlich, dass es in Gießen keine öffentlichen WC-Anlagen gibt. Auch nach der Wiederöffnung blieben etliche Kundentoiletten in den Geschäften aus Gründen des Infektionsschutzes geschlossen. Von den BID-Vereinen kam damals die Anregung an die Stadt, kurzfristig »Dixie«-Klos aufzustellen.

Teures Klo am Elefantenklo

Schlechte Erfahrungen mit Vandalismusschäden hatte die Stadt zuletzt mit den beiden kostenpflichtigen Anlagen am Marktplatz und am Elefantenklo gemacht, die geschlossen bzw. abgebaut wurden. Die 2002 aufgestellte öffentliche WC-Anlage am Selterstor hatte laut Eibelshäuser rund 83 000 Euro Betriebskosten verursacht. In erster Linie aufgrund des enorm hohen Reinigungs- und Betriebskostenaufwands, aber auch wegen der Kritik des BID-Vereins Seltersweg am Standort, sei die Anlage vor acht Jahren entfernt worden, erläuterte Eibelshäuser in der Fragestunde des Parlaments. Auch die in ein Wartehäuschen integrierte Toilette am Busbahnhof Marktplatz war nach etlichen Schäden und Funktionsstörungen außer Betrieb genommen worden.

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